Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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94 folgt all diesen Segnungen die Verheissung: Und ich werde Friede geben dem Lande.“ (Raschi z. St.) Aber die Friedensliebe des Juden erschöpft sich nicht in der Sehnsucht nach dem Frieden für sich und in dem Bestreben, mit allen Menschen im Frieden zu leben. Sie findet nicht ihr Genügen in der Bekundung des Willens, alles zu vermeiden, was den Frieden stören könnte und wo nur möglich, Angriffe auf die Ehre und den materiellen Besitz ungestraft hingehen zu lassen, um des Friedens willen. So verdienstvoll, so lobenswert diese Art der Liebe zum Frieden auch ist, sie bildet noch lange nicht den höchsten Grad der Steigerung, deren die wahre Friedensliebe fähig ist und der auch im Judentume erreicht wird. Es handelt sich bei dieser wirklich tatkräftigen Friedensliebe nicht um das eigene Interesse, sondern um die Herstellung eines friedlichen Einvernehmens unter Nebenmenschen, deren freundschaftliche Beziehungen durch einen Fehltritt des einen der entzweiten Brüder oder Freunde, oft auch durch ein Missverständnis oder etwas zu viel Empfindsamkeit auf irgend einer Seite zerrissen wurden. Diese schöne Aufgabe legt uns mit jedem Morgen die Stelle in unserer Tefilla, welche dem Priestersegen nach der ברכת התודה in den Brochaus folgt, recht eindringlich nahe. Das Friedenstiften zwischen Mensch und Nebenmensch wird hier verschiedenen, erhabenen צות£ gleichgestellt, von denen der sie betätigende Mensch .,die Früchte in dieser Welt geniesst, deren Grundstock (das (Hauptverdienst) aber ihm sicher gestellt ist für die künftige Welt“ (Talm. Pea 1, 1). Charakteristisch ist hier der Ausdruck: ״Das Bringen (Zutragen) des Friedens“ — והבאת שלום בין אדם לחברו — was wohl sagen will, dass an einen Erfolg dieser Friedensvermittlung am ehesten gedacht werden kann, wenn man gleich den Frieden mitbringen kann, d. h. wenn