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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 90 (sequence 91)
Language
German
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90 Gefühle, das in allen Menschen Geschöpfe Gottes erkannte, war es das göttliche Sittengesetz, waren es die Pflichten gegen die Nebenmenschen, die alle Glieder der Menschheit umfassen und deren oberster Grundsatz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ lautet, die im Judentume die Möglichkeit eines Angriffskrieges gegen ein anderes Volk nicht aufkommen Hessen. Aus diesem Grunde ist wohl auch unter den Thorageboten keines enthalten, das sich direkt auf die Wahrung und Förderung des Friedens bezieht. Bei der grossen Menge sozialer Vorschriften, bei der einzigartigen Hoheit des göttlichen Sittengesetzes, das die weiseste Gerechtigkeit atmet und die ganze Menschheit umfasst, und insbesondere bei dem reinsten Gottesbegriff des jüdischen Volkes war es etwas Selbstverständliches, dass man sich bestrebte, mit allen Menschen innerhalb und ausserhalb des Landes im Frieden zu leben. Nur ein einziges Mal ist in der Thora ein ausdrückliches Gebot zur Erhaltung des Friedens enthalten und dieses verlangt — charakteristisch genug — den Frieden mit dem Feinde. Denn auch das jüdische Volk musste Kriege führen, so sehr sie ihm zuwider waren. Aber nicht aus Furcht vor dem Kriege war ihm das Kriegführen zuwider, sondern — wie wir gesehen — aus Liebe zum Frieden. Auch das jüdische Volk musste das rauhe Waffenhandwerk lernen und gar oft davon Gebrauch machen, denn „es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“. Und gar oft kam es vor, dass böse Nachbarn neidisch nach dem schönen Lande Kanaan schielten und ebenso oft kam es vor, dass die jüdische Gewissensfreiheit angetastet wurde, was für ein Gottesvolk noch weit schlimmer ist, als der Raub der materiellen Güter. Da wehrte sich aber auch Israel recht tapfer, und die Geschichte — die alte und die neue — weiss gar viel vom jüdischen Helden-

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