Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Rahmen gewertet werden. Der Westjude besitzt in der Weltsprache seines Wirtsvolkes dieses Verständigungsmittel; nicht das Judentum hat ihm das jiddische Idiom genommen, das seine Eltern und Grosseltern noch geläufig gesprochen haben, noch hat das Judentum das Jjiddische dem Ostjuden eingeprägt. Dieses Idiom als Schande für die Zukunft, als das Kainszeichen des Ostjuden zu bezeichnen, ist jedenfalls ganz unberechtigt: es wird als ein neutrales Idiom in den Ohren der sich jetzt bekämpfenden Völker besser klingen, denn die Weltsprache des gewesenen Todfeindes. Endlich kann die durchschnittliche grössere Kenntnis des Hebräischen und die des Inhaltes und Geistes der vieltausendjährigen jüdischen Literatur im Osten keine Basis eines separatistischen Ostjudentums bilden; noch weniger die geringere Kenntnis eine Grundlage für ein Westjudentum sein. Besteht doch seit Jahrhunderten der grösste Professorenaustausch zwischen Ost und West innerhalb des Judentumes, uud die meisten aus dem Osten bezogenen Celebritäten des Westens verbreiten dort im Westen eben diese ihre im Osten erworbenen Kenntnisse. Die Nivellierung alles dessen, was das Wesen und den Inhalt des Judentums ausmacht, bildet jetzt ebenso wie vor Jahrhunderten das oberste Ziel und Streben aller Judenschichten sowohl im Osten wie im Westen; auch für die Zukunft ist nirgends ein Abweichen von diesem Streben zu erblicken: das Judentum wird daher auch immer einheitlich bleiben, wie es immer einheitlich für alle Juden gewesen war. Die Kulturnuancen der einzelnen Juden in den einzelnen Gegenden sind auf ihre Wirtsvölker zurückzuführen; deren Kulturnuancen aber sind in der Regel in ihrer verschiedenartigen Stellung im allgemeinen