Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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83 physischen Veranlagung der Menschen entstehen und die eine Folge des Milieus und der materiellen Verhältnisse sind; diese können aber mit dem Osten und mit dem Westen, mit dem Juden und mit dem Nichtjuden in gar keine engere Verbindung gebracht werden: das Individuum als solches ist der Träger dieser Momente, nicht aber die Gemeinschaft, mag diese eine nationale oder eine religiöse, eine uralte jüdische oder eine moderne nichtjüdische sein. Aber auch aus den jüdisch-gemeinschaftlichen Momenten kann man keinen Gegensatz für Ost und West herauskonstruieren. Das Judentum war niemals an eine Staatsangehörigkeit gebunden, es kann auch nicht durch theoretische Spitzfindigkeit an eine bestimmte Gegend, an eine bestimmte Weltgegend festgelegt werden: Ostjudentum wie Westjudentum sind daher begriffliche Widersprüche, contradictiones in adjecto. Die Beobachtung der traditionellen Normen, deren genaue und minutiöse Durchführung, sowie die Tiefe der Religiosität ist ein Hauptfaktor des Judentums; allein die grössere Tiefe derselben im Osten, der mindere Ernst für dieselben im Westen kann unter keinen Umständen als ein Gegensatz hingestellt werden; hier wie dort gibt es in beiden Beziehungen grosse i\usnahmen und bei beiden wird, dort beim Mindestmass, hier beim Höchstmass, immer voll und ganz anerkannt, dass der betreffende Jude als Mitträger des gemeinsamen Judentums anzusehen ist. Der jiddische Dialekt kann als Basis eines Ostjudentums nicht angesehen werden, noch weniger gar das Fehlen desselben als Grundlage des Westjudentums. Dieser ist doch nur aus dem Bedürfnisse eines Verständigungsmittels für die zwischen den verschiedenen Slawenstämmen, Magyaren und Türken lebenden Juden entstanden und er kann daher nur in diesem