Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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81 stens und des Ostens zusammenpassen, dann passen auch die Juden von hüben und drüben zusammen. Die These, dass die Juden des Ostens nicht bodenständig seien und daher den Westen überschwemmen könnten, die östlichen Nichtjuden aber an der Scholle hängen und diese nicht verlassen, ist ganz unbegründet in Oesterreich sehen wir ein Schulbeispiel, dass ausser nach Wien, in die Reichshauptstadt, sich nur äusserst selten ein österreichischer Ostjude in den österreichischen Westen verirrt, denn auch der Ostjude hängt an seiner östlichen Scholle, an seinem Judengässel. Die Voraussetzung ist überhaupt falsch, dass es einen inneren Gegensatz zwischen den Ost- und den Westjuden gäbe, war doch die Majorität der Westjuden bis vor ioo bis 150 Jahren selbst-Ostjuden. Die Zahl der Urwestjuden, die von Ostjuden reine Stammbäume auf 100 bis 150 Jahre zurückführen könnten, ist äusserst gering; grosse Sterblichkeit und noch grösserer Abfall vom Judentume hat die Zahl der „wirklichen Westjuden“ auf ein Minimum verringert. Dann ist doch fast die gesamte geistliche, d. L jüdische Leitung der Westjuden — ostjüdisch; die Rabbiner und Prediger von Frankfurt, Berlin, England und Frankreich können sich meistens der östlichen Heimat ihrer Eltern erinnern; die wissenschaftlichen Arbeiter auf dem Gebiete des Judentums im Bereiche des Westens können aus ihren Geburtsscheinen meistens ersehen, dass ihre Wiege im Osten gestanden hat; auch die Basis der kommerziellen Tüchtigkeit der einfachen und geheimen Kommerzienräte wird meistens nur deshalb nicht genau publiziert, weil auch diese geistigen Anlagen ihren Ursprung im Osten haben. Die westjüdische Jugend soll, nach der verbreiteten Meinung, durch die Erziehung des Westens eine andere Qualität sich angeeignet haben; auch habe auf diese