Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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73 für die höchste Ethik in der Lebensführung zu erschliessen, um sie zu gestählten, festen Charakteren zu erziehen und um die jüdische Weltanschauung so feste Wurzel in ihnen fassen zu lassen, dass sie ihr treu bleiben in einer Welt, die voll von Gegensätzen ist zu dieser Lehre. Es geht über den Rahmen dieses Aufsatzes hinaus, an einer grösseren Anzahl von מצות ihre moralpädagogische Verwertbarkeit zu zeigen. Aber durch einige Beispiele möchte ich doch erläutern, was ich damit meine. Nehmen wir wieder ברכות und שבת Es kann viel mehr erreicht werden, wenn es nicht bei dem einfachen: Du musst! Du sollst! bleibt. Fragt man das Kind: Warum meinst du wohl, dass man vor jedem Genuss ברכה machen muss, so kann man aus dieser einen מצרה ihm eine lichte, ethische Welt aufbauen: Die Welt gehört Gott, und ehe wir etwas von ihr gemessen, sollen wir geloben — in diesem tieferen Sinn der ברכה — unsere Kräfte Ihm und der Förderung alles Guten und Grossen zu weihen. Also der Genuss ist nicht Selbstzweck. Wenn wir uns das klar machen, werden wir nie etwas geniessen, ohne uns zu fragen: Haftet an dem Genuss keinerlei Unrecht? Nehme ich durch meinen Genuss niemand etwas weg? Tue ich niemand damit wehe? Manche kindliche Unart, die unwichtig scheint, die aber doch im werdenden Menschen verheerend weiterwirken kann, wie z. B. die Naschhaftigkeit, die Sucht, den Geschwistern alles wegzunehmen und dergleichen, lässt sich hier besprechen und im Keime ersticken. In demselben Rahmen lässt sich auch hinweisen auf die sozialen Beziehungen, auf Selbstsucht und Selbstlosigkeit, auf Massigkeit und Unmässigkeit, auf alle Konsequenzen, die eine ,מצוד im ganzen Leben fordert. Eine solche gelegentliche, vielfach zu variierende Besprechung wird auch die Ausübung der מצות fördern und sie dem Kinde lieber machen, als