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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 71

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 71 (sequence 72)
Language
German
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71 des Judentums, das Gesetz, ist also dem Kinde lehrbar, sobald es überhaupt einer Belehrung zugänglich ist, sobald die Erziehung beginnt. Mit dem Ausüben der מצות beginnt auch ihre moralpädagogische Einwirkung auf das Kind und seinen Charakter. Wenn gute Gewöhnung die beste Grundlage, ja die Voraussetzung jeder Erziehung ist, so kann es hiefür keine bessere Methode geben, als die Erziehung zu unseren מצות Nehmen wir wieder die Selbstbeherrschung als Beispiel. Warum ist es so schwer, die Kinder diesen Begriff zu lehren und noch schwerer, ihn in ihrem Charakter aktionsfähig zu machen? Weil sie im allgemeinen nicht dazu kommen, ihn in ihrem Leben als Anforderung kennen zu lernen. Wird doch in den ersten Lebensjahren dem Kinde meist alles gewährt, was es wünscht, und sein Leben bietet ihm keinerlei Gelegenheit, Selbstbeherrschung in irgend einer Form zu üben. Anders das jüdische Kind. Es wird gelehrt, dass es von Gott gebotene Pflicht sei, nichts zu gemessen, ohne vorher בלכה zu machen. Es ist durstig, man reicht ihm einen Trunk. Der natürliche Trieb will es gierig trinken lassen. Halt! ruft da die anerzogene und immer wieder anzuerziehende Pflicht, erst ברבה machen! So fordert es die jüdische Pflicht ein Sichbesinnen vor jedem Tun und ein grosses Stück Selbstbeherrschung vor jedem Genuss. Noch ausgeprägter ist das bei den Speiseverboten, die besser geeignet sind, zur Selbstbeherrschung und Massigkeit zu erziehen, als alle Belehrung nach alter und neuer Methode. Dem gleichen erzieherischen Zweck kann auch der שבת dienen. Dieser Zweck wird schon erreicht durch die Ausübung der מצוה, durch die Gewöhnung an sie, verbunden mit der Belehrung, dass Gott es ist, der uns das Gesetz des Lebens gegeben. Seine Erreichung wird noch erleichtert durch den Umstand, dass Eltern und Lehrer mit derselben Gewissen-

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