Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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65 da Bern nicht Folge leistete, die Stadt zweimal ohne Erfolg belagerte. Die kleinen, bewaffneten Bären ain Säulenschaft, angeführt von einem Pfeifer und einem Trommler, sollen an den Heldenmut erinnern, mit dem die Berner damals ihre Stadt verteidigten. Der „Kindlifresser“ auf der „Siegessäule“ soll die Juden verspotten, die Rudolf von Habsburg nicht zu schützen vermochte. Es gibt noch eine dritte Version, nach der der Brunnen mit den Juden nichts gemein hätte. — Es ist nur gut, dass dieser Brunnen nicht Judenbrunnen heisst. Er erfüllt heute nur noch den Zweck, dass man unartigen Kindern mit ihm droht, und nur als „Kindlifresser“ lebt er im Volksmunde, da die meisten seine Entstehungsgeschichte längst vergessen haben. * * ¥ Der „Simson-Brunnen“, der, wie der „Kindlifresser“, ein Werk von Hans Geiler aus Freiburg ist und seinen Standort in der Gerechtigkeitsgasse hat, datiert vom Jahre 1544 und wurde von der Metzgerzunft als Sinnbild des Mutes, der Tapferkeit und Stärke erstellt. Dieser Brunnen illustriert uns die bekannte Erzählung aus dem Buche der Richter, wie Simson den ihm entgegenbrüllenden Löwen wie ein Böcklein zerreisst. Anscheinend waren die Metzger der damaligen Zeit sehr bibelkundig und der eine oder der andere dürfte sich gesagt haben: „Hat Simson für sein Bild unser Kalb gewählt, so dürfen auch wir für unser Sinnbild seinen Löwen nehmen.“ Hat doch Simson das Bild vom Kalbe angewandt, als er den Philistern den schnöden Verrat seiner Gattin andeuten wollte, indem er sagte: