Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 60 (sequence 61)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3135693-3135694--0062-3135784
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 Mag der Staat den Juden ihre Rechte gewähren oder krümmen: mibedingt ist ihnen von der jüdischen Religion die Gehorsamspflicht gegen das Landesgesetz auferlegt. Leben und Gesundheit hingeben, wenn das Vaterland seine Söhne zur Verteidigung ruft; alles spenden. was zum Wohle der Gesamtheit vom Einzelnen gefordert wird; mit aller Kraft und Einsicht zum Gedeihen des Ganzen beitragen: das schulden wir nach jüdischer Religionssatzung jedem Lande, in das uns die Goluswanderung führt. Mit diesen Pflichten, die wir gegen die Gesamtheit zu erfüllen haben, dürfen wir es gewiss nicht leicht nehmen; dürfen diese Leistungen am wenigsten mit unvollkommenem Masse messen. Vielgestaltig sind, wie wir gesehen haben, die Ansprüche, die die jüdische Massgerechtigkeit an uns stellt. Einerlei Mass fordert sie von uns, im Verhältnis zu Gott und zu den Me?ische7i, im Verkehr mit den jüdischen Volksge?iossen und mit den Nichtjuden, gegenüber den Einzelnen und gegenüber der Gesamtheit. Untrennbar sind die Forderungen miteinander verknüpft; unteilbar sind sie nach ihrem Sinn und Zweck. Sie dürfen nicht verschieden von uns gewertet werden. Mit einerlei Mass müssen wir sie beurteilen. Eine Wage der Gerechtigkeit sollte sich in jedem jüdischen Hause befinden. Neben den Thorarollen ist ihr Platz. Gleich ihnen verdient sie ehrfurchtsvollen Respekt, beansprucht sie unbedingten Gehorsam. Neben Zizis und Thefilin sollte jeder Jude die vom jüdischen Gesetz geeichten Gewichtsteine auf Reisen mit sich führen, die ihm stets wieder atizeigen, wie er sich draussen, in Handel und Wandel als Jude zu betätigen hat, die ihn stets wieder daran erinnern, dass die jüdische Lehre die peinliche Beobachtung der Gesetze auch im Verkehr mit den Andersgläubigen und gegenüber dem Staate fordert, dass er nicht nur im Gotteshaus und im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.