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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 61

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 61 (sequence 62)
Language
German
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61 Familienkreis sein Judentum pflegen muss, sondern dass er überall, wohin ihn der Beruf führt, sich auf heiligem Boden befindet: auf dem Boden der jüdischen Pflicht. Im Mittelalter, als die Juden im Ghetto ein von der Umwelt zwar gesondertes, dafür aber selbständiges Dasein führten, pflegten, wie uns in Talmudkommentaren berichtet wird, die Vorsteher der jüdischen Gemeinden aufmerksam darüber zu wachen, dass ihre Mitglieder Redlichkeit im Geschäftsleben übten und sich insbesondere den Nichtjuden gegenüber keiner Betrügereien schuldig machten. Rabbi Gerschom, „das Licht der Diaspora“, hat im elften Jahrhundert einen Bann über diejenigen ausgesprochen, die Betrügereien begehen. (Vgl. Hoffmann, Der Schulchan Aruch usw., S. 78 ff.). Heute werden Bannflüche nicht mehr erlassen, denn sie haben ihre Wirkung verloren. Diejenigen, welche sich so sehr gegen den Geist des Judentums versündigen, dass sie verdienen, in den Bann getan zu werden, die haben sich zumeist auch schon so weit vom Judentum entfernt, dass sie sich nicht mehr viel um die Meinung seiner Autoritäten bekümmern. Aber der gesellschaftlichen Verachtung sollten alle diejenigen preisgegeben werden, die gar in so schwerer Zeit zu verwerflichen Erwerbsmitteln greifen. Auf diese Weise ist es, wie mir scheint, jedem Einzelnen möglich, seinen Teil dazu beizutragen, dass unliebsame Erscheinungen schwinden. Doch, da wird es vor allem erforderlich sein, dass ein jeder auch bei der Betirteilung des Menschen den jüdischen Massstab anlege. Seien wir ehrlich: Sind nicht zumeist Hab und Gut der Wertmesser, den wir an den Menschen anlegen? Wird nicht allzuviel auf den Erfolg geschaut, ohne dass beachtet wird, wie er erreicht wurde? Fördern so nicht Viele durch einseitige Bew ertung der Menschen nach Habe und Besitz diejenigen Kreise, die nur den Erfolg kennen,

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