Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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57 In der Nähe des Altares musste der Gerichtshof errichtet werden (Raschi zu II. B. M. 21, 1). Immer wieder sollte dadurch jedem Juden eingeprägt werden, dass nur dann; wenn er rein dasteht im Leben, wenn er unbescholten ist in seinem Verkehr mit den Nebenmenschen, dass nur dann er sich dem Altäre nahen dürfe, um dort den Weg zu finden zu Gott. Nur dann: denn wie wollte er Gott erkennen, Jude sein, wenn er zuvor seiner Menschenwürde entraten? Er würde den Frevel durch Hohn vermehren, wenn er über unredlich erworbenes Gut den Segen spräche, wenn er die Menschen betrügen und — Gott beschenken würde. Die Grundlagen des Judentums hat geleugnet, wer seine menschlichen Pflichten vernachlässigt. Er soll und darf sich nicht im Heiligtum sehen lassen. An die jüdische Gesamtheit ergeht die Pflicht, solche Scheinheiligkeit blosszustellen. Der Gott des Rechtes kann ein Unrecht in seinen Hallen nicht ertragen. ה׳ א1הב צדקה׳ שונא גזל בערלה Gerechtigkeit liebt der Ewige, aber er hasst den Raub beim Opfer. An diese Worte Jesaias wird im Talmud die halachisch bedeutsame Lehre geknüpft, dass aus einer Verfehlung niemals eine gute Tat entstehen kann. מצרה הבאה בעברה denn ein verwer fliehe s Mittel wird nach jüdischer Anschauung selbst durch edle Zzvecke nicht geheiligt! Mit gleichem Mass müssen Chukim und Mischpotim, die Pflichten gegen Gott und die Nebenmenschen gemessen werden; denn in ihrer Synthese erst liegt Sinn und Zweck der sinaitischen Gesetzgebung begründet. Doch nicht nur die beiden Gesetzesgruppen an sich werden zu Unrecht verschieden gewertet, auch in anderer Hinsicht wird mit falschem Mass und Gewicht gemessen und dadurch des Gesetzes wahrer Inhalt verkannt. Von judenfeindlicher Seite wird seit Pfefferkorns Tagen immer wieder der Versuch unternommen, die Ethik des Talmud