Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3135693-3135694--0058-3135780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
56 Jude nennt und nicht aufs gewissenhafteste das Recht im Menschenverkehr wahrt. Der Jude mit falscher Elle und falschem Gewicht darf Gott nicht mehr „seinen“ Gott nennen.“ (S. R. Hirsch, V. Buch Moses 25, 16.) Eine gesteigerte Bedeutung erhält die jüdische Massgerechtigkeit noch, wenn wir an die verschiedenartige Bewertung denken, die fälschlich den beiden Gesetzesgruppen Chukim und Mischpotim in manchen jüdischen Kreisen zuteil wird. Mit zweierlei Muss tritt man an sie heran, misst mit grossem und kleinem Epha ihren Einfluss und ihre Stärke, und kommt dadurch zu einer ungleichen Einschätzung und zu einer von der jüdischen Anschauung so scharf verpönten Geringschätzung einzelner Teile der jüdischen Gesetzeslehre* Auch in dieser Hinsicht verlangt von uns die jüdische Massgerechtigkeit, dass vollkommen und gerecht sei das Mass in unserem Hause. Auf gerechter Wage will die Thora selbst gewogen, mit gerechtem, vom jüdischen Gesetz geeichten Massstab will ihr Inhalt gemessen sein* Diese Mahnung geht ganz besonders an diejenigen unter uns, die dem jüdischen Gesetze die Treue bewahren. Sie, vor allem müssen dafür sorgen, dass kein Seufzer und keine Träne hafte an ihrem Gute, kein Kummer an dem Werk ihrer Hände; dass sie redlich seien im Nehmen und im Geben, im Verpflichten und im Leisten. Wer Speisegesetze und Feiertage nach den Vorschriften der Thora beobachtet, wer sich oft und gern im Lehrhaus und Gotteshaus einfindet, der muss auch mit blankem Schild dastehen vor seinen Mitmenschen; denn er würde sich andernfalls nicht nur an seinen heiligsten menschlich-jüdischen Pflichten vergehen, er würde obendrein die jüdische Religion verhöhnen, bei denen, die sie nicht kennen; er würde das begehen, wovor jeder Jude ängstlich zurückschrecken sollte: eine Entweihung des göttlichen Namens, einen Chillul Haschern!