Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3135693-3135694--0041-3135763- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
39 grossen Gedanken und Lehren verwahrt sind und sprichst: „Es sei gepriesen und verherrlicht sein grosser, heiliger Name! Ich weiss, meine lieben Eltern sind in eine höhere, schöne Welt eingezogen, nicht auflehnen will ich mich gegen den Willen Gottes, sondern in frommer Demut und Ergebung seinen Richterspruch entgegennehmen.“ Aber bedenke wohl: Nur in ernsten schweren Augenblicken ringst du dich zu diesem Bekenntnis durch? Sonst im Leben mit seinen tausend Mühen, Sorgen und Versuchungen, seinen Freuden und Leiden, seinen Wünschen, Erfüllungen und Versagungen hast du noch nie den Finger Gottes gesehen und kein Bedürfnis empfunden, den Namen des Allgütigen zu heiligen durch echtjüdische Tat? Im Talmud steht das Wort, und unsere grossen Weisen haben es als eine Sinaistimme uns übermittelt: „WergottesfürchtigeKinder hinterlässt, ist nicht gestorben. Wie seine Kinder leben, lebt auch er weiter (Tract. Taanith). Ja, noch mehr, ein Kind, das nach dem göttlichen Gesetze lebt, führt seine Eltern nach dem Tode noch auf eine erhöhte Stufe und bereitet ihnen eine Erquickung im Gan Eden. Hast du aber vom Judentum nichts gerettet als den Kaddisch, trittst das göttliche Gebot mit Füssen, oder dünkst dich über es erhaben, im Bewusstsein deiner feinen modernen Bildung, so stelle einen Grammophon auf und lass ihn das Kaddisch herableiern, deine Lippen sprechen es nicht wärmer, weil die Glut des warmen jüdischen Herzens ihnen nicht entströmt. Es gibt keinen Kaddisch ohne Judentum, und kein Judentum ohne Kaddisch. II. Der Kaddisch ist aber nicht nur ein Gebet für die Trauernden, er begleitet auch unsere sämtlichen Gebete beim öffentlichen Gottesdienst. Nach Jischtabach, nach Schmone Esreh, nach Aschre rezitiert der Vorbeter den Kaddisch; am Sabbat und Werktag, Rosch Haschonoh