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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 37

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 37 (sequence 38)
Language
German
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37 Solche Fälle, deren Tatsächlichkeit verbürgt werden kann, Hessen sich leicht vermehren. Unser Schamesch sieht es den Synagogenbesuchern sofort an, wenn sie Bedürfnis zum Kaddischsagen haben. Sobald sie die Synagoge betreten, sucht er das Kaddisch auf, und er hat sich in der Physiognomie nur einmal geirrt: Ein Nichtjude hatte die Synagoge besucht; als er die dargebotene Tfilloh mit dem Kaddisch ablehnte, sagte unser Schamesch mit Kennermiene: „Das ist kein Jude, denn den Juden erkennt man am Kaddisch.“ Du lachst, lieber Leser? O, unser Schamesch sagt die Wahrheit! In unserem Kurort und allen anderen wimmelt es von jüdischen Gästen, sie wissen nichts mehr davon, dass wir Juden so etwas wie Speisegesetze haben. Der Sabbat hat dem Sonntag fast allenthalben Platz gemacht. Die Tefillin schmücken die Altertumssammlung des Grossvaters; aber noch legt sich der Tallis als sanfte schwarze Krawatte um den Hals des Trauernden beim —-Kaddischsagen. Der Ingenieur, der Schauspieler, der Fabrikant, der Arzt und Jurist, beim Kaddischsagen treffen sie ihr Judentum wieder, von dem sie sich bis anhin keine Rechenschaft gegeben oder verabschiedet haben. Wo liegt der Zauber dieses Gebetes, das so mächtig sogar die Dichterseele ergreift und klagend ausrufen lässt: „Keinen Kaddisch wird man sagen!“ Lassen wir zuerst das Gebet selbst sprechen: „Verherrlicht und geheiligt werde sein grosser Name in der Welt, die er nach seinem Willen erschaffen hat. Möge er herbeiführen sein Reich bei euren Lebzeiten und in den Lebenstagen des ganzen Hauses Israel, möge dieses recht bald und in naher Zeit geschehen, darauf sprechet: Amen. „Gesegnet und gepriesen, verherrlicht und erhoben, erhöht und gerühmt sei sein heiliger Name! Gesegnet 4

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