Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Wesenhaftem, gleichen wir dem Baum, der andern Früchte spendet, der Mauer, die andern Schutz und Schatten gibt. Nur nicht dem Vogel gleichen, der seinen Schatten mit sich trägt, ohne ihn andern zu spenden; nur nicht durch das Leben gehen, als wäre es nicht gewesen, nur nicht aus dem Leben scheiden, ohne in jene Welt das Bewusstsein mitzunehmen von der erfüllten Pflicht, von den Qottesgeboten, die wir geübt, von den Gebeten, die wir gesprochen haben; nur nicht aus dem Leben scheiden, ohne Gott und Menschen erfreut, ohne zum Nutzen und zum Segen für andere geworden zu sein, denn ״ein nutzlos Leben ist ein früher Tod“. Unsere Weisen erzählen im Talmud: (Taanis 25 b) Einstmals war eine Zeit der Dürre im heiligen Lande eingetreten. Verschmachtet lagen die Felder da, die seit Wochen kein Regen erquickt hatte. Ein Jahr des Hungers drohte dem Volke. Da ordnete Rabbi Elieser Fasttage an. Alles Volk versammelte sich, und er sprach zu ihnen ergreifende Worte, um ihre Herzen zu rühren, damit sie durch gute Vorsätze und innige Gebete die Gnade und die Barmherzigkeit Gottes erlangten. Aber das Herz der Zuhörer blieb kalt und war nicht zu erweichen. Da sprach zu Ihnen Rabbi Elieser: תקנהם קברים .לעצמכם ״Habt ihr euch eure Gräber schon gerüstet?“ Da ging ein Beben durch das Volk, herzbrechendes Schluchzen ertönte, das Volk betete voller Inbrunst, und Gott sandte den Regen, die dürstenden Fluren zu tränken. Welch magischer Zauber lag in den Worten: ״Habt ihr euch eure Gräber gerüstet?“ dass sie imstände waren, harte Herzen weich und gefühlvoll zu machen? Die Erklärer (מהרשא חא’ תעניר־ן) sagen es uns. Diese Worte erinnern an eine traurige Periode