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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 23 (sequence 24)
Language
German
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23 einziehen könne. Der Lehrling, der Angestellte wünschen sich die Selbständigkeit, und der selbständig Schaffende, der unter der Last und Plage des Lebens seufzt, wünscht die Zeit herbei, da er frei von aller Arbeit ausruhen kann. Hat er endlich — einer unter vielen — dieses Ziel erreicht, so kommen Krankheiten aller Art und mindern ihm den Genuss des Daseins, und es kommt der Tod und ruft ihn ab aus der Reihe der Lebenden. Nicht nur kurz ist unser Leben, es bietet uns noch einen andern Stachel: ״Wie die Tage des Mietlings sind deine Tage.“ Woher kommt wohl diese menschliche Eigentumlichkeit? ״Fremdlinge sind wir auf Erden und schattengleich zieht unser Leben dahin.“ Weil wir eine Seele in uns tragen, ein הלק א׳ ממעל, ein Gottesteil von oben, so fühlen wir uns auf Erden selten recht befriedigt. Weil unsere Seele aus dem Himmel stammt, daher kommt die Unrast und die Unruhe, mit der wir, ohne uns der Gegenwart zu freuen, immer Ausschau halten nach seiner Zeit, von der wir vollste Befriedigung erwarten, die auf Erden doch nicht häufig zu finden ist. Die glücklichsten Stunden aber sind und bleiben auch in der Erinnerung für uns die Stunden der religiösen Weihe und Erhebung, die Stunden, in denen wir uns selbst bezwungen, in denen wir etwas Gutes und Edles gewirkt und geschaffen haben, etwas, woran unsere Seele Freude empfindet! Vielleicht haben diese Gedanken unsern Weisen vorgeschwebt, als sie die Bemerkung hinzufügten: ״Wäre es noch wie der Schatten eines Baumes oder einer Wand, aber unser Leben gleicht dem Schatten eines Vogels, der entfliegt und seinen Schatten mit sich trägt.“ Kurz ist unser Leben, es gleicht einem Schatten, der nichts Wesenhaftes ist, einem Traum, der zerflattert. Machen wir unser Dasein zu etwas

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