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Israelitische Annalen · 1841-12-24 · Heft 52 (24.12.1841) · p. Seite 413

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 52 (24.12.1841)
Date
1841-12-24
Page
Seite 413 (sequence 5)
Language
German
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413 „Täuschen wir uns nicht, sagt der Vf., der Jude ist einmal providenziell bestimmt, der Paria der Gesellschaft zu sein!" Wahrscheinlich sagt ein Bramin mit Beziehung auf seine heiligen Bücher: Der Paria ist einmal providenziell bestimmt, der Jude der Gesellschaft zu sein. Und wer so etwas schreibt, redet von Humanität! Wer so alles menschliche Gefühl mit Füßen tritt, daß er das Unglück seiner Brüder, die er verlassen, dem Hohne des rohen Machtgefühles gleichsam mit philosophischem Ernste bloß stellt, indem er die Schwäche für einen Fluch erklärt, wie es der Gemeinste aus dem Volke aufzufassen sich schämt, ein solcher Mann, der so weit vergißt, welchen Grundsätzen er selbst zu huldigen vorgegeben hat,— darf wohl ein solcher Apologet des Chriftenthums, Das uns von tausendfach edleren Seilen bekannt ist, nur irgend hoffen, auf Menschen, die richtig denken und fühlen, einen Eindruck zu machen? Wir möchten wohl sehen, wie diese Bekenntnisse unter solchen Umständen ausgefallen wären, wenn unser Verfasser in Conftantinopel oder Teheran oder Delhi oder Pe - king die herrschende Farbe angenommen hätte. Der einzige Satz, welchen wir hierausgezogen haben, stempelt vollkommen den innern Werth dieses „Bekenntnisses," um dessen religiösen Theil wir natürlich uns wenig bekümmern, da es an Werken nicht fehlt, aus denen zu lernen ist, was das Chriftenthum sei und lehre. Genug! Stärker kann niemand sein eigenes Werk entkräften und vereiteln, als der Verfasser dieses „Bekenntnisses," dessen publiciftischer Theil nur den besten Beweis von gänzlicher Verirrung einer sonst wohl ziemlich gebildeten Denkkraft liefert. Wir sagen dies mit innigem Bedauern, denn wer den menschlichen Thorheiten das Wort reder, findet immer Freunde genug, die sich freuen, einen Literaten zum Bundesgenossen zu haben! *) *) Wie wir vernehmen, erscheint binnen Kurzem eine ausführlichere Gegenschrift von Herrn L. H. Löwen stein, welche wahrscheinlich in's Specielle eingehend, noch viel mehr aufdecken wird, als unsre Blätter es gestatten oder erheischen. Das Werkchen wird den Titel führen: „Ueberzeugungen eines Israeliten" Uebrigens können wir nicht umhin, bei dieser Gelegenheit unsre Leser auf eine schon im vorigen Jahre erschienene, uns jetzt erst zu Gesicht gekommene Schrift: Zur Charakteristik des Religionswechsels von Dr. Isaac B. Lowositz, Königsberg bei A. Unzer 1840 aufmerksam zu machen. Sie ist in Form eines „Sendschreibens an einen jüdischen Familienvater" verfaßt, und setzt mit philosophischer Ruhe und Klarheit die mit dem Religionswechsel verbundenen innern und äußern Zustände so auseinander, daß der Wankende mindestens sich aller Gründe und Gegengründe bewußt wird. Der Standpunkt des Herrn Verfassers ist der Streng-Orthodoxe, namentlich in Betreff der praktischen Gebräuche, doch ist sein Blick dessenungeachtet frei und sicher, und seine Darstellung keineswegs obscurantisch. Wir entbehren des Raumes, das Werkchen zu recensiren; indeß ist es bereits öffentlich gewürdigt worden. Interessant erscheint uns die Ree. des Herrn Consistorialrath Kähler im Februar-Heft der Preußischen Provinzialblätter 1841 und die Antwort des Herrn Dr. Lowositz im April-Heft derselben Zeitschrift. Königreich Württemberg. (Oktober 1841.) (Fortsetzung.) Zu diesem Ende suche er durch ein liebreiches und wahrhaft sittliches Betragen das Zutrauen der Jugend zu erhalten, und benutze vorzüglich die Catechisationen und Lcctionen (□'myttO/ um ungeheuchelte Frömmigkeit und ächte Tugend unter ihr zu befördern. § 8. Brüderschaften. Eine besondere Aufmerksamkeit von Seiten des Rabbinen verdienen auch die in den meisten Gemeinden bestehenden Brüderschaften, (rmzn) sowohl wegen der wohlthätigen Zwecke, als auch wegen der Lectionen und Erbauungsstunden welche damit verbunden sind. Diese kann der gewissenhafte und einsichtsvolle Religionslehrer vorzüglich benutzen, um den Sinn für Wohlthätigkeit in seiner Gemeinde rege zu erhalten, bessere Kenntnisse der Religion unter den Erwachsenen zu verbreiten, so manchen im Schwange gehenden Aberglauben zu bekämpfen, dem starren Formenwesen zu begegnen, und eine Verehrung Gottes in Wahrheit und Gerechtigkeit zu befördern. Er wird diesen Zweck erreichen, wenn er den Vereinen eine wahrhaft wohlthätige Richtung zu geben sucht, und bei den Lectionen die heiligen Schriften einfach und gründlich und mit beständiger Anwendung auf die Gegenwart erklärt. tz 9. Religiöse Anfragen. Bei Collissionsfällen, religiösen Anfragen (rv^xstf), welche vor den Rabbinen zur Entscheidung gebracht werden, halte sich dieser an die Ritual-Gesetze, mit Vermeidung eben so sehr einer übertriebenen Strenge als einer unbegründeten Lorilität. Zu diesem Ende wird sich derselbe in der Kenntniß des Thalmuds und der Ritual-Gesetze immer mehr zu vervollkommnen suchen, um in vorkommenden Fäl-

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