Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 52 (24.12.1841)
- Date
- 1841-12-24
- Page
- Seite 412 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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412 die Lehre zu schwächen. Aber von da bis zur Annahme derselben ist noch ein großer Schritt! Mit Recht tadelt er, daß die meisten Juden gedankenlos Messiasgebete hinbeten, ohne selbst einen Messias zu wünschen, oder zu erwarten, aber dann fällt er wieder in Jrr-Reden, die sich auch mit der größten Nachsicht nicht zusammen reimen lassen. Wie so wäre denn (S. 39) und noch dazu aus Gen. X. 3 das einzige wahre Vaterland der Juden Deutschland! „Deutschland ist euer irdisches Jerusalem, es giebt kein anderes mehr für Euch und Eure Nachkommen." Wohl bemerkt, daß der Verfasser vorher die Juden aller Welt anredet und von deren gemeinsamem Ritus spricht! Wem es nun zur Belehrung dienen kann, sich den schon im A. T. angeblich vorhandenen Christus (die edlere Idee der durch neuere Philosophen allerdings tiefen Bedeutung der Sühne hat Herr Fr. augenscheinlich niemals kennen gelernt) aus seiner trefflichen Exegese demonftriren zu lassen, der lese S. 45 ff. Wenn dergleichen Faseleien je einen Juden bekehren konnten, so wundert es uns, daß noch ein Jude existirt. Seltsam erscheint es nur, daß der Verfasser des Bekenntnisses fortwährend auf Schriftgelehrte schimpft, welche bald den Bibeltext zu wörtlich nehmen, bald ihn wieder interpretiren! Was thut er denn anders, oder wer hat ihm all diesen Traktä'tchenkram an die Hand gegeben? Und bei all dieser theologischen Tiefe, welche den Vf. gleichsam als den eigentlichen Prediger des Christenthums, fast bis zum Wunsche, dessen Märtyrer zu werden, steigert, sagt der Verf. S. 76 sehr naiv: „Ich betheuere, daß mich hier nur der Wunsch leitet, einige Aufklärungen über Verhältnisse zu verschaffen, welche störend und hemmend in die Carriere so vieler achtbarer Männer cingegriffen und die edelsten Richtungen ihrer Geisteskräfte entweder einer verlorenen Sache zuzuwendcn oder vollkommen zu paralysiren im Stande waren, anstatt sie, wie schöne Blüthcn in dem großen Kranz der menschlichen Industrie und Wissenschaften mir einzufiechten. Mich leitet nicht die Absicht, meinen Ucbertritt zum Christenthum vor der Welt zu rechtfertigen. Das . sei ferne! Und jede persönliche Beziehung (was heißt das?) die leiseste Erinnerung an ein anderes Motiv, als das erwähnte (d. i. offenbar, der Wunsch, aus einer unangenehmen äußern Stellung in eine bessere, bequemere zu gelangen) liegt, während ich dies niederschreibe, weit von mir entlegen." Tantae molis erat.. Wahrlich diese Betrachtungen sind so wenig neu oder fremd, daß es dazu aller dieser Bekenntnisse nicht bedurfte. Wären diese Motive aber genügend, so harte jeder Christ zur Zeit des frommen Antonin oder des Diocletian sich vor den Göttern niederwerfen müssen, und in allen Ländern müßte jeder sich in die herrschende Parthei fügen! Wir tadeln keinen, der es thut; jeder hat hierin für sich einzustehen, aber was beweist man denn mit allem Succurs von Beweismitteln? Höchstens, daß die Herrschaft überall die Wahrheit sei! Dann brauchen wir die ganze Schein-Theologie nicht, und der Jndifferentismus steht da in voller Kraft! Wahrlich, man hat nicht erst aus den Büchern zu erfahren, wie es in der Welt zugeht. Welchem Juden ist cs unbekannt, daß ein Wörtchen plötzlich den ganzen Zauber bannt? Heute noch sitzt er und philosophirt in seiner Kammer, tiefe Gedanken beschäftigen seine Seele, die Zeitgenossen erleuchten darf er jedoch nicht; über Nacht hat er die Formel gesprochen, morgen strömen Hunderte von Zuhörern herbei, und die Zeitungen posaunen, welch ein Licht aufgegangen sei! Sind es die Gedanken des Juden, die man verschmäht? Nein, man wird von ihnen begeistert, aber? — Heute berechnet er den Lauf der Sterne und thut weitschaucnde Blicke in die Gesetze der Narur; der Mund ist geschloffen: Er darf nichts verkünden, als höchstens durch die langsame, kostspielige, unzureichende Presse. Morgen ist er der Bewunderte, der Gefeierte und Fackelzüge und Musik drücken Liebe und Verehrung aus. Heute birgt sein Name treffliche Pläne für Staatshaushalt, Schulwesen, Verbesserung der Industrie, und öffentliche Werke aller Art; schweig, ruft man ihm zu! Lieber gehen wir die gewohnten Wege als von dir Belehrung anzunehmen! Morgen beugen sich vor ihm die Beamten, die ihn gestern verhöhnt, — ist seine Wissenschaft über Nacht gewachsen? — Soll man gar noch weiter gehn, und sagen: gestern war er unredlich, heute ein Tugendheld; gestern ein Landstreicher, heute ein Patriot; gestern ein elender Schwächling, heute voller Fähigkeiten; gestern ein Fremdling, heute ein Unterdrücker;-Unser „Bekenntniß" giebt einen herrlichen Aufschluß hierüber: