Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 52 (24.12.1841)
- Date
- 1841-12-24
- Page
- Seite 411 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133927--1436-3135685- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
411 len in Kahira und Alexandrien recht viele Theilnahme finden, und nicht bloß die dortige israelitische Jugend beglücken, sondern auch dazu beitragen mögen, einen bessern Geist und eine gegenseitige freundlichere Behandlung vorzubereiten, und Menschenfreunde, die jene unterstützen, wenden ihre Wohlthatcn gut an. Inzwischen können wir nicht umhin, gleichzeitig darauf hinzudeuien, daß die gesonderten jüdischen Anstalten in Europa und zwar noch in sehr vielen minder bedeutenden Gemeinden Deutschlands, namentlich der Rheingegendcn, wie in den weit zahlreichern Gemeinden Hollands und Englands, nicht zu reden von Italien, Polen und Rußland, noch lange nicht in dem Zustande find, daß man über der allerdings wichtigen Thcilnahme für die Morgenländer, es verabsäumen dürfte, die näheren Bedürfnisse gewissenhaft in Erwägung zu ziehen. Schon haben wir uns über manche Verwahrlosung in den englischen Schulen geäußert, wir hatten noch weit mehr über die holländische Schuljugend sprechen können, deren bloßer Anblick genügt, um zu zeigen, wie wenig dort bisher geleistet wurde. Aber auch in Deutschland ist oft noch stark nachzuhelfen, wenn die Jugend, nicht gerade in Kenntnissen, als vielmehr in freier Bewegung, körperlicher Haltung, Pünktlichkeit und Ordnung, Angemessenheit der Gesittung, auf gleicher Stufe mit derjenigen stehen soll, die andere städtische oder öffentliche Anstalten besucht. Der bisherige Fortschritt an manchen Orten ist unverkennbar, aber selbst wo die Mittel vorhanden, noch nicht hinlänglich zur Nacheiferung benutzt worden. Jeder Ausflug, den Schreiber dieses zu Zeiten macht, und den er an allen Orten, wo möglich zum Besuche der Schulen benutzt, so wie die oft sehr herausstreichcndcn Berichte, geben ihm diese traurige Ueberzeugung. Treffliche Lehrer find schon da, aber sie sehen sich thcils durch abhängige Stellung, rheils durch unpassende Lokalitäten und übelverstandene Sparsamkeit, theils durch den Unverstand der Eltern meist in ihrem Wirken gehemmt. Was können die Vorstände der Gemeinden edleres thun, als gerade auf das Schulwesen ihre meiste Sorge zu verwenden? Was helfen schöne Synagogen und gute Krankenhäuser und freundliche Friedhöfe, so lange die Kinder Jahrelang in dumpfen Schulftuben schmachten, eng zusammcngedrangt werden, was häufig Ursache der körperlichen Schwäche p ist und die Einseitigkeit der Haltung nur verstärkt, und von der Schule nichts weiter gefordert wird, als erlernter Wortkram, ohne lebendige Frische und kräftige Geistesbildung? — Man wird von uns nicht verlangen, daß wir einzelne Orte namhaft machen. Aber wo die Zustände noch so sind, haben die Vorsteher der Gemeinden die Pflicht, dieselben I ernstlich in Berathung zu nehmen, und zu bedenken, j daß hiervon allein es abhangt, die zahlreichen är- | mern Klassen dem Elende zu entreißen, und sie zu tüchtigen nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft her-! anzuzichen. Und das ist wahrlich verdienstlicher als I die mannichfachen Kämpfe und Erörterungen um j armselige Nebendinge, welche oft Decennien hinj durch die besten Kräfte beschäftigen und gewöhnlich j zuletzt gänzlich ermüden! — I Das „Bekenntnis des Proselyten"! vom i j diesseitigen Standpunkt aus gewürdigt. . (Schluß.) Der Verfasser kommt nun insbesondere auf die bürgerliche Freiheit. Er verweist den Gegnern der Emancipation die Berufung auf die Halsstarrigkeit der Juden, welche aber offenbar von diesen nicht I abhänge, sondern von Gott ihnen eingepfianzt sei, wie Blindheit, Taubheit und andere persönliche Gebrechen. Sie werde nur durch Beschneidung des Herzens wieder getilgt, welche Gott allein vornimmt. — Nun, giebr es wohl ein seichteres Gej rede? man will, daß jeder sich selbst durch eigene j Ueberzeugung diese Wiedergeburt verschaffen solle, und spricht ihm doch die Fähigkeit dazu ab! Andrerseits tadelt er die Juden, wenn sie meinen, das Chriftenthum widerstrebe ihrer Emancipa-! tion, es sei vielmehr nur die Christenheit (35). i — Diese Behauptung ist in der That sehr dreist,! und scheint leugnen zu wollen, daß die schauderhaf- I testen Gesetze gegen die Juden aus den spanischen, I französischen und italienischen Concilien hervorgegan- I gen sind, wogegen eine Aeußerung Luthers gar wenig sagen will! — Allerdings ist immer die Religion | selbst nicht so menschenfeindlich als ihre Anhänger, —! allein die Wirkung ist da, und was nützt den Lei-! denden die Diftinction, wer der Urheber ist? Alleni falls kann sie dazu dienen, den Widerwillen gegen