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Israelitische Annalen · 1841-12-17 · Heft 51 (17.12.1841) · p. Seite 407

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 51 (17.12.1841)
Date
1841-12-17
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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407 zweifelhaft, und wird eine Erläuterungsfrage veranlassen, ob die weibliche Schuljugend bei'm Gottesdienste mitsingen könne. Im verneinenden Falle müßte dies bei'm Gesangunterricht in den Schulen wohl berücksichtigt und zur ersten Stimme nicht wie bisher ausschließlich die Mädchen, sondern auch eine solche Anzahl Knaben genommen werden, damit diese Gesangstimme auch in der Synagoge ihre Vertreter finde. In vielen Schulen wird nun auch bereits fleißig einstudirt, und dem veredeltern Gottesdienst steht in einigen Gemeinden nur noch die Unverdesserlichkeit der Vorsänger im Wege, welche aus Mangel an musikalischem Gehöre ihren alten Singsang fast unmöglich lassen können. Hoffen wir aber, daß die weise Umsicht des Oderraths auch hiergegen noch das rechte Mittel finden werbe. — Von gleicher Tendenz als die letztbesprochene, ist eine andere hohe Verordnung Großh. Oderraths vom löten August d. I- Nr. 327, wodurch endlich dem, ungeachtet eines schon im I- 1824 erlassenen Verbotes, in vielen Synagogen doch noch fortbestehenden Funktionenversteigern, der völlige Garaus gemacht wird; und es ist sehr erfreulich zu bemerken, wie man überall, weun auch im Anfang aus pecumären Rücksichten etwas unangenehm davon berührt bald nach geschehenem Vollzüge, die gute Bedeutsamkeit jener Verordnung recht gerne anerkennt. Es ist nur zu wünschen, daß die Gemeinden auch veranlaßt werden, den entstehenden Ausfall aus den Einnahmen der Synagogencasse vollständig anderweitig zu decken, damit nicht das Armenwesen und andere heilige Zwecke unter der Ausführung jener Verordnung leiben müssen. — Endlich erwähnen wir auch einer Allerhöchsten Staatsministerial-Entschließung vom 17. Iuni Nr. 1016, womit die Führung der isr. Standesbücher den Rabbinaten in loco übertragen wirb, was dieselben einigermaßen zur Hoffnung anregen kann, daß nun ihrem bisher so mannichfach verletzten Charakter allmählich auch wieder moralische Genugthuung werden könne. Daß aber hiervon ihre heilsamste Wirksamkeit bedingt sei, wird wohl Niemand in Abrede stellen, und so sehen wir denn in jeder Hinsicht einer besseren Zukunft entgegen. L? S. Kurze Notizen. Von Neujahr ab wird hier ein neues Iournal (wöchentlich 3 halbe Bogen) unter der Redacnon und im Selbstverläge des Herrn Ioseph Mendelssohn erscheinen. Dieser junge Literal besuchte in früheren Iahren die Hamburger israelitische Freischule, bildete sich bann in der Viewegschen Offizin in Braunschweig zum Schriftsetzer aus und begab sich hierauf nach Paris, um sich in der Kenntniß der französischen Sprache und Literatur zu vervollkommnen. Sein dortiger Aufenthalt hat seinen, in verschiedenen deutschen belletristischen Blättern einzeln mitgelheilten, jetzt so eben (Leipzig bei Weber) gesammelt und revidirt erschienenen Pariser Briefen (3 Bände) ihr Entstehen gegeben. Vor Kurzem nach Hamburg zurückgekehrt und mit der Erlaubniß zur Domilicirung hierselbst (er ist aus Iever im Oldenburgischen gebürtig) versehen, gedenkt er unter dem Titel: „Panorama der Gegenwart" ein theils unterhaltendes, theils populär-belehrendes Blatt zu gründen, in welchem auch mit Vermeidung aller religiösen Polemik und Diskussion, jüdische Angelegenheiten zur Sprache gebracht werden sollen. In Nr. 4 der Zeitschrift Voice of Jacob (London 12. November) wird ein Plan vorgelegt, wie man die Iuden im Morgenlande (soll wohl nur heißen in Syrien) gegen die vielen Anfeindungen einerseits beschützen, andrerseits ihrer Nahrungslosigkeit und gänzlichen Armuth ein Ziel setzen könnte, wenn nämlich Kapitalisten unter Garantie der türkischen Regierung Ländereien ankauften, um Colonien anzulcgen, wo die armen Leute Wohnsitze, Eigenthum und Beschäftigung fänden. — So weit mag es gut sein, wenn sich eine wohlthätige Gesellschaft, etwa in England zu diesem Zweck verbände. Wenn aber die Redaktion vorschlägt, daraus ein Werk der Speculation zu machen, und den Actien durch Aussicht auf Vortheile Eingang zu verschaffen, so möchte jeder Wobldenkende seinen Beifall versagen. Derartige Unternehmungen dürfen nur den Charakter der Humanität an sich tragen und von jedem Eigennutze fern bleiben! Literarische Notizen. Von B. M. Adereth 68 a citirt eine Stelle, die er in einer ältern Recension des Alphasi gesehen habe, die aber später, der Kürze wegen, gestrichen worden sei. Hiernach entsteht die Frage, wann und von wem eine zweite Redaction der Schriften Alp hast's vorgenommen worden? Die Frage, ob Alphasi unter R. Chananel studirt habe, ist aus Kethub. 93 a zu verneinen, da er mehrere Meinungen seiner Vorgänger widerlegt, und dann die seiner Lehrer anführk, welcher aber die jenes Gelehrten entgegengesetzt ist. Doch achtete er denselben sehr hoch (das. 68. a.) Nachmenides im Milch, zum Alph. Ber. 20. b. sagt ausdrücklich: der hierosolymitanische Thalmud sei an vielen Stellen incorrect. Aderoth zu Keth. 78 a geht noch weiter und sagt: Man habe sich niemals die Mühe gegeben , denselben gehörig corrigirend durchzugehen. Hieraus ist nun ersichtlich, daß Rappaport in Blee. halt. XU. 55—66 wohl mit Unrecht behauptet, man habe zu Zeit der Geonim! den hieros. Thalmnd nicht gekannt, und darum nicht citirt. Literatur. 2^122' ■'HH Epigrammata Hebraica, partim composita, partim e variis linguis versa, auctore H. Somerhausenj phil. theor. Mag. lil. hum. Doct, nouuul. Acad. & Societ. socio, Bruxelleuse. Fasciculus I. Epigr, Satyrica. — Amstelodami apud v. Emden & socium & Belinfante & de Vita. MDCCCXL (Pr. l'/2 fl.) Wir erwarteten, um das vorliegende Merkchen näher zu charakterisiren, einen zweites Theil. Da dieser jedoch länger ausbleibt, so wollen wir es nicht weiter verschieben, dasselbe unfern Lesern und besonders den Freunden hebräischer Belletristik anzuempfehlen, und über dessen Inhalt und Form, so weit es der beschränkte Raum gestattet, einiges anzumerken. An und für sich gehört es zu den größten Schwierigkeiten, die hebräische Sprache, welche wir fast nur in der erhabenen Poesie kennen, auf leichte spielende Themata anzuwenden, und die älteren Versuche aus ber arabischen und arabisirenden Schule zeigen zur Genüge, wie sehr man vom Geiste der Sprache abwich, so oft sie zu modernen Ideen benutzt ward; öfters so arg, daß man z. B. Harisis und Emanuels Verse nur mit der größten Mühe versteht. Unter den Autoren unsrer Zeit wüßten wir keinen zu nennen, der mit so großer Gewandtheit, Leichtigkeit und unter Beobachtung der strengsten Sprachrichtigkelt sich ber alten hebräischen Sprache zu den verschiedenartigsten kurzen Gedanken zu bedienen wüßte, wie Somerhausen, welchem dabei neben soliden Kenntnissen ein entschiedener

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