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Israelitische Annalen · 1841-12-17 · Heft 51 (17.12.1841) · p. Seite 406

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 51 (17.12.1841)
Date
1841-12-17
Page
Seite 406 (sequence 6)
Language
German
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406 tationen zur Seite trat. — Auch Hr. Friedrich Clemens (Gerte) ein durch Schriften verschiedenen Inhalts bekannter (christlicher) Autodidakt, hielt es für zeitgemäß, seine 1835 erschienene Schrift: „Diversion eines Christen im Freiheitskampfe der Juden," einen wirklich vorurtheilsfreien und unbefangenen Ausderuck seiner Gesinnung von Neuem ankündigen zu lassen. — Der ganze Streit fördert übrigens die Sache um keinen Schritt und ist nur für den Bibliographen und Culturhistoriker, vielleicht auch für den Psychologen von einigem Werthe. — Der Temps (dem wir hierin völlig beistimmen) findet es ominös, daß der neue Bischof von Jerusalem seine Reise dahin auf dem Schiffe Devastation machen soll. An merk. d. H. Ueber den jetzt zum Bischof von Jerusalem ordinirten Professor Alexander wird in Deutschland so mancherlei geschrieben und geurtheilt, (auch unser geehrter Correspondent giebt uns eine aus England herrührende, nicht charakterisirende Notiz) so daß es vielleicht manchen interessirt, zu erfahren, daß ich jüngst in London das Vergnügen hatte, diesen Mann kennen zu lernen, und mich eine Stunde mit ihm zu unterhalten. Die frühere Beschäftigung des Professor Alexander als Schächter bei der jüdischen Gemeinde in Plymouth (wie man mir berichtet) kann meines Erachtens ihm nicht zum Nachtheile gereichen. Gegenwärtig gehört er mit Leib und Seele der Kirche an, und steht im Rufe sehr bedeutender Gelehrsamkeit. Ich sprach ihn in einer freundlichen Versammlung mehrerer Geistlichen und Anhänger der Gesellschaft for promoting Chris tianity amongst the Jews, bei einer Tasse Thee, also in ganz socialer Veranlassung. Professor A. ist ein schlanker, wohlgebauter Mann — wie es scheint, ein Vierziger — und von einnehmendem Wesen. Sein Lieblingsthema war schon damals (Ans. August d. I.), ehe er zum neuen Bisthum bestimmt war, die Erfüllung der Prophezeiungen von der Wiedererhedung des jüdischen Reiches, jedoch wollte er nur die Christen als die wahren Israeliten angesehen wissen. Ich habe ihm nur ausbiegend opponirt, und ihm wieberholentlich die Versicherung gegeben, daß ich jeder Controverse dieser Art völlig abgeneigt bin, auch lediglich zu socialem Zwecke mich in der Gesellschaft befinde. Als jedoch seine Berufungen auf Stellen des A. T. immer Zunahmen und seine Herausforderungen immer dringender wurden, erklärte ich ihm, daß man bei Männern, welche sich berufsmäßig und mit wissenschaftUchem Geiste mit dem Studium des A. T. lange Jahre beschäftigt haben, hinlängliche Prüfung voraussetzen dürfe, um nicht zu erwarten, daß es möglich sei, so en passant ihre Ueberzeugungen zu ändern, und daß es jedem Freunde der Wahrheit besser stehe, die entgegenstehenden Ansichten zu achten und aus Achtung sich solcher Angriffe zu enthalten, welche leicht wie eine anmaßliche Ueberlegenheit erscheinen könnten. Dies nöthigtc ihn zu einer Entschuldigung und beendete ein Gespräch, welches zu keinem Ergebnisse geführt hätte. Wir unterhielten uns übrigens noch eine Weile und schieden mit den Versicherungen gegenseitiger Achtung und Anerkennung. I. Merkwürdig bleibt es, wie man so durchaus ungescheut den Proselytismus als einen der Zwecke dieser Mission angiebt.- — Vor Kurzem hat sich in Altona folgende denkwürdige Begebenheit zugetragen. Ein jüdischer Schumachergeselle daselbst, der vor einem Jahre sein Meisterstück angefertigt hatte, war von der dazu bestellten Prüfungs-Commission mit einem — wie behauptet wird, ohne Grund — ungünstig lautenden Bescheide abgewiesen worden. Er versuchte nun sein Handwerk auch fortan zu betreiben, um sich das Leben zu fristen, ward aber entdeckt und mit strenger Strafe bedroht, dagegen auf den Trödel-Erwerb hingewiesen. Er beklagte sich darüber bei einem der Herren Vorsteher des jüdischen Handwerksvereins und dieser wandte sich an einen der höchsten Beamten der Stadt, den Herrn Iustizrath Gähler, der zuglefch Amtspatron ist. Dieser rieth dazu, daß jener Handwerker nochmals ein Meisterstück anfertige. Der Verein aber, der im vorigen Jahre das Darlehen gemacht hatte und dem nur sehr beschränkte Geldmittel zu Gebote stehen, der auch wohl eine abermalige Erfolglosigkeit jenes Versuches fürchtete, schlug dem Handwerker die erforderliche Summe (130 oder 170 Markb.) ab. Da entschloß sich der edelmüthige christliche Beamte, selbst aus eigenen Mitteln das nöthige Geld dem Verein für den von ihm vorgeschlagenen Zweck zu überschicken. Das Meisterstück wurde nun angefertigt, für genügend befunden und jener Handwerker ist nun durch die treffliche That des Hrn. Iustizralhs Gähler Meister geworden. Großherzogthum Baden, Ende November. — In unferm Schul- und Kirchenwesen hat man im Laufe der letztverflossenen Monate die Pulsirung eines neu erwachten Lebens mit Freude wahrgenommen, worüber zu berichten es sicherlich weit angenehmer ist, als andermals über Mißstände. Eine Verordnung des Großh. OberrathS vom 15. Juni d. I. Nr. 231 empfiehlt den israelitischen Schulen Moutouxs Wand- und Handkarte von Baben, und zeigt wenigstens von der stets wahren Fürsorge,um das allseitige Fortschreiten der Schule; ein von gleichem Tage sud Nr. 240 datirter Erlaß aber bezweckt eben so wohl die bessere und zweckmäßigere Vorbereitung der isr. Schulaspiranten, welche in die Seminarien cintreten wollen, als eine Bekanntmachung vom 24sten August Nr. 341, welche die Concurrenz um eine widerrufliche Personalzulage an 12 der verdientesten und bedürftigsten Lehrer eröffnet, ganz dazu geeignet ist, die längst im Dienste bewährten, oder vielleicht hie und da zu wenig fortgeschrittenen Lehrer, in ihrem schweren Berufe aufzumuntern, und zu verjüngter Thätigkeit anzuspornen. — Eine andere Hohe Verordnung Großh. Oberraths vom 22. Juli d. I. Nr. 313 bezweckt die Einübung der Synagogal-Choräle in der 2ten und 3ten Klasse der Volksschule, und bietet für viele Gemeinden die einzige Möglichkeit, den gottesdienstlichen Choralgesang in's Leben zu rufen, da nach den bestehenden Einrichtungen des isr. Kultus, gemischte Chöre nur durch Beihülfe der Schuljugend ausführbar sein dürften. Es ist übrigens auch noch

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