Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 51 (17.12.1841)
- Date
- 1841-12-17
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Hang zur harmlosen Satyre Vorschub leistet. Die Spitzen der Epigramme, deren wir hier theils selbsterdachte, theils übersetzte erhalten, sind bald feine Wortspiele, bald leichte Wendungen des Ausdrucks, und meist recht gute Anspielungen. Als Motto steht des Martini 1. 17. Sunt bona, sunt quaedam mediocria etc. voran, schön dem Sinne nach übertragen. Zn der hebräischen Vorrede wird das Wort Epigramm erst als Zuschrift, dann als Bezeichnung kurzer witziger Gedanken in gutem Ausdruck erläutert. Es wird dabei erinnert, das gegenwärtige Sammlung die erste ihrer Art ist, denn bisher finden sich nur einzelne Versuche in einzeluen Schriften und Zeitschriten verstreut. — Diese Sammlung enthält 1) eigentliche satyrische Epipramme, 2) moralische Sinnsprüche, 3) allerlei Witzspiele, wozu noch gemischte Gedichtchen kommen. — Die Vorrede schließt mit einer skderzhaften Anwendung der Fabel vom Knochen, den der Storch aus der Kehle des Wolfes zog, indem der Vf. die wackern Gelehrten S. Z. Mul der und G. Po lack zu Amsterdam, welche die Correctur besorgt haben, zum Danke damit abspeist, daß er keine Pfeile auf sie abgeschoffen habe. Ein zweites Motto enthält den Gedanken: Man fragt mich, was ein Epigramm sei, und woran man seinen Werth erkenne? Zch erwiebere: es ist dem Menschenleben gleich, im Fluge eilt es hin, und erst am Schluß wird dessen Werth erkannt. — Ein drittes ist nur ein Wortspiel. Das ganze Merkchen enthält 1« Nummern. 1) pöy auf Aerzte, 30 eigene und 10 aus dem Deutschen, Französischen, Lateiuischen. Das Thema ist genugsam behandelt, es ist also schwer, hier neue Gedanken zu ersinnen; sehr hübsch sind hier öfters Bibelverse (2. 3. 6. 7. 11. 10. 25. 40) benutzt. Sehr passend ist auch das veni, vidi, vici (18) parodirt. — 2) CPG auf Rechtspflege und Proteste, 15 eigene, 6 aus dem Französischen, Deutschen und Italienischen übersetzt. Sehr schön biblisch N. 41. Auf Advokaten gut 43; Bibelverse schön benutzt 44. 46. 48. 51. Uebrigens drehen sich fast alle nur um Bestechung und einige um Uebereilung. 3) on'iC“ ny23 auf Moralprediger und Schriftsteller 82—90. Hier herrscht mehr Mannichfaltigkeit, vorzüglich gut 62. 66. 70. 71. 72. 74. 77. 82. Was diesem Abschnitte einen besonder» Reiz verleiht, ist, daß der Verfasser großentheils sich auf israelltischem Geblete bewegen konnte, was zu manchen anmulhigen Anspielungen Gelegenheit gab, 81. 83. 84. 87. 88. Aus dem Deutschen, Lateinischen und Französischen sind 91—101, alle jedoch in ächt hebräischem Cvlorit. 4) Diifr'jn iS" auf Frauen 102—121. Besonders gelungen erscheint uns 102, warum die Frau aus einer Rippe gemacht ist. Man findet hier die bekannten Späße, warum Hiob seine Frau behielt, und andere scherzhafte Anekdoten. Im Ganzen fehlt ihnen die gewünschte Mannichfaltigkeit. Die übersetzten, aus dem Deutschen, Französischen, Lateinischen und Holländischen sind sehr gut wiedergegeben; der Witz ist freilich schon abgenutzt, aber die Kunst des Uebersetzers wirb dadurch nicht verringert. 5) FpDn auf Geizhälse; Originale 140—171. Sehr gelungen 140; ein Geizhals, der nicht mehr schlafen will, weil ihm geträumt, er habe ein Gastmahl gegeben; 141 einer, der öffentlich sich nicht als mildthätig Herausstellen will, und heimlich nichts thut,-damit es nicht verlaute; scherzhafte Anwendungen alter Verse und Anspielungen finden sich 155. 157. 158. 159. 168. Die übersetzten 172—176. Das letzte ist sehr gut in jüdische Anspielung umgewandelt. 6) ^>"12 XD Unterhaltung. Originale 177 — 189. Gut 177, derBibliötbek-Besitzcr, vernicht liest. 181, über den Spottnamen Esel. 184. der Wunsch, mtt Weisen umzugehen. Nicht alle sind von gleichem Werthe. Auch ist der reichhaltige Stoff nicht genügend bedacht. Die Uebersetzten 190—198 erscheinen uns nicht witzig; der Ausdruck jedoch vortrefflich. „ 7) Lustige Gesellschaft. Originale 199—225. Darunter mehrere ausnehmend schön. 200 wie der Nüchterne glaubte, die Erde stehe, aber der Wein ihn belehrte, daß sie sich drehe. 209 u. 210 Wein und Wasser. 219—225 betreffen die Trägheit, paffen also nicht wohl hieher. Der Ausdruck ist auch hier überall zu loben, der Witz im Ganzen nicht sebr scharf. 226—230 sind übersetzt, sämmtlich gut. 8) Allerlei menschliche Fehler. Or. 231—254. Sie behandeln Gleißnerei, Plauderhaftigkeit, Falschheit rc. Recht gut 236. 238. 239. 242. Mehrere wiederholen hier mit andern Worten frühere Gedanken. Die übersetzten 255—WO, worunter 277 u. 278 aus dem Spanischen, 279 aus dem Englischen, 280 aus dem Griechischen, scheinen uns kräftigern Inhalts. 0) D^j; mmtf Wie die Welt beschaffen ist. Or. 281—279. Darunter mehrere gut gelungene. 281 wie eine recht gute Welt nur ein Traum. 283 die geringen Fortschritte unsers Wissens. 286 die Schreibsucht. 292 Damvfwagen. 294 Schicksal der Gelehrten. Die übrigen sehr ungleichen Werthes. Die übersetzten 298—322 recht gut gewählt und gegeben. 10) Vermischte. Or. 323—351. Sehr gut 323, die drei Moses. Mehrere enthalten scherzhafte Anspielungen. 341. 342 Eisenbahn, recht gut. Es folgen 352—358 aus fremden Sprachen. — Die Originale der Fremden sind -eigefügt. Die Vergleichung ist um so interessanter, als man daraus ersehen kann, wie der Verf. es verstand, den fremdartigen Gedanken, welcher öfters im Wortklange seinen Ausdruck hat, erst in sich zu hebraisiren und bann eine ähnliche Zdee, mitunter durch Anklingen an alte Verse und Sprüche hervorzubringen. Aus dem, was wir hier mitgetheilt haben, geht zur Genüge hervor, daß das Büchlein allen denen, welche hebräisch verstehen, einen artigen Schatz für Witz und Unterhaltung darbletet; selbst für solche, die eben noch im. Studium begriffen sind, kann es als Nebenübung benutzt werben, um die Kräfte an kurzen und leichten Sätzen, die keiner besondern Eregese bedürfen, zu versuchen. Zu einer anhaltenden Lectüre eignen sich ganze Sammlungen von Epigrammen niemals, wir würden es daher für zweckmäßig erachten, wenn der Df. lieber verschiedene Gattungen seiner hebräischen Muse zusammenstellte, damit mehr Abwechselung darin sei. Inzwischen verdient auchdiese Sammlung eine allgemeine Anerkennung, und jeder Freund dieser Literatur wird sich freuen, zu sehen, wie viel Leben noch immer in die tobte Sprache zu bringen ist, wenn man sie gehörig zu handhaben versteht. Anzeige. ]n Zion. Hebräische Zeitschrift für Theologie und deren Hülfswiffenschaften. Herausgegeben von Dr. M. Creizenach und vr. J. M. Jost. Zweiter Jahrgang (602) JV? 4. Znhalt: 1) An Saul bei der Zauberin zu Enbor; Poetisches Pdantasiebild von M. Letteris. 2) Der Brief aus Nr. 3 beendet. 3) Schluß des Schreibens, betreffend Zion 601, insbesondere mit Rücksicht auf Z. Erter's Schrift 4) Kritiken zu K. Ch. VI. von Sal. Geiger, enthaltend viele kleinere Notizen, diesmal Nachweisung mancher unrichtigen Bibelcitate in verschiedenen älteren und neueren Werken. 5) Kritische Forschungen über die Agaba von I. Reifmann. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.