Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 51 (17.12.1841)
- Date
- 1841-12-17
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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405 oder der eigenen Ueberzeugung fremd sein. Jedes Wort des Lehrers muß aus dem Innersten des Herzens kommen und die Confirmanden überzeugen, daß von der richtigen Auffassung, und noch mehr von der treuen Befolgung der Lehren und Vorschriften der Religion ihr zeitliches Wohl und ihr ewiges Heil abhänge. Dabei versäume der Religionslehrer keine Gelegenheit, um die seiner Leitung anvertrauten Jünglinge und Mädchen (versteht sich mit der nöthigen Vorsicht) vor den Gefahren der eigenen Sinnlichkeit und fremder Verführung, die ihnen beim Eintritt in das öffentliche Leben drohen, zu warnen, sie mit den Wegen und Mitteln, denselben zu entgehen, bekannt zu machen, um so der Gemeinde würdige Mitglieder zuzuführen. Den Schluß des Confirmanden-Unterrichts, die Confirmations- Handlung in der Synagoge, suche der Rabbine durch Predigt und Gesang so feierlich als möglich zu machen. Denn ist die Confirmation, nach den Grundsätzen der israelitischen Religion, auch nicht als eine Bestätigung des Auf-! nähme-Aktes in die Gemeinde, deren Mitglied jeder Israe-! lit durch die Geburt wird, zu betrachten, so soll doch durch j diese Handlung dem Entschluß, als Israelit zu leben, die! möglichste Festigkeit gegeben werden. > Ueber die Confirmanden ist von dem Rabbinen ein! eigenes Register zu führen, in welches jedes Jahr die neu j Hinzukommenden pünktlich einzutragen sind. j § 7. Aufmerksamkeit auf die erwachsene I Jugend. Der gewissenhafte Religionslehrer wird indessen die Jugend mit ihrem Austritt aus der Schule nicht außer Augen lassen, sondern fortwährend seine Aufmerksamkeit auf dieselbe richten, um bei jeder Gelegenheit ihre in der Schule erhaltenen Kenntnisse der Religion zu erweitern, sie j vor den Gefahren des Müßiggangs, der Sinnlichkeit und ,! der Verführung zu bewahren, und überhaupt sie in allem | Guten zu befestigen. Nachrichten und Correfporr-enzerr. Frankreich. — Das Bibelwerk des Herrn S. Sahen schreitet seiner Vollendung entgegen. Erschienen sind bereits 5 Bände Pentateuch, ferner Iosua, Richter, Samuel, Könige, Iesaiah, Jeremiah, Hesekiel, die Chronik. Die zwölf kleinen Propheten erscheinen in Kurzem. — — In Paris bildet sich unter dem Namen 1» Charite eine neue mildthätige Gesellschaft, welche zum Zweck hat, die arme Jugend beider Geschlechter in Religion und Moral unterrichten zu lassen, und die bessern Schüler der Schule für gegenseitigen Unterricht mit Büchern zu versehen. Sie will auch die Waisenkinder unter Aufsicht nehmen, und zu ihrer Erziehung Beiträge leisten, auch wenn Mittel vorhanden sind, den Schülern des gegenseitigen Unterrichts täglich Suppe verabreichen lassen. Auch Damen können diesem Verein beitreten. (Archives.) — Aus Bordeaux meldet dasselbe Journal bedeutende Verbesserungen, welche in's Leben zu rufen der Oberrabbiner Marx sich sehr angelegen sein läßt. Namentlich hat er jetzt ebenfalls die öffentliche Religivnsweihe, auch für Mädchen cingeführt. Den vorbereitenden Unterricht dazu hat er selbst ausgearbeitet. Die südlichen Consistorien zu Marseille undBordeaux handeln mit ihrenOberrabdinen, Cahen und Marx, in schöner Uebereinstimmung, und man sieht daher die Früchte ihrer Arbeiten früher reifen. — Im Norden und Westen scheint man nicht solche Uebereinstimmung zu finden, wo z. B. in Colmar selbst die Handwerksvereine bald von der einen, bald von der andern Seite, unendliche Schwierigkeiten zu überwinden haben. — vr. W o r m s, Oberarzt der Militärschule zu St. Cyr, welcher 8 Jahre in Algier bei'm franz. Heere attachirt war, hat in der Acad. de science morales et politiques eine interessante Abhandlung über das Grundeigenthum bei den Moslemen, vorgetragen, und dadurch große Aufmerksamkeit erregt. Man erwartet nun von ihm eine ausführlichere Behandlung dieses für die künftige Gesetzgebung in Algerien wichtigen Gegenstandes. — Der Redacteur der Arcbives Israelites de France ist von einem Hause in Constantinopel ersucht worben, einen Aufsatz auszuarbeiten, um den Juden in Constantinopel das Erlernen der Landessprache anzuempfehlen; man will denselben alsdann in's Spanische übersetzt, dort in Umlauf setzen, und erwartet davon einige Wirkung. Es muß also der Befehl des vorigen Oberrabbiners, den wir seiner Zeit in den Annalen mitgethcilt haben, durchaus keinen Erfolg gehabt haben! Hamburg. — Der durch seine Schriften bekannte Herr Hirsch ist bei seinem Abgänge aus Oldenburg von den besten Segenswünschen der dortigen Gemeinde, die in ihm ihren treuen Seelenhüter und einen thätigen Freund ihrer durch ihn verbesserten Jugenderziehung, mit tiefem Bebauern scheiden sah, nach seinem neuen Wirkungskreise, Emden in Ostfricsland, begleitet worden, wo er eine fast beispiellos glänzende Aufnahme (unter Andern flaggten die Schiffe im Hafen) gefunden hat. Seit kurzer Zeit drängen einander kleinere Brochüren über die Iudenemancipation, die fast sämmllich in unserer Nachbarstabt Altona herauskommen. Das erste Signal zum Kampfe gab ein obscurer Advokatt Witt in Altona (auch Holst's Schmähschrift ging einst, wenn ich mich recht erinnere, von dort aus), der mit leeren verbrauchten Gründen die Fähigkeit der Juden zur Emancipation bestritt und die Christen zur Wachsamkeit auf die vermeinten Eindringlinge aufforderte. Ihm antwortete — besser wäre gänzliches Ignoriren gewesen — in gutgemeinter Rede durch seine Brochüre „der neue Judenfresser" Herr Christ ern, (christlicher Religion) hieselbst, der als Kunstkritiker einen geachteten Namen besitzt. Herr Witt antwortete durch seinen „neuen Jeremias;" dem wieder „Auch ein Wörtchen über den neuen Jeremias des Herrn Advokaten Witt" entgegen und ein Angriff eines (christlichen) Cand. chir. Reichendach auf das zweite Heft der Steinheim'schen Medi-