Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 51 (17.12.1841)
- Date
- 1841-12-17
- Page
- Seite 402 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Innere dieses Buches ein, und untersucht Form und Inhalt nach den bestehenden uralten Grundsätzen und divergireuden Ansichten, und bei einigen unbedeutenden Punkten ein kleines Bedenken nicht verhehlend, drückt er sich, insbesondere in Betreff einiger Weglassungen, welche vielleicht manchem Eifrer anstößig erscheinen, über das Ganze also aus: „Wir müssen es daher als einen der schönsten Vorzüge dieses Gebetbuches betrachten, daß es bei dem treuen und innigen Anschluß an den wahren und ächten Geist des reinen Jtzdenthums, in dem es tief wurzelt und von dem es sich mit keiner einzelnen Faser losgetrennt; bei dem festen Stehenbleiben in dem Mittelpunkt der Synagoge und der in ihr geltenden Tradition, dennoch mit gewissenhafter und unbefangener Prüfung alles dessen sich entäußert, was diesen Geist in den Augen Gottes und der Menschen trüben kann, alles dessen, was ein starrer Buchftabenglaube zwar mir dem Heiligsten identificirt und als intcgrirenden Bestandtheil des Rituals betrachtet, was aber ein freier und und unbefangener Blick, der ln der Synagoge nicht einen Deus ex machin», sondern in verschiedenen Epochen, unter verschiedenen Einflüssen sich entwickelnde und fortbildende religiöse Institutionen erkennt, als mit dem Genius der heutigen Zeitbildung— die doch wahrlich eben so gut als je eine frühere auf Berücksichtigung Anspruch zu machen berechtigt ist — nicht zu vereinbarendes Element nicht fortbestehen kann. Selbsttäuschung und beschwichtigende Beschönigung des als anstößig und mit dem Geiste der höheren israelitischen Ideen u nv erträglich hie und da in der Synagoge genugsam Anerkannten, ist aus dem Gebetbuche mir richtigem Takt und einfacher und ungeschminkter Wahrheitsliebe sorgsam entfernt worden. Nirgends ist zu Gunsten der Form der Wahrheit des Inhalts, etwas vergeben worden. Wahrheit und volle Uebereinstimmung des durch Bildung geläuterten religiösen Bewußtseins mit dem Ausdrucke des Gebetes ist ein innerer sanfter Wohllaut, der durch das Buch klingt und das Gemüth feierlich zur Andacht stimmt. „Die Hinzufügungen in diesem Buche sind alle neue Gebete in deutscher Sprache, und sollen, nebst dem Gesangbuche, die Piutim in der Synagoge ersetzen. Ihr Inhalt schließt sich immer der Bedeutung des Tages und dem inhaltlichen Charakter des israelitischen Rituals an, und bedarf somit keiner weitern Rechtfertigung. JhrGeistiftder wahre Geist der israelitischen Religion, der Geist der reinsten Frömmigkeit, der erhabensten Gottesverehrung, der ächten Weisheit und Menschenliebe. „Dem Buche wünschen wir noch schließlich fleißige Beter; daß es von der Gemeinde, für die es allernächst bestimmt ist, im Geiste seiner Abfassung oft genützt und daraus mit wahrer Andacht gebetet werde, und daß es hierdurch seine Vorzüglichkeit am wirksamsten beweise. Und wie einst Salomo in Beziehung auf den Tempel (I. Könige 8), wünschen auch wir für jeden nicht zur Gemeinde Gehörigen, wenn er in den Tempel kommen und aus diesem Buche beten wird, daß der Geist Gottes, der in ihm wehet, auf ihn sich herablassen und ihn mit wahrer Erleuchtung und Erkenntniß, mit Frömmigkeit, Frieden und Liebe erfüllen möge! Der Tcmpelverein gewinnt hierdurch auch von Seiten der bisherigen Gegner eine starke Autorität, die sich an die alten Autoritäten anschließt, für sich, und darf um so mehr hoffen, segenreich zu wirken. Das „Bekenntnis -es Profelyten" vom diesseitigen Standpunkt aus gewürdigt. (Fortsetzung.) Nunmehr kommt Herr B. auf das Christenthum, welches er bis dahin nicht gekannt hatte; ihm zeigte sich nur die Christenheit mit ihren glücklichem Zuständen, jedoch stets nur als Parthei, die ihren Reformator anbete, so daß daß Judenthum, welches diesen nicht anerkenne, sich mit Recht dagegen sträube, eine Form vorzunehmen, welche der eigenen Ueberzeugung widerstreite. Eine Betrachtung der großen politischen Ueberlegenheit des Chriftenrhums aber führte ihn jetzt auf die Erwägung der innern Prinzipien desselben, welche allein diesen Sieg errungen haben müssen. Daß auch der Islam sich hervorgethan habe, erschien ihm als eine sehr schwache Einwendung, weil das Emporkommen der Israeliten ja auch geweiffagt sei. Wir gestehen, daß die Argumentation aus historischen Fakten, so sehr sie auch heut zu Tage im Schwange ist, uns niemals von großem Gewicht erscheint, weil ein Blick auf die Dauer des chinesi-