Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 50 (10.12.1841)
- Date
- 1841-12-10
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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399 geradezu kaufen, so jüngst zu R.. und früher schon an andern Orten derselben Gegend. Es ist noch gar nicht lange, daß deutsche Bucker gelesen werden dürfen, ohne den Bann zu verwirken, aber auch selbst seit jener Zeit, daß dies nicht mehr anstößig erscheint, wagte es außer dem Einen (?) dessen Namen erst die Nachwelt nach Verdienst würdigen wird, wie man ihm jetzt schon im Stillen nacheifert, — Keiner im Namen der Wahrheit aufzutreten. Ein Rabbiner glaubt schon sehr viel dem Zeitgeiste nachgegcben zu haben, wenn er in Gegenwart eines Fremden Hochdeutsch zu sprechen versucht; denn selbst der Jargon wird für heilig gehalten. Besonders bedauerlich ist die Kälte der Rabbiner für das an einigen Orten schon angeregte Schulwesen, dessen Organistrung im höchsten Grade Bedürfniß ist. In Gyönydös feblt es in der That nur an einem geistlichen Fürsprecher und Beschützer einer solchen Anstalt, eben so in Palota, wo der verebrte Ober- Rabbiner Schwab aus Pesth, in der bei Eröffnung des neuen Bethauses gehaltenen Predigt, die Sache der Gemeinde sehr ans Herz gelegt hat; eben so in Körnd'ön, wo zeither ein Lehrer dem andern Platz machte. In Raab hat seit einigen Jahren der gesunde Verstand mehrerer Hausväter die Abstellung mancher Mißbräuche durchgesetzt, auch warb ein Oberlehrer dahin berufen, um die Schule zu organistren. Die Wahl siel auf einen Eandidaten, welcher an der Schule j zu Hohenems mit ausgezeichneter Anerkennung gewirkt j hatte, und man hegte auch hier mit Recht von ihm die! besten Erwartungen. Allein der Rabbiner ist, da man! jenen zum Rabbinats-Assessor ernannt hat, welcher öffent-! liche Vorträge zu halten befugt und auch willens ist, demselben in allem entgegen. Sein ganzes Leben ist der unbedeutendsten Casuistik gewidmet, die oft die lächerlichsten Fragen mit dem tiefsten Ernste bebandelt, und er fürchtet nichts so sehr, als das Licht, welches aus der Schule sich verbreiten möchte. Weit würdiger könnte dieser Mann, dem es nicht an bessern Einsichten fehlt, sein Amt aussüllen, wenn er statt mit dem niedern Volke gegen alle Bestrebungen der Zeit Parthei zu nehmen, sich diesen anschlösse, und sie zur Hervorbringung einer wünschenswerthen Einheit lenkte. Welch ein trauriger Ruhm, eine kräftige und strebsame Gemeinde um mehrere Decennien zurückzuwerfen! Wie weit löblicher hingegen wäre es einem Manne, der das Gute wohl zu würdigen weiß, dasselbe zu befördern und die Anforderungen der Zeit zu befriedigen! Hoffen wir, daß er selbst die Vorzüge des neuen Institutes erkennen, und nicht sine Verantwortung auf sich nehmen werbe, dessen Fall herbeigeführt zu haben! Raab im November. — Während die königl.Freistadt Raab eine Ehre darin sucht, von den Letzten zu sein, die den Gesetzesbestimmungen des verflossenen Landtages Folge leisten und noch immer die Aufnahme der israelitischen Vorstadtbewohner in den Mauern der Stadt verweigert, giebt uns ein edler Oberhirte, der hier residirende Diöcesan- Bischof Joh. v. Sztankowich, k. k. Hofrath, ein glänzendes Beispiel, wie wenig das eigentliche Christenthum an der Scheelsucht und Feindseligkeit Theil hat, die noch hier und da geschäftig sind, das Leben eines unseligen Dorurtheils zu fristen, das schon so viel Thränen erpreßt und so viel Blut hat fließen machen. — Vergebliche Mühe, das Licht siegt dennoch, und der Geist von Oben, der Fürsten und Gesetzgeber erleuchtet, wird endlich durchdringen trotz dem Widerstreben der schnöden Selbstsucht, die, wo ihre eigenen Arme nicht hinreichen, es doch nicht sehen mag, daß ein Anderer, Dürftigerer zulange und genieße. — Vor einigen Wochen starb in einem benachbarten Comitat der Wirthshaus-Pächter auf dem bischöflichen Gute Szöny, ein Jsraelite, in den besten Jahren und hintcrließ eine trostlose Wittwe, nebst acht unmündigen Kindern. Der Jammer des unglücklichen Weibes gränzte an Verzweiflung. Da erbarmte sich der Güter-Präfekt der armen Familie und ermunterte sie, sich an den hochwürdigsten Bischof v. Sztankowich zu wenden, und erbot sich selbst, die Bittschrift zu überreichen. Der edle Prälat erledigte das Gesuch wie folgt: Der Bittstellerin wird der ganze Pachtzins lebenslänglich erlassen, so lange dieselbe Wittwe bleibt. Der Pachtzins war nicht unbedeutend. Nicht minder verdient der folgende Zug wahrer Humanität und ächter Toleranz die vollste Anerkennung. Eine hiesige israelitische Familie war theils in Folge von Verlusten im Handel, theils durch den alljährlich zunehmenden Bedarf der anwachsenden Kinderzahl sehr herabgekommen. Einer der älteren Söhne dieses Hauses hatte bisher mit glücklichem Erfolge studirt, und sollte nun in die höhern Klassen der Humaniora eintreten. In dieser traurigen Alternative, ihren übrigen Kindern das Nothwendigste zu entziehen oder den hoffnungsvollen Jüngling seiner wissenschaftlichen Laufbahn zu entreißen, wandten sich die betrübten Eltern an den menschenfreundlichen Bischof, ihren Grundherrn. Der Erfolg übertraf ihre kühnsten Erwartungen. Se. bischöfliche Gnaden setzten dem fleißigen Jüngling ein jährliches Stipendium von fl. 100 C. M. für die Dauer seiner Studien aus, befreite die Familie von ihrer drückendsten Sorge und gründete sich selbst ein Denkmal der Liebe in den Herzen seiner israelitischen Untergebenen. Frankfurt a. M. — Es gereicht uns zum Vergnügen, berichten zu können, daß in hiesiger Gemeinde sich ein versöhnlicher Geist zu zeigen beginnt, welcher sehr gute Früchte für die Zukunft verspricht, wenn er ausdauernd in seinem Wirken fortschreitet. Eine Anzahl der sachkundigsten Männer der verschiedensten Farben und Ansichten, von dem Wunsche beseelt, innere Verbesserungen jeglicher Art nach Kräften zu fördern, haben sich dahin vereinigt, öfters die israelitischen Angelegenheiten gemeinsam und freundlich zu besprechen, um möglicher Weise eine Verständigung über so manches hervorzurufen, was meist nur deßhalb streitig ist, weil es bisher an den Mitteln zu Annäherungen gefehlt hat. Es leidet keinen Zweifel, daß ein freundlicher Aus tausch der Ideen unter Männern, welche das Gute wollen.