Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 49 (3.12.1841)
- Date
- 1841-12-03
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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391 Stieglitz nach der in unserm Großherzogthume bestehenden Vorschrift wolle abnehmen, oder das daraus entfernen lassen, was, wie erwähnt, mich in meinem Gewissen verhindert, dabei thätig zu sein. Der ich hochachtungsvoll unterzeichne, der Großherzoglich Weimarische Land-Rabbiner. Dr. M. Heß. Stadt-Lengsfeld, 6. Juli 1841. Das Hamburger Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht. (2te Auflage.) Wir haben dieses Gebetbuch, über welches das Hamburger Rabbinat ein älteres Anathem wieder erneut hat, jetzt vor uns. Wie fern es mit der ersten Auflage übereinstimme oder von derselben abgegangen ist, wissen wir nicht. Aber nach einer genauen Durchsicht desselben bleibt es uns in der That räthselhaft, was wohl die entgegenstehende Parthei an diesem Buche Anstößiges gefunden haben möchte, denn einige Auslassungen und im Deutschen getroffene Abänderungen des Unwesentlichen eines Rituals, welches schon so vielfache Aenderungen sich hat gefallen lassen müssen, daß es kaum seinem Ursprünge noch ähnlich ist, kann unmöglich eine j solche Verketzerung Hervorrufen. Es wäre sehr wünschensj werth, daß darüber eine bestimmtere Entwickelung der j Gründe erfolgte. So lange diese nicht eintritt und vom l Gegentheil überzeugt, muß jeder Sachkenner zugeben, daß s die Herausgeber sich mit vielleicht zu großer Rücksicht an : das Bestehende gehalten, und diesem manches aufgeopfert! haben, um jeden Widerspruch zu entkräften. Alles We-! sentliche (so scheint es uns wenigstens) ist beibehalten, i theils in der Ursprache mit hinzugefügter wortgetreuer Uebersetzung, theils in Uebersetzung als deutsch vorzutragende Stücke, in denen mehr der Sinn als das Wort des Originals wieder gegeben ist, weil dies nicht immer im deutschen Ausdruck so ansprechend erscheinen würde. Hierbei ist öfters wohl auch auf den moralischen Eindruck Rücksicht genommen (S.?), während sonst selbst die im Deutschen etwas fremd klingenden Bilder (S.52) treu beibehalten sind. Die Auslassung einzelner Ausdrücke, welche auf die Andacht nicht einwirken, wohl aber Ideen anregen, die wir ungeru als Theil des Lobgesanges aussprechen, z. B. alles was Rachegefühle enthält, oder Freude über den Sturz der Feinde (S. 7. S. 64 u. a.) kann der Geist unsrer Zeit, welcher auf friedlichere Gesinnung hinwirkt, nicht verwerflich finden, vielmehr nur billigen. Das Messiasreich ist, wie uns vorkommt, mehr als Symbol beibehalten, wogegen die Gebete um wirkliche Wiederherstellung des Opferdienstes nur als Einschaltung bezeichnet oder angemessen abgcändert sind, so daß sie ebenfalls mehr in symbolischer Bedeutung auftreten. — Zu den hohen Festen finden wir auch eine Anzahl der künstlichen Gesänge aus der spanischen Schule mit eingerückt. Ueberall begegnen wir einer orthodoren und ftommen Gesinnung und dem Ausdruck ächter Gottesverehrung, so daß wir glauben, das Werk werbe allen denjenigen, welche in den bisherigen größer» Sammlungen zu viel Störendes fanden, zur wahren Erbauung gereichen. Zm Tempel selbst gewinnt diese ohne Zweifel eine höhere Weihe durch den Ort, die Art des Vortrages und die Gesammtheil der gottesdienstlichen Anstalt. Nachrichten und Correspondenzen. London, 12. Nov. — Zn Angelegenheit der Neuen (reformirten) Gemeinde sind ernste Schritte geschehen, welche uns mit einem Zwiespalt bedrohen. Eine Versammlung der portugiesischen Gemeinde hat Statt gehabt, um sich über das von der neuen Gemeinde redigirte Gebetbuch zu besprechen, und man hat beschlossen, dasselbe für durchaus unzulässig zu erklären. Diese Ansicht ist von dem Oberrabbiner Herschell bestätigt worden, und in Folge dessen hät man in allen Synagogen den Gesammtbeschluß aller sogenannlen orthodoren Gemeinden bekannt gemacht. Eine Abschrift dieser Erklärung soll an alle Gemeinden, nicht bloß Englands, sondern auch der Continente, gesandt werden. Ob dies den Muth der reformirten oder reformirenden Parthei, welche sich bereits völlig constituirt und ein eigenes Gotteshaus eingerichtet hat, beugen werde, steht sehr dahin; jedenfalls wird ihr durch jene Erklärung manche Verlegenheit bereitet, so lange sie keinen tüchtigen Geistlichen an ihrer Spitze hat, welcher Ansehn und Gelehrsamkeit mir Redlichkeit verbunden ln dem Grade besitzt, um die Reform gehörig vertheidigen und bei denen Eingang verschaffen zu können, die nur eben von deren Gesetzlichkeit überzeugt sein möchten, um sich ihr gleichfalls anzuschließen. Denn der junge Mann, welcher jetzt den Dienst verrichtet, ist bei seinen schönen Talenten doch nicht der Aufgabe gewachsen, auch wohl gar nicht Willens, sich in einen so ungleichen Kampf einzulassen. Die Hauptschwierigkeiten werden entstehen, wenn Familienfestlichkeiten eintreten, bei denen das Rabbinat sonst mitzuwirken hatte, und mancherlei Familienverbindungen werben in der Reform Anstände finden, so lange man sich nicht über deren Gesetzlichkeit geeinigt haben wird. Würtemberg. — Des Pseudonymen Juda Leon kritische Bemerkungen über jüdische Reformbestrebungen haben zu satyrischen Späßen Anlaß gegeben, mit denen man allerdings solch einem Gemengsel von biblischem Zubenthum, Rabbinismus, halb verdaueten Sätzen aus Hegel's Encyclopädie und Nooschellingianismus, versetzt mit gallsüchtiger Misanthropie und leidenschaftlichem Nonsens, am Besten begegnet. — Der Verfasser—wie wir vernehmen, ein Herr L o ew engar d in Jebenhausen — hätte freilich besser gelhan, seine Gedanken erst reifen zu lassen, bevor er sie in die Welt schickte.