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Israelitische Annalen · 1841-12-03 · Heft 49 (3.12.1841) · p. Seite 387

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 49 (3.12.1841)
Date
1841-12-03
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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387 Wir haben somit gesehen, wie wenig im Mosaismus das Geber durch die Opfer beeinträchtigt worden, es hat sich uns aber noch deutlicher herausgeftellt, daß ihm die Freiheit als Lebenselement angewiesen worden, die es nicht eher verloren, als bis die Nation den gleichen Verlust in ständigen Tönen beklagte. Dieses Element, freie Bewegung, müssen wir unserm Cultus (versteht sich, unter den Schranken, die ihm als Cultus nothwendig zukommen) wieder zu verschaffen suchen, und wenn eine Synode eine Reform des Cultus für alle Gemeinden Deutschlands zu Stande bringen könnte, hätte sie sich vor nichts so sehr zu hüten, als vor einer positiven Feststellung des ganzen Rituals, um eine vollkommene Einheit zu erzielen, was nur eine ärgere Stagnation bewirken und den Rest von Freiheit, gewahrt durch das Vorhandensein verschiedener Rituale, uns rauben würde. Indessen können wir noch eine derartige Besorgniß fahren lassen, weil an eine Vereinigung aller deutschen Gemeinden zu einer Reform (wenn dies nicht ein leeres Wortfolglich ein reeller Rückschritt sein soll) zur Zeit wohl nicht zu denken ift^ -Gesetzt die erstarrten Rabbinen (und Thalmudistön) bleiben von der Berathung ausgeschlossen; werden sie nicht dann theils ihren Einfluß auf die Menge, theils durch ihre amtliche Autorität bei den Regierungen der Sache noch größere Hindernisse bereiten, noch ärgere Verwirrungen anrichten? Und fehlt es uns, ungeachtet der Gegenstand bis zum Ueberdruß angeregt und diskurirt worden, nicht immer noch an klaren und gründlichen Vorarbeiten, die eine Versammlung, deren Mitglieder nicht sämmtlich gelehrte Kritiker sind, befähigen würden, eine Norm festzusetzen? Fehlt es uns nicht aber auch noch an einer bessern Synagogal-Lilerarur, an geeigneten Gebeten und Gesängen, die an die Stelle der mittelalterlichen Stücke zu setzen wären? Kaum sind einige Anfänge vorhanden. Für die Aufklärung und Belehrung der Menge ist noch weniger geschehen. Dieser wird im Gegentheile durch die zahllosen Ausgaben des Machsor mir Uebersetzung (und Beschönigung der anstößi- Stellen), Werke der Spekulation! stets von neuem imponirt*), während selbst in den Gegenden, wo *) In dem Damen-Machsor in deutscher Sprache mit hebräischem Text für die Haupt- und Pflichtgebete (Berlin 1841) figurirt als solches das Traum ge bet das Ritual gereinigt worden (z. B. in Württemberg und einigen Kreisen Baierns) noch kein gereinigtes Gebetbuch vorhanden ist. Ein Verein, der sich die Aufgabe stellte, durch Veranlassung weiterer Diskussionen und Untersuchungen, durch Unterstützung und Ermunterung literarischer Arbeiten für die Synagoge (wie Herr Rabbiner Stein sie versucht), durch Aufklärung des Volkes mittelst Herausgabe eines gereinigten Gebetbuches (mit einem Anhang, worin über die Weglassung gewisser Stücke und Stellen Rechenschaft gegeben wird, damit den Blinden die Augen aufgehen) den Weg zu bahnen, um den angebereten Staub einer trüben Zeit aus der Synagoge wegzuschaffen, würde sich schon ein namhaftes Verdienst um dieselbe erwerben und wesentlich dazu beitragen, daß sie wieder eine würdige Gottesstätte werde, wo der heilige und heiligende Geist des lebendigen Gottes webt und woher er sich über Israel ergießt. Aktenstücke aus dem Weimarschen. 1) Betreffend die Eidesformel. Vorwort. Die letzten Stümpfe jener gefährlichen Fangzahne des Mittelalters, die den schönsten Theil Europas zerfleischten, jene Nester des Raubes und des Mordes, der Schrecken des Fleißes und die Freude der Prasser, jene Schlösser der Stegreifritter nämlich, deren Nähe sonst der zitternde Fuß des Wanderers nur nothgedrungen betrat, und des Vorüberziehenden scheuen Blick niederschlugen —seirwährend des Priestersegens. Was sollen unsere gebildeten Damen (und diesen, denen nämlich „die jüdischdeutsche Leseart fremd ist," wird es ausschließlich von der wohllöblichen Rabbinats - Verwaltung empfohlen) von einer Religion für Vorstellung bekommen, die ihnen dergleichen zur Pflicht macht? Von den Versen bei jedem Worte des Priestersegens hätten die Herausgeber als Rabbinatscandidaten wissen sollen, daß sie selbst nach Isserles, der sie gegen Karo (Orach Chajim c. 128 § 26) in Schutz nimmt, lieber nicht gesprochen werden sollen. Auch ist!üp: beibehalten aber übersetzt: „Eifere (!) vor aller Augen!-? " 49*

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