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Israelitische Annalen · 1841-11-26 · Heft 48 (26.11.1841) · p. Seite 382

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 48 (26.11.1841)
Date
1841-11-26
Page
Seite 382 (sequence 6)
Language
German
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382 -ene zum Vorbilde den Zurückgebliebenen gethan, daß der Gemeinsinn des Werkes sich annehme, und Alle ohne Ausnahme und Partei-Ansicht dafür wirken, was für Alle ohne Ausnahme und Partei-Ansicht, einzig im Interesse des Gemeinwohls und der fortschreitenden Humanität gestiftet ist... Dann werden, wenn wiederum 25 Jahre hingeflossen sind, und der Wind vielleicht längst schon den Staub von.unserm Grabeshügel weht, immer neue, jüngere und kräftigere Strebepfeiler den Bau hatten und erhalten, und die derzeit Feiernden werden Nichts mehr zu bitten, von der Zukunft zu hoffen, sondern einzig und allein für die Vergangenheit zu danken und sie zu preisen haben." Höchst interessant ist die bei dieser Gelegenheit erschienene geschichtliche Darstellung der israelitischen Freischule zu Hamburg, von vr. Ed. Kley, Oberlehrer und Direktor (59 S. gr. 4to mit beigelegtem Program IX Seiten Lieder enthaltend.) In rührenden Zügen schildert der wackere Schulmann das Entstehen dieser Anstalt, die so unbedeutend vor fünfundzwanzig Jahren in's Leben trat, deren Zukunft und Dauer niemand zu bestimmen wagte, und die nun schon seit einer Reihe von Jahren in herrlicher Blüthe dastehe, immer größere Siege des Lichtes über die Finsterniß versprechend. Wahrlich, es ist erhebend, den Fortgang des Guten so in augenfälligen Beispielen vor sich zu sehen, und tröstet für den Jammer, den so viele andere mit großem Pomp aufgetretene Anstalten in mancher großen Stadt besonders des Auslandes, erregen muß, wenn man sieht, wie der Mangel an Energie oft die besten Grundlagen verfallen läßt. Gern bekennen wir es, was der Verfasser obiger Schrift aus Bescheidenheit nicht ausspricht, daß seiner kräftigen Energie allein die Freischule ihr treffliches Gedeihen verdankt, wie wohl auch andere edeln Äänner, an denen Hamburg keinen Mangel hat, ihre Mitwirkung gerne herliehen, und ihren Antheil an der Anerkennung der Mit- und Nachwelt mit Recht ansprechen. Sehr treffend weiß Herr vr. K. die Einwirkungen der Zeit auf die Bestrebungen und Leistungen der Israeliten Hamburgs zu würdigen und aus denselben auch den Geist seiner Anstalt zu entwickeln. Folgende Worte dürften besonderer Aufmerksamkeit werth sein. „Volks- und Elementarschule, im eigentlichen Sinne des Wortes, aber auch im rechten Geiste, wie er allen Volksschulen ohne Ausnahme zu wünschen wäre, sollte die Anstalt werden. Dem Worte nach ist sie cs nicht geblieben und konnte es auch nicht bleiben, wie der Verfolg lehren wird; der Geist aber ist, dem Herrn sei Dank, heimisch geworden und geblieben, und es zeigt sich hier abermals, was wohl oft genug schon gesagt, aber noch immer nicht genug unter uns beherzigt ward: die Form kann wechseln, und muß wechseln nach Zeit, Verhältnissen und Umständen; aber der Geist, so es der rechte ist, wird derselbe bleiben, und die veränderte Form nur um so ansprechender beleben. Welchen interessanten Stoff zu Betrachtungen bietet der Vergleich zwischen den oben angeführten Zeilen und dem jetzigen Standpunkte über das was schwindet und was bleibt!" vr. Kley ward im Jahr 1817 aus Berlin, der Wiege fortschreitender Bewegungen, an welchen damals eine ziemliche Anzahl junger Geister nach verschiedenen Richtungen hin Theil nahmen, und unter denen Kley bereits durch eine gewisse Selbstständigkeit sich hervorthat, nach Hamburg berufen, um die Freischule, welche ihr erstes Jahr unter vr. Hanno zurücklegte, nach dessen Ausscheiden zu übernehmen. Alsbald schritt er zur Ausführung wichtiger Aenderungen. Er führte Gesang ein, damals eine große Seltenheit; er hielt auch wöchentliche religiöse Vorträge, und gab dadurch dem Tempel seine Entstehung; schon im Jahr 1818 stand dieser vollendet da; und während der in Berlin damals nur precär gehaltene neue Gottesdienst, durch Unklarheit des Zieles und der Leitung seinem Untergänge zueilte, wußte man in Hamburg allen Anschwärzungen und verkehrten Insinuationen fest und siegreich zu bebegegnen. Er macht die Religion zum Mittelpunkte der Schule und des geistigen Unterrichts, wußte aber genau die wahren Lebensprinzipien der Religion von dem, was bloß Form ist, zu unterscheiden, und erstere in ihr volles Recht einzusetzen. Dagegen hat K. auch stets dafür gesorgt, daß die Freischule keinesweges als dem Tempel zugehörig betrachtet werden solle, vielmehr vindicirte er ihr ebenfalls ihre volle Selbstständigkeit, und vermied er alles Ausschließende in ihrem Wirken. So hat sie denn auch das Vertrauen aller Mitglieder der israelitischen Gemeinden, ohne Unterschied der Farben, zu erwerben gewußt. — Die Geldmittel der Anstalt nahmen mit dem Erfolge zu, wie dies bei sorgfältiger Leitung überall nicht ausbleibt. Frühzeitig bildeten sich neue Vereine zur Versorgung der Schulkinder mit nöthigem Bedarf, und bald auch zur Unterbringung derselben in gute Werkstätten. So treiben die guten Saaten immer neue Schößlinge. Schon im Jahre 1820 batte man es dahin gebracht, die Anstalt zu einer Bürger- und Realschule zu erheben, und schon damals bildeten sie mehrere Jünglinge zu Lebensberufen aus, die bisher den Israeliten fremd geblieben waren. 1830 erhielt die Schule ein neues Haus, und einen Zuwachs an Capital, und seit dem blühet sie immer kräftiger. Sie zählt in diesem Jahre. 182 Schüler, welche von 10 Lehrern unterrichtet werden. — Musterhaft ist die dargethane Oekonomie der Verwaltung. — Außer dem materiellen Theile der Darstellung enthält aber diese Gelegenheitsschrift noch viele bcmerkenswerthen Ansichten und Erörterungen, welche hier nicht weiter mitgetheilt werden können. Wir verweisen daher auf dieSchrift selbst. Auch die angehängten Verse und Choräle verdienen besondere Beachtung. Ungarn. St. Nicolau, 29. Oct. 1841. — Als ein erhebendes Beispiel, wie man selbst in den kleinern und minder gebildeten Comitaten der Gesetzgebung auf der Bahn der Gerechtigkeit und Humanität voreilt, verdient die Ernennung eines jüdischen eben nicht ausgezeichneten Arztes

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