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Israelitische Annalen · 1841-11-26 · Heft 48 (26.11.1841) · p. Seite 381

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 48 (26.11.1841)
Date
1841-11-26
Page
Seite 381 (sequence 5)
Language
German
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381 gung sieht, und am Wenigsten für seine Familie einen beglückenden Weg wahrnimmt, daher durch jede plötzliche Anregung zur Rückkehr sich aufgcfordert fühlte. Allein es wäre sehr übereilt,.behaupten zu wollen, daß alle die Israeliten, welche mehr oder minder die Verbindlichkeit der mosaisch -rhalmudischen Gesetze in Frage stellen, deßhalb so materiell denken, daß sie erst hie und da auf „Seele, Geist, Psyche" (S.9) stoßen müssen, und an ein höheres j ideelles Leben gar nicht glauben. Wir möchten mindestens mit Bestimmtheit behaupten, daß durchschnittlich bei den wissenschaftlich gebildeten Israeliten weit mehr Wärme des Glaubens, freilich geläutert von allen der Narur widersprechenden Bildern und Vorstellungen, und daher auch weit kräftigere und festere Sittlichkeit der Lcbensansicht anzurreffen sei. (Fortsetzung folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Oberschlesien, 5. Nov. 1841. — Als ein erfreulicher Beweis wie sehr auch Oberschlesien schon — wirkungsloser Rabbinatsverwaltungcn überdrüssig — der fortschreitenden Entwickelung sich nähert, kann gewiß die Aufnahme des Herxn Dr. Meisel als Oberlehrer und Prediger in der israelitischen Gemeinde zu Glciwitz gelten. Herr Dr. Meiscl, ein geborner Hamburger, hat seine Studien in Breslau vollendet und in Kiel promovirt. Der Erlangung seines Skaalsbürgerrechts dürfte schwerlich ein Hinderniß im Wege stehen, da die geringe Oppositionsparthei, die dieser mit löblicher Energie gethane Schritt erweckt, in Erwägung der orthodoxen Gesinnungen desselben ihre eigensüchtigen Ansichten dem Nothwendigen und Nützlichen bald opfern wird. Möge sein Wirken recht erfolgreich den allgemeinen Erwartungen entsprechen, damit auch bald andere Gemeinden Oberschlesiens diesem Beispiele folgen. I. in M. Hamburg, 3. November. Feier der 25jährigen Dauer der Freischule. (Schluß). — Der Correspondent drückt sich folgendermaßen aus: Hamburg, den 1. November 1841. Gestern wurde in Gegenwart der Honoratioren unserer Stadt und eines sehr zahlreich gewählten Publikums das 25jährige Jubiläum der hiesigen Israelitisch enFreischule auf eine herzerhebende Weise gefeiert, einer Anstalt, die sich theils wegen des lobenswcrthen Zwecks, theils wegen ungewöhnlich segensreicher Erfolge längst die allgemeine Theilnahme erworben hat. Einen besonder» Reiz gaben der Feier die gelungenen musikalischen Aufführungen, um welche sich die ersten Künstler und ausgezeichneten Dilettanten, im Verein mit einem trefflich besetzten Orchester (unter Leitung des Herrn Julius Selig mann), verdient machten. In diesem jungen Künstler haben wir einen sehr talentvollen Componisten kennen gelernt, dem die durch Melodieenfülle, Kraft und Wohllaut ausgezeichnete allgemein ansprechende Cantate zur hohen Ehre gereicht. Nach Aufführung der Motette von Schicht: „Groß ist der Herr," sprach zunächst Hr. Kley herrliche, begeisterte Worte, von Herzen kommend und zu Aller Herzen dringend. Er betrachtete den Tag als ein frohes Erntefest, belohnend für treue Aussaat und liebende Pflege; Menschen bilden sei der höchste, edelste Beruf, das Höchste, was der Mensch dem Menschen bieten könne, das Schwerste und Belohnendste zugleich. Sodann ging der Redner auf moderne Zeiterscheinungen über; unsere Zeit sei eine materielle, und eben deßwegen eine unzufriedene, mehr als irgend eine Zeit vorher; Gold und Reichthum würden aber wahrlich jenes goldene Zeitalter, das uns die Dichter des Alterthums so reizend schilderten, nimmer zurückführen können; im Herzen rein, im Geiste hell, in Thätigkeit des SegensQuell, das waren die goldnen Worte, die der geistvolle Redner auf herrliche Weise ausführte, und woran er heilsame Betrachtungen und Ermunterungen knüpfte. Darauf folgte der erste Theil der eben so schön componirten, wie executirten Fest-Cantate. Hr. Dr. Wolffson (der als ehemaliger Schüler der Anstalt sprach), hielt den Tag nicht allein aus dem Grund für wichtig und bedeutungsvoll, weil die segensreiche Schul- Anstalt ihr fünfundzwanzigjähriges Bestehen feiere, sondern noch mehr, weil von der Zeit ihrer Gründung an eine allgemeine geistige Erhebung in Israel datire. Wir lebten in einer kampfesheißen Zeit, in der die Schwerter des Gedankens auf einander blitzten; die Hoffnung und den Wunsch sprach der Redner aber kräftig aus, daß bei der künftigen Feier, nach einem halben Lustrum (? Sueeulum) die Juden sich einer Stellung in der bürgerlichen Gemeinschaft zu erfreuen haben möchten, wie eine solche nun einmal unsere Zeit und die hohe Stufe unserer Bildung unbedingt erfordert. Schließlich setzte Hr. Dr. Hahn in einleuchtender Weise auseinander, was zu einer so allgemeinen, öffentlichen Feier berechtigen könne; er verglich die frühere bürgerliche Stellung der Israeliten, wie sie noch vor einigen 20 Jahren war, mit dem jetzigen Standpunkte, der namentlich durch Schulen und Geistesbilbung gewonnen wäre, sprach Worte des Dankes an die hochherzigen Erhalter und Beförderer der Anstalt, und fügte Wünsche und Hoffnungen für das fernere segensvolle Gedeihen derselben hinzu, für deren Verwirklichung gewiß Jeder nach dem Maße, das ihm von Gott verliehen ist, mit Freuden beitragen wird. Weber's herrliche Jubel-Ouvertüre schloß die schöne Feier. „Möge die gegenwärtige Stiftungsfeier," sagt Herr Dr. Kley in der bei dieser Gelegenheit erschienenen „Geschichtlichen Darstellung der israelitischen Freischule," die über alles Einzelne genaue Mittheilungen enthält, „die freudige Veranlassung werden, der beginnenden Zukunft den dunklen Weg zu erhellen und zu ebnen; möge die nächste Zukunft schon das erfüllen, was der selige Stifter gehofft, die Begründer bezweckt und so viele edle Adgeschre-

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