Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 48 (26.11.1841)
- Date
- 1841-11-26
- Page
- Seite 379 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133923--1400-3135645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
379 selben schon der Umstand, daß sie den dritten Theil der ganzen Mischnah ausmachen. Das haben wir wohl den Pharisäern zu verdanken; aber waren diese nicht die Lehrer und Führer des Volkes, das ihnen mit Leib und Seele anhing? Wo zeigt sich auch nur eine Spur, daß sie gegen die allgemein „herrschenden Ansichten den Opferdienst stützten und beibehielten?" Da hätten wohl die Sadducäer zuerst sich dagegen erklären müssen! Allein weit davon entfernt, stritten sie auf's heftigste über manche Einzelnhciten im Ritus, z. B. ob das Räucherwerk am Versöhnungstage außer- oder innerhalb des Allerheiligsten auf die Glut gelegt werden soll. Selbst in dem hartnäckigen Partheikampfe zwischen Hyrkan (und den Pharisäern) und Ariftobul (und den Sadducäern) wurden die täglichen Opfer nicht ausgesetzt und zahlte die eingeschlossene sadducäische Parthei den Belagerern schweres Geld für die gelieferten Opferthiere (Gem. Sotah Ende). Alles zeigt im Gegentheil, daß er eher an Gewicht gewonnen als verloren. Nichtsdestoweniger ist es ausgemacht, daß die Opfer in unsrer Zeit ihre ursprüngliche Bedeutung und Wirksamkeit nimmermehr erlangen könnten, und reichen die Aeußerungen der Propheten und Psalmiftcn vollkommen hin, uns das Jammern über den Verlust derselben, wie wenn unser Heil dabei wesentlich betheiligt wäre, als unstatthaft erkennen zu lassen. Jedenfalls fehlen uns die Bedingungen, von welchen sie im Gesetze abhängig gemacht werden, und können wir mit vollem Rechte dem frommen Sänger nachbeten: „Du, o Gott, verlangst nicht Opfer, daß ich sie gebe, Brandftücke begehrst du nicht." Näher noch lag ohne Zweifel die Ergießung des frommen Herzens durch Geber, und mußte sich wohl von selbst allen empfehlen, die nur einigermaßen nörhigc Gotteserkenntniß hatten, nur daß den in sich concentrirtern, lebhafter fühlenden Menschen der Urwelt bloße Worte als Ausdruck der Anbetung und Hingebung nicht genügten. Gebet war mit jedem Opfer verbunden, darunter begriffen, gewissermaßen die Seele desselben, wenn dies auch weder überall angegeben, noch im Gesetze verordnet wird.' Letzteres ging schondeßhalb nicht füglich an, weil sich Andacht nicht gebieten läßt, und diese damals ganz formlos und frei, ein wahrer Gottesdienst im Herzen 2b2 miay war, wie unsere Alten sagen. (Nur bei'm eigentlichen Sündopfer wird ein Sündenbekenntniß vorgeschrieben, dem natürlich die Bitte um Verzeihung sich anschloß). Jeder Altar war zugleich Gebetftätte, wie die Schrift von Abraham und den andern Erzvätern so oft berichtet: „Er baute einen Altar und rief an den Namen des Ewigen" (1. Mos. 12, 8. 13, 4. 21, 38. 26, 25 daß auf diesen Altären auch geopfert wurde, erhellt aus 46, 1) um so mehr der Tempel, das israelitische Nationalheiligthum, die Sammelstätte der Frommen. Den sprechendsten Beweis dafür liefert uns Salomo's Gebet bei der Einweihung des Tempels (1. Kön. 8) wo er nur um Erhörung der Gebete flehet, die der Einzelne und die Gesammthcit, der Israelit oder Ausländer daselbst verrichten werden, ohne der Opfer zu erwähnen, denen doch dieser König, der viele Tausende derselben brachte, gewiß nichts weniger als abgeneigt war. (Schluß folgt.) Das „Bekenntnis des Proselyten" > vom! diesseitigen Standpunkt aus gewürdigt. (Fortsetzung.) Doch wir gehen zu dem Inhalte der Schrift, die mehr einem dunkeln Jdeengang als einer klaren j Disposition folgt, und überhaupt sich über ihre Ord-! nung nicht ausspricht, indem sie die Abschnitte lej diglich mit Ziffern bezeichnet. Aus diesen berrachj rcn wir nur die, welche uns angehen. I und II | schildert die Gemüthsunruhe eines Mannes, der j durch höhere Wissenschaft von der Bibel abgezogen, j gegen diese indifferent geworden, sich sein eigenes [ ungenügendes System baut, und plötzlich zur Bibel > zurückkehrt und von Zweifeln ergriffen wird. Dinge,! die alle Tage Vorkommen, und meistentheils zum Vortheil der heil. Schrift sich lösen. Aber so wie hier? Das möchte doch schwer zu behaupten sein. Derselbe Mann nämlich las behufs einer medicinischen Abhandlung die Stellen des Leviticus nach, wo einige Hauptkrankheiten beschrieben sind; Da ward er zunächst überrascht von der Kürze, Gediegenheit, und Bündigkeit des Ausdrucks gegen die wissenschaftliche Breite der Medicincr gehalten. Dies hat ihn veranlaßt, mehr zu lesen, und es regten sich Dabei mächtige Ahnungen. „Die vorgefaßte Meinung von 48*