Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 48 (26.11.1841)
- Date
- 1841-11-26
- Page
- Seite 378 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Rationalismus nicht zusagte, als äußerlich Angefügres erscheinen und seine ganze Ausgleichung eine rein äußerliche bleiben mußte. — Die Opfer waren, der heiligen Urkunde zufolge, nichts weniger als eine dem an heidnischen Cultus gewöhnten Volke gemachte Concession, sondern eine natürliche Manifestation des religiösen Gefühles bei den ersten Menschen 1. Mos. 4, 3. 4. 8, 80 eine (symbolisch ausgedrückte) faktische Gottesverehrung, die im Alterthume der Religion der Wahrheit so wenig fehlen dürfte, wie irgend einer andern. Eben darum mußte dieser Cultus eine bis in's Einzelne bestimmte, scharf ausgeprägte Form erhalten und konnte nichts der Willkühr überlassen bleiben, wenn verhütet werden sollte, daß nicht dadurch antijüdische Ideen ausgedrückt und dem Aberglauben Schutz und Nahrung geboten würden. In so fern hatten die heidnischen Gewohnheiten des aus Aegypten befreiten Volkes allerdings Einfluß auf die göttliche Gesetzgebung, jedoch nur in negativer Beziehung (vgl. 3. Mos. 17,7.)») Der Mosaismus legt aber dem Opfern einen hohen positiven Werth bei, gegen den die Propheten sich keineswegs aussprechen, wenn sie erklären, daß solche nicht die Frömmigkeit selbst ersetzen, nicht das sind, was der Heilige Israels eigentlich fordert. Noch weniger läßt sich dies folgern aus ihren scharfen Rügen der heuchlerischen Opfcrgaben, rargebracht, um Gott gleichsam zu bestechen und einem sündhaften Leben Schutz zu verschaffen; denn auf diese Weise müßte Jesajah auch das Beten für überflüssig gehalten haben, weil er so heftig loszieht gegen diejenigen, die mit dem Munde vor Gott hintreten und mit den Lippen ihn verehren. (Jes. 89, 13). Leichter ist das Gegentheil darzuthun. Samuel, der Gründer der Propheten-Schulen, der Meister aller gottbegeifterten Redner und Dichter, der den Ausspruch gerhan: „Gehorsam ist besser als Opfer" (Sam. 15, 38) brachte deren nichtsdestoweniger dar bei jeder feierlichen Gelegenheit (das. 7, 9. 9, 13. 10, 8. 13, 9, 10. 16, 5). Eliahu, der eifrigste und gefeiertste unter den *) Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit auf das vortreffliche Werk des gelehrten Hrn. vr. Bähr: „Symbolik des mosaischen Cultus," Heidelberg 1837 und 1839 hinzuweisen, das jüdischer Seits zu wenig beachtet worben scheint. Gottesmannern, stellte im siegreichen Kampfe mit den Baalspfaffen den niedergcrissenen Altar des Ewigen wieder her und opferte auf demselben (I.Kön. 18, 30—39). Mal achi, der letzte der Propheten, der die höhere Aufgabe der Priester so trefflich schildert (8, 5 — 7), hält ihnen dessen ungeachtet eine harte Strafpredigt, wegen der Gleichgültigkeit, mit der sie die Opfer behandeln, und verkündet eine Zeit, wo die Söhne Levi's, gereinigt und geläutert, Opfergaben dem Ewigen darbringen werden in Frömmigkeit, und diesem die Opfer Judas und Jerusalems wieder angenehm sein werden (das. 3, 3. 4). Jecheskeel's weitläufige Cultusanordnungen wollen wir nicht in die Wage legen, da er zum Priester ft am me gehörte; aber derselbe Psalmift, der vor Gott spricht: „Du verlangst nicht Schlachtopfer" (Ps. 51, 18) schließt mit den Worten: ,,Dann wirft du Gefallen haben an Schlachtopfern der Gerechtigkeit, Brand- und Ganzopfern." *) Und die andern Männer des Geistes sollten sich zu der entgegengesetzten Ansicht bekannt haben? — Doch aus Jesajah und Jirmejah selbst, auf die man sich vorzüglich beruft, laßt sich dies zur Genüge widerlegen, da die Prophezeiung von der Erbauung eines Altars in Aegypten, wo dem Ewigen, in Folge der Verbreitung seiner Erkenntniß geopfert werden wird (Jesaias 19, 19—31), so wie die von den Schaafen Kcders und den Widdern Nebajoth's (in der herrlichen Schilderung der Restauration Israels das. 60, 6), die den Altar des Herrn besteigen sollen, und noch mehr die Verheißung reichlicher Zufuhr von Opfern jeder Gattung aus allen Gegenden des Landes (Jerem. 17, 36) und daß cs den Priestern (nach der Erlösung) nie an Nachkommen fehlen soll, die Brand- und Speiseopfer darbringcn (das. 33, 18) deutlich zeugen, daß diesem Propheten die blutigen Opfer allerdings ein wesentliches Moment der Gottesverchrung bildeten. In welch hohem Ansehen die Opfer- und Reinigungsgesctze in der spatern Zeit des zweiten Tempels standen (trotz den sich mehrenden Synagogen, die ursprünglich nicht zu gottesdienstlichen Zwecken, sondern zur Belehrung des Volkes vermittelst öffentlicher Vorlesung und Erklärung des Gesetzes errichtet wurden) beweist außer der ganzen Geschichte des- *') Was freilich von der nachexilischen Abfassung zeugt. Siehe Lerew Chemed IV. D. 20.