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Israelitische Annalen · 1841-11-19 · Heft 47 (19.11.1841) · p. Seite 372

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 47 (19.11.1841)
Date
1841-11-19
Page
Seite 372 (sequence 4)
Language
German
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372 Erleichterung, namentlich von manchen Jnquisitional- Vexationen zu bitten. Die Abgeordneten wurden sehr huldvoll ausgenommen und ihre Bittschrift durch den Herrn Delegaten von Ancona dem heiligen Vater überreicht. Man ist auf den Erfolg gespannt, hofft aber viel von der Gnade des Pabftes. Es bedürfte einer bedeutenden Modification in den Gesetzen, die in den Provinzial-Städtcn von der Inquisition mit weniger Schonung gehandhabt werden, als in der Hauptstadt, wenn die Gemeinde sich erholen sollte, von den starken Verlusten, die sic seit dem Regierungsantritt Leo's XII. durch Auswanderung der wohlhabenden Familien erlitten. Das Drückendste in den jüdischen Verhältnissen ist wohl die stete Furcht, in der die Eltern schweben müssen, ihre Kinder könnten durch den wohlwollenden Eifer eines Domestiken getauft und ihnen früher oder später von der Inquisition entzogen werden. Welche empörende Ungerechtigkeiten damit unterlaufen, möge ein Beispiel zeigen, das noch unter Leo XII. vorgekommen. Benedetto Costantini, ein noch jetzt lebender angesehner Banquier in Ancona, hatte eine verwaiste Nichte in seinem Hause, der er eine sehr gute Erziehung geben ließ, und die er mit väterlicher Liebe und Zärtlichkeit behandelte. Als das Mädchen etwa 17 Jahre alt war, berichtete ihre Amme auf dem Sterbebette, daß sie einst ihren jüdischen Säugling getauft. Dies wurde sogleich vom Beichtvater der Inquisition angezeigt, und die Jungfrau noch denselben Abend abgeholt. 36 Tage, unter welcher Zeit keiner ihrer Angehörigen zu ihr gelassen wurde, wies sie standhaft alles Zureden, alle Ermahnungen und Drohungen zurück; am 37. Tage gab sie endlich nach, und erklärte sich bereit zur christlichen Religion überzutreten. (Es wurde dann ein Büchlein verbreitet, worin es hieß, sie habe im Traume eine Vision gehabt und in Folge derselben das Chriftenrhum angenommen). Noch als fic. auf der Inquisition war, wurden nicht nur all ihre Keidungsstücke, sondern auch ihr Schmuck, ihr Clavier, jedes Stück Möbel, das sic durch die Güte ihres Onkels benutzt, dahin gebracht, damit sie durch den Uebertrirr nichts verliere, und als sie sich endlich firr's Christenthum erklärte, mußte ihr dieser, nebst ihrem väterlichen Erbtheil, noch viertausend Scudi von seinem Vermögen zur Aussteuer geben. In einem traulichen Herzensergüsse haue er nämlich einst zu seiner Nichrc gesagt: „Wenn du ferner so brav bleibst und ich dir einen Bräutigam finde nach meinem Wunsche, so bekommst du von mir eben so viel als dein väterliches Erbe beträgt." Dies hatte sie nur als Beweis von der Zärtlichkeit ihres Onkels erzählt, als ihr zugcreder wurde, den Glauben und das Haus, worin sie erzogen worden, zu verlassen, und er mußte die Summe erlegen, so heftig er auch dagegen proteftirte und sich sträubte. Welche Erbitterung ein solches Verfahren erzeugen muß, läßt sich leicht denken. Dieselbe Familie Costanrini besitzt einen ansehnlichen Pallaft, der auf der einen Seite an's Ghetto stößt, Fa?ade und Eingang aber in einer andern Straße und zwar einer Kirche gegenüber hat. Als Leo XU. die Inquisition wieder einsetzte, mußte das Thor zugemaucrt und durch ein enges Winkelgäßchen ein Eingang eröffnet werden. Bei'm Ausbruch der Revolution von 1831 wurde dieses Thor wieder durchbrochen, welches die Inquisition seitdem wieder versperren wollte, ohne es jedoch durchsetzen zu können. Z e i t u n g s rr rr fu g. Zn der Dorfzeitung, welche zu Hildburghausen erscheint, wird unter der Rubrik Privatbekanntmachungen Anfangs dieses Monats, datirt Coburg 27. Sept. ein Histörchen dargestellt, welches sich in dem Baierischen Gränzstädtchen Lichtenfels zugetragen haben soll, und einen Damascenischen Auftritt darbietet. Wir wundern uns nicht wenig über die seltsame Unbefangenheit der Dorfzeitung, einem so elenden, seine innere Wahrhaftigkeit und die Thatsache selbst, die bisher weiter niemanden bekannt ist, verdächtigenden Artikel aufzunehmen, ohne zuvor einen Bericht von irgend einer Untersuchungsbehörde abzuwarten, ja ohne einmal anzuzeigen, waS die Criminalbehörde in Folge der angeblichen Mordversuche und nachträglichen Aufläufe nnd Beeinträchtigungen gelhan habe. Derartige Aufsätze sind augenscheinlich keine sogenannten Privatdekanntmachungen, und die Einrückung desselben in diese Rubrik zeugt nur von dem Wunsche der Redaclion, die ganze Verantwortung auf den Verfasser zu werfen, der sie auch gewiß zu übernehmen hat. Allein dessenungeachtet verdient dessen Aufnahme an der Dvrfzeitung gerügt zu werden, da der so dahin gestellte Inhalt den Wahn des Volkes beschleicht, und dasselbe offenbar zu fanatisiren beabsichtigt. — Von der Sache selbst haben wir, trotz aller Erkundigungen, nichts erfahren können. Wir wünschten' über die Quelle des berührten Artikels Aufschluß zu erlangen, und würden ihn durch die Annalen veröffentlichen.

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