Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 47 (19.11.1841)
- Date
- 1841-11-19
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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371 — und die Versicherung, daß sie, so lange er lebt, unbelästigt bleiben sollen. Auch in Rom ist es einigen gestattet worden, ihre Waarenniederlagen außerhalb der Judenftadt zu haben, und daselbst en gros zu verkaufen. — Vor einiger Zeit wurde vom Magistrate an die israelitische Gemeinde die Forderung gestellt, die seit vielen Jahren rückständige Steuer Monte-Citorio zu entrichten, wohin dieselbe nach einem alten Gesetze 1800 Scudi jährlich zu zahlen Hanen. Da diese Steuer jedoch seit der Revolution von 1831 nicht bezahlt worden war, glaubte die Gemeinde zu Rom das Recht erhalten zu haben, von derselben befreit zu bleiben, und verweigerte die Zahlung. Jene Behörde wandte sich nun an das höchste Tribunal, genannt la Ruota, welches die - Gemeinde zur Zahlung der Steuer verurrheilte. Der israelitische Vorstand, in die Enge getrieben, begab sich zum heiligen Vater und flehete ihn um seinen Schutz an, und dieser erklärte ohne weiteres, daß die israelitische Gemeinde dieser Steuer enthoben sei, und weder die rückständigen Summen zu zahlen habe, noch in Zukunft mit einer Forderung unter diesem Titel behelligt werden soll. — Ein gewisser Allät r i, Mitglied des Gemeinde - Vorstands, ein junger, talentvoller und feingebilderer Mann, wird oft zur Audienz bei'm heiligen Vater vorgelassen, der zu wiederholten Malen geruhet har, ihm sein Wohlwollen für seine jüdischen Unierthanen in den gnädigsten Ausdrücken zu erkennen zu geben. — Die Israeliten in Rom wissen sich aber auch klug, anständig, bescheiden — man darf sagen dcmüthig, ohne ihrer Ehre zu nahe zu treten, da ihre Lage es erfordert — zu^benchmen, und die Gemeinde daselbst ist überhaupt eine der würdigsten, hoch hervorragend über die andern des Kirchenstaates. Sie zählt ungefähr 4500 Seelen und hat drei große Synagogen, zwei nach italischem und eine nach scfardischem Ritus, nebst vier Jeschiwoth oder Thalmud-Schulen, wo ebenfalls regelmäßig Gottesdienst gehalten wird. Reformatorische Bestrebungen der Neuzeit im Schul- und Synagogenwesen darf man da nicht suchen bei Leuten, die von der neuern europäischen Bildung kaum berührt worden, die alte Richtung ist noch durchweg vorherrschend, aber auch die alte Sitteneinfalt und ungeheuchelte Gottesfurcht. Auch in Ancona, Sinigaglia und anderswo im Kirchenstaate stehet noch das Thalmud-Studium als gottgefällige Uebung in j hohem Ansehen, werden jeden Morgen vor Tagesj anbruch die Frommen zur Andacht (ipz^ üncviso I geweckt, wird von den Parnassim auf öffentliche jj Sabbathfeier mit Strenge gehalten :c.; aber nichts Ij desto weniger giebt es da Leute, die freier denken,!! und wenigstens privatim freier leben, was, wo ächte! Bildung fehlt (und zu dieser ist im Allgemeinen; der Weg versperrt, obwohl Einzelne ihre Söhne an > toscanischen Lehranstalten ftudiren lassen) nimmer- > mehr ein Fortschritt zu nennen ist. Eben so wenig! möchten diejenigen, die mit ihnen im Geschäftsver-! kehr stehen, der Mehrzahl (?) das Zeugniß strenger! Rechtlichkeit geben, die freilich bei'm italienischen >! Volke überhaupt nicht ganz zu Hause ist. Diese Ge-; meinden werden überdies häufig durch Nichtswürdige; aus ihrer Mitte belästigt, so daß sie nicht immer nach außen eine durch Eintracht und innere Festigkeit respectable Gesammrhcit rarstellen. Die in Rom ansäßigen Israeliten hingegen sind noch unverderbt und durch ächte Frömmigkeit und Redlichkeit ausgezeichnet. Selbst diejenigen, die mehr ■ Wcltbildung und Zutritt zu den Vornehmen haben, j und deshalb für freidenkender gelten, würden nicht! leicht auf Reisen ein Gebot des rabbinischen Juden-! thums übertreten. Es giebt unter ihnen allerdings! viele Arme, die sich aber zu allerlei Arbeiten brau-! chen lassen, die Mittelklasse ist thätig und solid, und! die Reichen (von denen manche ein bedeutendes Ver- ' mögen besitzen, wie z. B. Cave und Bondi) ganz i den Ihrigen lebend, sind wohlthätig und voll Ge- : mcinsinn. Die Angestellten, als drei Rabbiner, ein > Gcmcindcsecretar (Scala, ein sehr tüchtiger Mann) | u. s. w. sind daher gut besoldet. Vorzüglich rühmenswerth aber ist es, daß sie treu zusammen halj ten, und sich sehr hüten, eine Blöße zu geben, die > ihnen bei ihrer Stellung verderblich sein könnte.? So sind, um ein Beispiel anzuführen, Anfangs diel ses für die Handelswelt so kritischen Jahres einige j Häuser in Zahlungsverlegenheit gerathen, wobei der Ghetto selbst mit namhaften Summen betheiligt war, aber die eigenen Gläubiger haben ihnen aufgeholj fen, um zu verhindern, daß die Sache nicht bei j den Tribunalen anhängig gemacht werde. Bei der Anwesenheit des Pabstes in Ancona im verflossenen September hat die dortige Gemeinde diese in Jahrhunderten nicht vorkommende Gelegenheit benutzt, ihrem Souverain durch zwei Deputirte j ihre untertänige Aufwartung zu machen, und um 47*