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Israelitische Annalen · 1841-11-12 · Heft 46 (12.11.1841) · p. Seite 362

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 46 (12.11.1841)
Date
1841-11-12
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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362 Der Fremde, getrieben von dem Interesse, welches j er daran nimmt, die Kapelle, wo einst jener alte bekannte Raschi seine Lehren verkündete, gesehen zu haben, will auch Zeugniß davon geben und setzt! seinen Namen auf die Wände, welche ihm hier als! umfassendes und denkwürdiges Stammbuch werden, l daher noch die sich unserm Blicke bietenden unzähligen Namen an den Mauern. Wir wenden nun unsere Schritte nach dem innern Raum des Heiligthums. Der Eingang desselben ist mit kleinen in den Steinen gehauenen Säulen geziert, und führt vier Stufen hinab nach dem Thema Ps. 130: „Aus der Tiefe rufe ich, Gott, zu dir!" Auf seinen beiden ■ Seiten befindet sich eine in Stein gehauene Almo-! senbüchse; nach dem Sinne, „die Gerechtigkeit gehe! dir voran." Bei dem Eintritt in dasselbe leuchten uns zwei brennende Lichter entgegen, welche zur Überschrift „stets brennende Lichter der zwei Fremdlinge" haben; diese leuchten dem Andenken zweier Märtyrer, welche der Erhaltung der Gemeinde ihr irdisches j Leben zum Opfer brachten. So lautet die Sage. I In jener finstern Zeit des Mittelalters, wo! der Aberglaube alle edlen Regungen des menschli-! chen Herzens in Wuth und Grausamkeit verwandelte, wo Mitleid und Erbarmen gegen Andersglaubcnde fremde Namen waren, wo man das Grundprincipium der Religion verkannte', durchzog einst die Prozession alle Straßen der Stadt. Die Judengasse, welche von diesen ähnlichen Zügen stets unberücksichtigt blieb, sollte diesmal nicht ausgeschlossen bleiben. Die zahllose Menge, die überhaupt solchen religiösen Handlungen stets beiwohnt, hat diesem Zuge nicht gefehlt. Und kaum in der Judengasse angelangt, erhob sich eine Stimme, das Cruzifix wäre durch eine Besudelung entweiht worden. Da robte nun das Volk aus Religionseifer und angeborenem Hasse zu gleicher Zeit nach Rache. Mit Ungestüm verlangte man jenen Uebelthäter, um mit seinem Blute das entweihte Heiligthum zu versöhnen. Sieben Tage wurden der Gemeinde zur Aus-' lieferung jenes Heiligthumsschänders anbcraumt; und im Unterbleibungsfalle müßten alle — die ganze Gemeinde — es mit ihrem Blute bezahlen. Der anberaumte Tag, welcher zugleich der siebente Pesach- Tag war, kam heran und mit Schrecken und Zittern sah man seinen Folgen entgegen. Des Morgens, als der Synagogendiener, wie gewöhnlich, seine Gemeinde zur Schule rief, vernahm er an dem an der Judengasse befindlichen Thore (welches an jüdischen und christlichen Festtagen geschlossen sein mußte) ein heftiges Pochen; er fragte nach dessen Ursache, und jene Pochenden crwiederten, daß sie Juden waren und Einlaß begehrten. Hierauf fragte sie der Synagogendiener, woher sie heule, am heiligen Festtage, kämen, und wer sie seien? bedeutete ihnen aber zugleich das furchtbare Ungewitter, welches sich über das Haupt dieser unglücklichen Gemeinde heule noch entladen würde, wenn nicht die Kraft und der Schutz des göttlichen Willens hier ihre Einwirkung thun. — Wir wissen's, war die Antwort der Pochenden, wir wissen das unglückliche Verhängniß, das über euch beschlossen ist; jedoch um dies von euch abzuwenden, sind wir heute gekommen. Darauf wurden sie eingelassen, doch vergeblich blieben alle Nachforschungen ihres Herkommens, vergebens fragte man nach ihren Namen. Nicht lange dauerte es — da kam die tobende Menge herangeftürmt, um die furchtbare Rache zu vollziehen. Da traten jene zwei Fremdlinge ihnen mit dem Rufe entgegen: „besteckt nicht eure Hände mir unschuldigem Blute, denn wir waren es, welche diese Unthar begingen." Unter den nur erdenklichsten Schmerzen mußten sie ihr Leben enden. Seit jener Zeit sind diese zwei Lichter, die zu ihrem Angedenken brennen, vermöge ihrer steten Unterhaltung noch nicht erloschen und werden auch niemals erlöschen; als Sinnbild jener göttlichen Flamme, die in der Brust zweier Märtyrer wohnte, die für das Wohl einer fremden Gemeinde sich dem Tode weihten. Noch heute wird am 7. Pesach-Tag ein Se.elengcdächtniß für sie abgehalren. Der neue Israelitische Tempel zu Hamburg. Von Dr. S. Holdheim, Mecklenburg - Sckiwerin'schcui LandeSrabbiner. (Schluß.) Das sind ungefähr die Fragen, wie sie sich mir, von der Großartigkeit der Erscheinung überwältigt, aufdrangen. Ich gedenke, so Gott will, sie in ihre Arten und Gattungen zu ordnen, und zu ihrer Erledigung von meinem Standpunkte aus

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