Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 46 (12.11.1841)
- Date
- 1841-11-12
- Page
- Seite 361 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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12. November Nr° 46 1841 Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte» Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten unv Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rtklr. 3 —fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Alterthümer. Die Wormser Gemeinde, von Manbeimer. — Der neue israelitische Tempel zu Hamburg, von vr. S. Hold beim (Schluß). — Herzogthum Sachsen-Meiningen: Gesetzvorschläge. (Schluß). — Ueber M MenvelSsohnS sämmtlicke Werke. — Nachrichten und Corresponrcnzen: AuS Rußland; Oberingelheim (Rheinhessen) (Schluß). — Literatur: Engl. Bibelwerk. — Anzeigen. Alterthümer. Zur Geschichte der Wormser Gemeinde. Die Synag oge. *) Ehe wir noch die Schwelle des heiligen Tempels selbst betreten, müssen wir zuvor durch einen mit steinernen Bänken eingefaßten Vorhof schreiten. So unscheinbar diese Bänke uns auch begrüßen mögen, so haben sie doch ihre schöne und richtige Bedeutung. Hier sind nämlich alle Gemeindeglieder angewiesen, am heiligen Sabbat nach dem Gebete ihre Platze einzunehmen, um,, wenn einer unter ihnen ein Leidtragender ist, air^rjten Sabbat der ersten sieben Trauer-Tage ihre Trostsprüche demselben zuzuspr^^ßW-fo wie es von den Synagogcnvärern verordnet ist, (siehe Rabbenu Ascher Moed kaion Perek III. Siman 46.) Auf der rechten Seite dieses hier eben besprochenen Vorhofs findet sich eine Seitenthüre, welche *) Wir liefern hier eine Probe aus einem demnächst erscheinenden Werkchen: „Die Juden in Worms, ein Beitrag zur Geschichte der Juden in den Rheingegenden, von Moses Mannheimer;" einer recht interessanten Schrift, die wir allen Freunden dieser Geschichte empfehlen können. Es sind auch mehrere Urkunden dabei. zum Eingang einer sehr alterthümlichen Kapelle führt. Gehen wir ein durch dieselbe, so sehen wir einen kleinen runden Platz, umgeben von steinernen Banken, und in deren Mittelpunkt einen drei Stufen hohen Sitz, welcher mit dem Namen Raschi- Stuhl bezeichnet wird. Hier war der Orr, wo der vielberühmte Rabbi Salomo Jizchaki eine Zeitlang gelehrte und belehrende Vorträge hielt. Worms zeichnete sich damals durch eine ungewöhnliche Anzahl thalmudischer Gelehrten aus, und erzeugte einen Sinn für rabbinische Gelehrsamkeit, welcher die ganze Gemeinde beseelte. Noch zeigt man diesem Gebäude gegenüber eine i» einem Steine angebrachte k Aleph. Dahin verwies der strenge Lehrer seine Schüler und Zuhörer, wenn er sic seines Unterrichts nicht würdig fand, als zum ersten Buchstaben des Alphabets und somit Symbol des Wicderanfangens ihrer Studien. Jeder fromme Israelit har. eine ehrfurchtsvolle Scheu, sich auf diesen Stuhl zu setzen, von welchem herab der große Rabbi seine weisen Worte verkündete, jedoch nicht der ängstlichen Befangenheit wegen, von einer unsichtbaren Hand eine Ohrfeige zu bekommen, wenn er die Vermessenheit hätte, diesen Stuhl zu betreten, wie der Srockgläubige behauptet, sondern um nicht Uebertreter jenes Spruches zu werden: du sollst dich nicht auf deines Lehrers Stuhl setzen. (Schulch. Aruch. Jore Deah 142.16.)