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Israelitische Annalen · 1841-11-05 · Heft 45 (5.11.1841) · p. Seite 356

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 45 (5.11.1841)
Date
1841-11-05
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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356 pital um eilt Bedeutendes, wodurch viele Vorurtheile gegen dessen Benutzung verschwanden, und sich häufiger auch die Bemittelten bereit fanden, die Anstalt mit Geschenken und Legaten zu bedenken. Inzwischen trat bald (1790) die bessere politische Einrichtung ein, indem Friedrich Wilhelm II. den j: Willen darlegte, die Juden zu einer völligen Gleich-!i ftellung vorzubereiren. Den Anfang machte das Gesetz mit Einführung eines bestimmten Schutzes! für alle Nichtpriviligirte in Breslau, wobei jedoch! deren Zahl auf 160 Familien feftgestellt wurde, ohne! Zweifel auf Antrag der Juden selbst; Andere konn- ' ten nur Toleranz auf Lebenszeit erlangen. Wichti- \ ger war die Einführung der deutschen Sprache bei! allen Verhandlungen, und die Verbesserung des Unj terrichtswesens durch Errichtung der Köntgl. W i l-! Helms schule 1791. Bei Gelegenheit des die Ge- |! meindeverhältnisse ordnenden Edikts wird auch der Brüderschaft und ihrer Statuten und Leistungen > officiell Erwähnung gerhan, und es hatte dies großen! Einfluß auf ihr Gedeihen (S. 46 — 47) und auf innere! Verbesserungen (49), welche sich in Zusätzen zu den j' Statuten kund geben. Alles dies wird von Herrn De. Grätzer recht zweckmäßig ins Licht gestellt. j Dr. Warburg war zur Zeit prakricirender Arzt > an der Anstalt. Durch die Stiftung des Hofageni ten Daniel Kuh (1798) ward noch ein zweiter Arzt; besoldet, und der von ihm vorgeschlagene Dr. Henj schel angenommen, ein Mann, dessen Verdienste seitdem ihm die allgemeinste Hochachtung erwarben.; Mit Bedauern aber lieft man, daß bald darauf zwi-; schen der Gemeinde und der Brüderschaft, weil jene über diese kraft eines Regierungs -Reseripts eine i strengere Controle übernehmen wollte, sich ein mehr- ' jähriges Streit entspann, der durch Partheinahme mehrerer dem Dr Hen schel feindlichen Aerzte noch j lebhafter angefacht ward, und am Ende nur dadurch beigelegt wurde, daß die Brüderschaft theilweise nach-! gab, was den Kuh bewog, sowohl die ewa'hnte, als! noch eine beabsichtigte größere Stiftung zurückzuziehen! j — Uebrigens ward das Krankenhaus im Jahre 1806! durch das Bombardement fast zerstört, gewann aber! später durch die Abtragung der Wälle an Gesundjj heit der Lage.!i Das Edikt von 181? veränderte, wie in allen damaligen preußischen Staaten, so auch in Breslau, alle Verhältnisse. Das jüdische Hospital ward moralische Person, und erhielt sogar von Christen viele Vermächtnisse. Dr. Hen schel ward wieder angestellt, und bald auch Dr. Guttentag, auch letzterer erfreuet sich allgemeiner Anerkennung; nach Df. Warburg's Tode (1818) trat Df. H enschel der jüngere ein, während sein Vater in die erste Stelle rückte. Nach diesen mehr lokalen Angelegenheiten sehen wir den Wirkungskreis der Brüderschaft sich immer mehr erweitern, aus ihr einen ähnliche Zwecke verfolgenden Frauenverein hervorgehen, den Thei! derselben, welcher sich zur persönlichen Hülfsleiftung verpflichtet hatte, sich als besonder» Zweig constituiren, ferner ein zweites Krankenhaus erstehen, und aus allem diesem ergeben sich mancherlei neue Einrichtungen und gesteigerte Ausgaben. — Dieser Theil der Geschichte dürfte insbesondere alle diejenigen interesftren, welche ähnlichen Anstalten vorsiehen, indem die Erfahrungen sehr lehrreich sind. Besonders merkwürdig ist, wie sie den größten Theil ihres Vermögens (1817) in einem Fallissement zu verlieren bedroht war, und die Klugheit eines Mannes das meiste rettete. Gleich interessant sind die vorgelegten Rechnungen bis zum I. 1823, woraus sich eine Abnahme der Kräfte kund giebt. Im Jahr 1826 am 18. Juni feierte sie ihr hundertjähriges Jubiläum, welches eigentlich schon dem Jahr 1825 angehörte.*) Unterm 16ten hatte der König Seine Theilnahme an diesem Ereigniß durch ein gnädiges Cabinetsschreiben ausgedrückr. Die neuen Statuten, welche schon am 28ften Februar abgeschlossen waren, wurden nun angenommen und eingeführt. (Sie sind verfaßt von H. P. H e y m a n n, demselben, welcher obiges Capital rettete.) Dieselben erhielten unterm 2. Sept. 1832 die Königl. Bestätigung. Manche finanzielle Schwierigkeit und daraus entstandene Streitigkeit mußte noch gehoben werden, ehe man wieder in's Geleis kam. Seit 1832 aber ist vollkommene Eintracht hergestellt. Im Jahr 1837 starb einer der größten Wohllhärer der Anstalt, David Fränckel; sein Bruder *) Die hebräischen und deutschen Dank- und Lobgesänge zu dieser Feier sind meist von dem als philosophischen und theologischen Schriftsteller rühmlichst bekannten M. B. Friedenthal; (dieser hat auch das Motto zur zweite.» Auflage der Statuten' (1833). gegeben) sie sind besonders erschienen. Breslau 1836. 41 S. 8.

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