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Israelitische Annalen · 1841-11-05 · Heft 45 (5.11.1841) · p. Seite 355

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 45 (5.11.1841)
Date
1841-11-05
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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355 Gültigkeit des Bestehenden wenigstens von der Kanzel abweift; daß man im Allgemeinen wohl populäre Beweise für, aber nicht Zweifel gegen die ausschließende Geltung des nur historisch überlieferten Instituts in seiner ausgeprägten Gestalt und Form gern hören möchte, während die Wahrheit sich doch immer nur Tochter des Zweifels nennt; bedenkt man ferner, daß der Tempel nicht nur in den äussern, sondern auch in den innern Bedingungen seines Bestehens noch nicht auf fester und solider Basis, d. h. auf abgeschlossenen in der Gemeinde als solcher zum allgemeinen Bewußtsein ausgeprägten Prinzipien beruhet, daß er außer dem Gebet- und Gesangbuch und dem lebendigen Worte seiner Lehrer noch kein kanonisches Religionsbuch für's Volk, ja nicht einmal eines für seine Jugend besitzt, daß der Tempel also zur Bibel in dasselbe Verhältnis wie vor Abfassung der Mischna, d. h. vor der Niederschreibung der mündlichen Lehre zurückgekehrt sei, so erscheint dies Alles mehr geeignet, den Stand seiner Prediger zu erschweren als zu erleichtern. Was mir namentlich das Unheil über den Tempel erschwerte, sind die vielen Fragen, die bei dem lebhaften und entschieden wohlrhucnden Eindruck, den der feierliche und wahrhaft erhebende Gottesdienst auf mich machte, in mir angeregt wurden. Ich muß in 'Wahrheit bekennen, daß so lange ich diesem für mich neuen aber darum nicht minder wohlthätigen Eindrücke hingegeben war, jede Reflexion in mir ruhte, und erst dann erwachte, als der Eindruck von der Frage unterbrochen wurde: was ich über den Tempel denke? Es erging mir, wie einem, den freien Anblick des Himmels mit seiner wunderbaren Sternenprachr lange entbehrenden Menschen, der in den Zauberkreis einer schönen Frühlingsnatur hineinversetzt, in seiner stillen Feier von der Frage aufgestört wird: was er über diese schöne Natur wohl denke? Die Antwort: die Natur ist himmlisch, göttlich schön, erhebend, begeisternd, zur Andacht beflügelnd, genügt dem lästigen Fragstrellcr nicht. Er will durchaus wissen, wie Gott sich in dieser schönen Natur offenbare, nach welchen göttlichen Gesetzen die Natur fortwirke? Es genügt ihm nicht, Gorr in der Natur zu ahnen, zu fühlen, er will ihn durchaus in ihr begreifen. Und so erging es mir in Bezug auf den Tempel. Sein herrlicher Gottesdienst erschien mir als noch in weiter Ferne schwebendes Ideal alles dessen, wonach die aus tiefer Sehnsucht entspringenden Bestrebungen im Schooße des Judenthums hinzielen. Hintenher kam der Zweifel mit seinen unsanften Fragezeichen: Was ist der Tempel, was will und was soll er sein? Ist er eine jüdische Anstalt, oder eine Anstalt für Juden? Steht er im Judenthum, außer ihm, oder zwischen ihm und dem Chriftenthum? Hat er sich nach theoretischen Prinzipien mit theologischem Bewußtsein, oder nach populärer Einsicht und praktischem Bedürfniß conftituirt? Erkennt man sich selbst als Autorität, seine Begründer oder jetzigen Mitglieder als eine geistliche Synode an, oder bloß als das Resultat eigener Gewissensfreiheit? Trägt er in sich den Wunsch, die Hoffnung, die Synagoge in sich aufzunehmen, mir ihr sich zu verschmelzen, in ihr untcrzugehen, od§r ewig von ihr getrennt zu blei-! ben? Welche Stellung und welches Verhaltniß giebt ' er seinen Predigern zu sich selbst? Erkennt er sie i als Geistliche, als Priester, als Rabbiner an, oder betrachtet er sie als Organe? Haben sie außer dem Gottesdienste noch eine andere Beziehung I zur Gemeinde, und welche? Manifestirt der Tempel ' irgend eine theologische Ansicht über das jüdisch- ' religiöse Leben? Setzt er es voraus, negirt er es,; oder will er cs der eigenen Freiheit überlassen wis-! sen? Will er für immer in dieser Form und Weise j, verharren, oder laßt er in sich selbst Bewegung und Entwickelung zu? Welches Verhaltniß findet zwischen ihm und den sunagogalen Reformen anderer Gemeinden in und außer Deutschland statt? Betrach-!' tet er sie als Ausstrahlungen seines Lichtes, als annähernde Schritte, oder schwinden sie in ihrer i; ungeheueren Distanz in Nichts? (Schluß folgt.) Das Fränckel'sche Hospital in Breslau. (Eiugeweiht am 1. September 1841.) (Schluß.) In den achtziger Jahren findet sich bereits eine engere Verbindung der Brüderschaft mit dem Vorstande der Gemeinde, welchem der König noch besonders die Miraufsicht über die Kranken übertrug, und welcher auch einen jährlichen Zuschuß zahlte. Im Jahr 1786 erweiterte man das Hos- 45*

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