Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 44 (29.10.1841)
- Date
- 1841-10-29
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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351 überflüssig, aber auf ein solches möchten wir Hinweisen, welches darlhut, wie die Sänger des Mittelalters sich nicht scheueren, selbst schöne Btbelstellen zu Gunsten ihrer Reimerei so zu entstellen, daß sie sogar zu Blasphemien herabsinken. In Heidenheim's Ausgabe des Machsor zu liest man nElJQ lKD" 1D17« eine offenbare Gotteslästerung, während es Hiob 5, 13 OEnjJD ■ d. h. er fängt die Klugen mit ihrer eigenen List. — Tavelhaft ist in jenem Aufsätze die gar zu voreilige Aeußerung, cs seien alle heutigen Rabbiner nicht würdig, dem Baal Ha-Maor die Schuhncmen aufzulösen'. Kennt man etwa a11cY oder ist unsere Zeit unfähig, solche Radbinen auszubilden? St. N —u. B. M. Literatur. j Beiträge zur Kritik der Reformbeftrebungen in der! Synagoge vonJudaLeon (Pseudonym). Stutt- - gart 1841. 58 S. 8.! Der Verfasser dieser Broschüre (sein wahrer Name ist,! wie wir vernehmen, Herr Löwengard) zeigt einiges Ta-! lent und einige Belesenheit, wiewohl daschier als Inaugu-! ralversuch der Autorschaft hcrausgegebene, sowohl in Inhalt i als Form noch einige Reife hätte erwarten können. Was > er selbst als ein Verdienst betrachtet wissen will, daß er i nämlich absichtlich bei gewonnener Ruhe sogar die Person-! lichkeiten, die er in der ersten Aufregung nicdergeschriebcn, nicht habe tilgen wollen, damit der kleinen Piece das frische Colorit bliebe, können wir nicht als etwas Lobenswerthes bezeichnen. Welche Frische soll man denn in Besudelungen wahrnchmen? — Auch der ernste Humor, der sich angehenden Autoren gar sehr empfiehlt, und durch welchen sie zu unterhalten und anzuziehen meinen, ist in gegenwärtigem Thema durchaus am Unrechten Orte, und wird sicherlich niemanden gefallen. Da wo der Verf. Ernst macht, sind seine Gedanken oft klar, richtig und auch schön ausgedrückt. So die Schilderung der jetzt sich .kund gebenden Verlegenheiten, in welchen die Religion sich befindet, wenn sie positiv bleiben will j (S. 8 — 9). Dagegen folgen aphoristische Bemerkungen gej gen die neuern Philosophen und deren Religions- und resp. > Moralprincipien; alles mit einer gewaltsamen Flüchtigkeit, j als ob das alles mit einigen Federstrichen abgethan wäre, j Erst S. 10 kommt er, ohne bestimmten Zusammenhang, j wieder auf sein Thema, indem er einige allgemeine Sätze * aufstellt, um zu beweisen, daß die religiösen Formen nicht , dem Zcitgeiste weichen dürfen, sondern daß die Gebildeten! sich gedulden mögen, bis die Früchte gezeitigt seien. Dazu war aber die ganze Kritik über Hegel und Schleiermacher j völlig überflüssig. — Nach dieser sogenannten e rsten Abj theilung des Werkchens widmete der Vf. noch etwa 30 Sei-! tcn einer Kritik der V o r e r l n n e r u n g e n zu den in Stuttj gart erscheinenden Fest- und Kasual reden von Kirchen-! rath Dr. Maicr und vr. Salomon. Die hier beigefügten > Bemerkungen sind, gelinde ausgedrückt, nicht allein fast ganz ge-! haltlos, sondern auch größtentheils von sehr leichtfertiger Natur. Er nennt die Obigen, zu denen er noch Kley hinzufügt, die Heroen der Predigten und meint, überall sonst, werde nur Mittelmäßiges, und in der Folge gewiß noch Schlech-! tcrcs geleistet werden. Woher weiß das der Vf.? Erstlich! gieot es noch tüchtige eloquente Redner, die nichts durch j den Druck bekannt machen, zweitens sind noch gedruckte > kräftige Reden vorhanden, die der Verf. nicht zu kennen! scheint; drittens, wer will bestimmen, daß bereits der Cul-! minationspunkt erreicht sei? Wir möchten das nicht behaup- > ten, — es wäre sogar sehr niederschlagend! — Er meint! ferner, daß die Herausgeber jener Predigten mit Unrecht I hofften, der Religion apologetisch einen Dienst zu erweisen; keine Apologie sei überhaupt gegen Widersacher wirksam, die überall etwas zu mäkeln finden; ja sie zeigen bereits den ermatteten Geist in der Art, wie der Versöhnungstag behandelt wird. (Allerdings könnte manches anders sein, s. unsre Reccnsion in Nr. 50 v. I.) Nur an einem Punkte verweilt der Verf. mit Betrachtung der Prinzipien, und da will er nun den Satz geltend machen, daß aller Haß und alle Verfolgung ihren Grund in der Vernunftmäßigkeit der unbestreitbaren Dogmen der Juden gehabt haben und haben; baß demnach alle Reformbestrebungen nicht einmal nach außen hin sich einen Erfolg versprechen dürfen. Und demnach sei es angemessen, es lieber dabei zu belassen, daß der Religion zu ihrer Selbsterhalkung ihr Theil „Thorheit!!" verbleibe (31.) Das Zurückgehen auf die Bibel sei eben so unhaltbar, wie die verschmähten Quellen der Tradition, die, weil sich darin die wahren Elemente von den unachten nicht trennen lassen, so bleiben müsse, wie sie einmal ist. — Etwas Wahres liegt darin, auch ist dies bis zum Ueberdruß wiederholt worden, daß dem Rationalismus die Bibel eben so problematisch Vorkommen müsse, als die Trabitionsbücher. Allein es ist leider gewiß, daß die Tradition nicht im Stande ist, die Zweifel zu beschwichtigen, und eine Harmonie herzustellen, wo das Glaubenselement fehlt. Wo aber dieses vorhanden ist, kommt man doch wohl mit der Bibel und der mündlichen Tradition der Sitte, (also viele Faseleien der Kasuistik ausschließend) sehr gut durch. — Einige Bemerkungen über die Seichtheit der heutiges Tages öfters empfohlenen Wissenschaftlichkeit (40 — 41) erscheinen beherzigenswerlb; manche auch, betreffend die Unzulänglichkeit heutiger, flüchtig aufgestellter und unhaltbarer Dogmen (43.) Dagegen wird S. 44 ff. ein Langes und Breites über Denkfrcibcit geschwatzt, welches am besten beweist, daß der Vf. selbst ganz auf rationalistischem Boden steht, aber nur eigentlich zur Opposition einige Raketen gegen seinen eigenen Standpunkt wirft, so daß er sich beredet, das ganze Gebiet unpartheiisch beleuchtet zu haben. — Was noch folgt, ist ein wahres Gerümpel von Gedanken, polirten uud abgeschriebenen, — alles für den Druck nicht geeignet. Es ist wahrhaft bedauerlich, daß ein junger Schriftsteller, welcher Fähigkeit und Beruf hat, auch Kritik genug besitzt, um Andere zurecht zu weisen, sich entschließen konnte, eine so wild hingeworfcne launenhafte Arbeit in die Welt zu senden. Sie wird ibm bei weitem die Anerkennung nicht erwerben, die sein Talent verdient, und wir wünschen nichts ernstlicher, als daß er mit größerer Besonnenheit sich an wissenschaftliche Themata mache, und sie wohl gefeilt herausgebe, denn er hat augenscheinlich genügende Vorbereitung und Regsamkeit des Geistes zu gediegenen Leistungen. pDS 'THC (Nordische Blürbcn. Eine Sammlung hebräischer Aufsätze und Pocsieen von Russischen Hebräern.) Herausgegeben von E. L. Hurwitz und S. I. Pin. Willna 1841. 48 S. in 8. Dieses Heftchen verkündet sich als den Anfang einer Reihe von prosaischen und poetischen Aufsätzen und Gedichten, welche zur Unterhaltung und Belehrung dienen sollen. Die Kritik hat den Maßstab von der dortigen Kultur zu nehmen, und man darf sagen, daß unter den obwaltenden Umständen diese Blüthen einen ziemlichen Fortschritt derselben Nachweisen. Es fehlt nicht an Gewandtheit des Ausdrucks und an moralischem Streben, obwohl die Höhe der Wissenschaft und der poetische Aufschwung sich späterhin erst zeigen werden. Nach einem einleitenden vierstrophigen (11 zu je 4 Versen) Gedichtchen, in scherzhafter Art darlegend, daß mau cs nicht allen recht machen, könne, folgt, von M. A. Ginzburg ein prosaischer Aufsatz über das Iudenreich in Habesch, in Briefform, enthaltend als Einleitung die bekannten Berichte des Reisenden Bruce (deren Wahrheit längst bezweifelt ist). Dann folgt eine Ansicht über das Lied der Debora; dessen ersten Vers bereits die Alten für den bei jeder Strophe wiederholten Chor-Vers gehalten haben, nebst einigen Erklärungen des Inhaltes, — von Hirsch Katzenellenbogen. Hierauf ein Gedichtchen von A. B. Levensohn, über den Wechsel der Dinge; und einige Sinnverse. — M. Na-