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Israelitische Annalen · 1841-10-22 · Heft 43 (22.10.1841) · p. Seite 339

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 43 (22.10.1841)
Date
1841-10-22
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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339 Erft die letzten Decennien gestatteten der Wissenschaft eine regere Wirksamkeit, das Gebiet der Geschichte und der Kritik bedurfte und bedarf noch immer einer sorgfältigen Sichtung, die Theologie als solche, beginnt erst jetzt sich herauszubilden; wir stehen eben jetzt im Streben, Vieles ist bereits als glückliche Versuche anzusehen, noch weit mehr bleibt aber zu thun übrig. Die Ergebnisse der Zeit in Umlauf zu setzen, das ist der Zweck der Zeitschriften. Sie sollen der Welt darthun, wie die Bewegung -er Zeit den Geist zur Fortbewegung bestimmt hat, und allen, die daran Theil nehmen, das Bewußtsein davon geben, damit sie die Bewegung unterstützen; sie sollen aber auch nach außen hin den Wahn von stehenden Gebrechen zerstreuen, und selbst in denen, die allzuviel fürchteten, die Besorgnisse stillen und freudigere Hoffnungen wecken. In den Zeitschriften muß die allseirige Thätigkeit hervortreten, von allen Gegenden I her müssen die Funken sprühen und von Leben zeu- I gen, damit die Regsamkeit allein schon genüge, den || Vorwurf trägen Beharrens und Stagnirens von sich! zu weisen.! Als Vertretung der fortschreitenden geschichtli-! chcn Entwickelung, worin allein der dauernde Werth! einer solchen Zeitschrift bestehen kann, hat die Reij daktion derselben mannichfache Psiichren zu beobach- |! ten und Schwierigkeiten zu überwinden.! Nicht alles was geschieht, kann als Moment der Zeitgeschichte betrachtet werden, oder ist der Aufzeichnung und Bekanntmachung werth. Vieles j hat sogar einiges Interesse, aber nur augenblickli-! ches und örtliches, ohne irgend weitern Einfluß auf's Allgemeine. Hieraus ergiebt sich zunächst die Pflicht, j! das Material zu sichten, und nur diejenigen!? Mitrheilungen der Mit- und vielleicht auch der Nachli welk zu übergeben, welche zur Vertretung der Gei sammtheit und zur Bezeichnung der innern Bewegung > oder der äußern Impulse etwas beitragen. Die Erj füllung dieser Pflicht ist, wir gestehen es offen, nach! den gemachten Erfahrungen, mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden, und es ist fast unerläßlich, hierüber ein Wort öffentlich zu reden. Denn in vielen Fällen zeigt die Neuheit der israelitischen Zeitschriften im Allgemeinen, daß das Publicum noch nicht genugsam vorbereitet ist, um deren Leistungen zu würdigen oder die gerechten Ansprüche an dieselben zu machen. Wohl erscheint es bei'm ersten Blick erfreulich, wenn eine bisher weder erkannte, noch sich selbst kennende Genossenschaft, wie die der zcrstreueten Israeliten, aus dem Zustande der Gedrücktheit und des dumpfen Hinbrütens heraustritt, um alles, was ihr wichtig oder heilig ist, oder was sie richtig beurtheilt oder verbessert wünschen möchte oder sollte, offen und ohne Rückhalt zu besprechen; allein es ist natürlich, daß darunter bald vieles von völlig gleichgültiger Natur ausgeschieden werden muß, Anderes sich gar nicht für die öffentliche Verhandlung eignet, und ein bedeutender Theil von so lokaler und persönlicher Beschränktheit ist, daß dessen Verbreitung durch die Organe der Gesammtheit als ein Mißgriff und zugleich als lächerliche Eitelkeit derjenigen erscheinen muß, welche für solche Zwecke die öffentlichen Organe in Anspruch nehmen. Verhehlen wir es uns nicht, daß unsre Zeitschriften-Literatur noch immer in einer kindlichen Entfaltung begriffen, kaum umsichtig genug sein kann, um alle Fehler der Art zu vermeiden, aber Zeit ist es auf jeden Fall, sich darüber zu verständigen, und die Leser sowohl als die thätigen Mitarbeiter, denen bisweilen von ihrem besonder» Standpunkte aus die Sachen in einem andern Lichte sich darstellen, auf den ächten wahrhaft nützlichen Wirkungskreis der Zeitschriften aufmerksam zu machen, damit sie, als die eigentlichen Kräfte, durch welche das Organ für die Gesammtheit wirken kann, und denen die Redaktion nur als Mittelpunkt dient, auch ihrerseits es nicht an dem rechten Einflüsse fehlen lassen. Wie nöthig ein Verständniß über die Leistungen einer Zeitschrift sei, ersehen wir aus den noch immer gegen uns verlautenden Behauptungen, daß es besser sei, ohne Auswahl alles zu liefern, was die Zeit darbierer; so daß, hätten wir uns dieser Ansicht fügen wollen, unsere Annalen zu einem Sammelplatz für den Schutt aus allen Gemeinden, allenfalls auch zu einem Tummel- und Spielplatz für jugendliche Autoren und unerfahrene Anfänger herabgcsunken waren, auf denen man statt geschichtliche Entwickelung und würdige Vertretung nichts weiter Anziehendes fände, als bisweilen Privatkä'mpfe und Ausbrüche des Uebermuths oder gar ernstlicher Leidenschaft, was allerdings bisweilen die Schaulust der Unwissenden befriedigt, aber eine gänzliche Leere zurückläßt. Wir können uns niemals überzeugen, daß dergleichen Scenen, wenn auch die Masse sich herumdrängen 43*

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