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Israelitische Annalen · 1841-10-22 · Heft 43 (22.10.1841) · p. Seite 338

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 43 (22.10.1841)
Date
1841-10-22
Page
Seite 338 (sequence 2)
Language
German
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338 einzelnen Erscheinungen gelehrten Fleißes und tiefer Forschung den allgemeinen Bildungszuftand derselben darftellen können, indem sie nur Ausnahmen sind, auch im Ganzen nur schwache Theilnahme finden, je weniger der träge Zustand der innern Einrichtungen bereits der vorgerückten Bildung nachgefolgt ist, desto mehr bedurfte es der öffentlichen Zeitschriften-Organe, um das Ganze zu repräsentiren, durch sie die Gesammrzustände zu'der Übersicht zu bringen, und gleichzeitig zu erkennen zu geben, wie und was diejenigen, welche auf Bildung und Fortgang Einfluß haben, über dieselben denken, und wie sie diesen. Einfluß geltend machen. In beiden Beziehungen also sind die Zeitschriften wichtig und ein wahres Bedürfniß unsrer Zeit. Noch vor wenigen Decennien waren die Angelegenheiten der Israeliten ihnen selbst und noch mehr nach außen hin ein unentdecktes Land. Von Chinesen und Japanesen wußte man mehr zu sagen als von den inmitten der Christenheit wohnenden Israeliten. Der Staat und seine Beamten kannten dieselben nur von Seiten der Finanzen; die Geiftlichlichkeit wußte von ihnen höchstens nur aus dem neuen Testament oder kannte nur den, welcher jura stolae zahlte; der Gelehrte urtheilte über Juden nach Chrestomathien aus allerlei vergessenen Schriften; der Bürger bezeichnete mit dem Worte Jude einen Trödler oder Hausirer, wo nicht Schlimmeres; der Bauer kannte nur die schwarze Gestalt mit dem Barte. Die Humanität des vorigen Jahrhunderts weckte die Menschenrechte. Einst wird die Geschichte Erstaunen erregen, wenn sie erzählt, was für Reden geführt worden, um zu zeigen, daß die Israeliten auch Menschen seien, und was für Stimmen sich dagegen erhoben, und wie man in Deutschland über diese Frage ein halbes Jahrhundert disputirt hat, ohne zu einem bestimmten Resultat zu kommen. Die Humanität ist in Deutschland sehr groß; aber wenn sic thärig sein soll, bedarf sie starker Impulse. Was man ihr verdankt, das verdankt man zugleich der Geschichte Europa's. Als üe in Ueberlegung nahm, ob denn auch die seit einem Jahrtausend und darüber in den Staaten wohnenden und alle Pflichten leistenden Israeliten oder Juden zum Staate gehörten oder nicht, wagte sie selbst nicht zu entscheiden. Sie verhörte die Zeugen. Man wird es einst zur Ergötzlichkeit anführen, was für Meinungen und Ansichten aus dem Schooße Der kirchlichen Confessionen auftauchten, was dann wiederum die Wcltklugheit der Publicisten vorbrachte, was die ehrbaren Zünfte einwendeten und befürchteten, was die Gelehrten mit weise interpretirten Citaten darlegten, was die i Krämer mit gemeinnützigem Sinne im Interesse! des Handelsverkehrs berechneten, wie man Beispiele gewählt hat aus den Gefängnissen, aus Polizeibüchcrn, aus Anekdotensammlungen, aus Synagogen, aus jüdischen schöngeistigen Soireen, kurz alles, was im Scherz und Ernst hie und da sich darbot, aufraffte, um der Juden Unfähigkeit zu Kunst und Wissenschaft, Unzulässigkeit zu Ackerbau, Handwerk und Kriegesdienft, Gefährlichkeit in Staatsämtern oder im Handel, und höchst bedenkliche Nationalität, Antisocialität, Unwissenheit, Unverbesserlichkeit, Ungläubigkeit, Neuerungssucht, Arbeitscheu, Ungenügsamkeit, Feigheit, Stumpfsinn, Spitzfindigkeit, Unstätigkeit, Eitelkeit, Prunkliebe, Christelei und Narrheiten aller Art zur Schau zu stellen, und nach einzelnen Auswüchsen das Ganze zu charakterisiren. Und was geschah im Innern, um die einflußreichen Ansichten zu berichtigen? Wenig und auch das Wenige nicht zum Zweck. Einer der edelsten (Mendelssohn) philosophirte, und verwies dem Staat seine Nachfragen; es gebühre sich nicht, daß der Staat sich um kirchliche Meinungen kümmere. Ein anderer (Friedländer) unterhandelte und schlug einen Kirchen-Fricdensschluß vor, wonach den Juden ein Paar Glaubensartikel nachgelassen werden sollen, wofür diese ein Paar Festtage und sonstige Ccremonien opfern würden! Die meisten übrigen Vertheidigungen beschrankten sich auf einen Guerilla-Krieg, auf Plänkeleien und Neckereien, welche keinen bestimmten Erfolg für's Ganze beabsichtigten, und viele jüdische Scribenten versuchten sich, bevor sie die Kraft hatten, und mußten dann ihren Vorwitz büßen. Wir wüßten nicht eine einzige Schrift als wahrhaft siegreich zu bezeichnen, auch hat unsers Wissens keine sich durch Classicität in bleibendem Rufe behauptet. Es mußte erst Das schwere Geschütz der Wissenschaft unter Mitwirkung vielseitiger Lebenserfahrung anrücken, um die kleinen Batterien zum Schweigen zu bringen, und die Höhenpunkte besetzend, Achtung zu gebieten oder zu erkämpfen, und mit Ernst l und Würde den Widersachern die Spitze zu bieten.

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