Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 43 (22.10.1841)
- Date
- 1841-10-22
- Page
- Seite 337 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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22. Oktober, Nro 43. 1841 Zsraetitifche Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte» Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. I o st. - Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3 —fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Ein Wort über bie Wirksamkeit israelitischer Zeitschriften, mit Beziehung auf diese Annalen. — Ordnung der Vereine und Brüderschaften in Paris. — Herzogtbum Sachsen - Meiningen: Gesctzvorschläge. (Fortsetzung). — Nachrichten und Correspondenzen: Ungarn (Schluß). — Literarur: Die Religion des Geistes jc. von Dr. Formstecher (Schluß); Sammlung von Dr. Dessauer (Schluß). Cm Wort über die Wirksamkeit israelitischer Zeitschriften, besonderer Beziehung auf diese Annalen. Selbstständige Zeitschriften für jedes Fach des Wissens sindProducte unsers Jahrhunderts. Durch sie wird Sachkenntnis im Einzelnen verbreitet, und schnell in Umlauf gebracht, durch sie neue Ansichten und Urtheile, neue Unternehmungen und Ergebnisse, neue Wünsche und Vorschläge in die Well gesendet, als Saatkörner, die auf guten Boden fallend sofort keimen und Früchte tragen. Die Wissenschaft bleibt Eigenlhum der Kenner, aber die Mitwirkung zum Fortfchrciten wird durch die Zeitblätter einem größern Kreise eröffnet. Durch sie wird das Vorurthcil vernichtet, die Einseikigkeit gemieden, und der Stagnation vorgebeugt; durch sie die Geschichte des geistigen Lebens in ihren vielfachen Verschlingungen anschaulich dargcftellt, durch sic lebt der Beobachter der Zeit mit ihr und überschaut alle ihre Wirkungen zugleich. Je mehr ein Gebier des Wissens der Praxis angehört, desto eifriger wirb nach Zeitschriften auf demselben gefragt. Ein einziger Versuch des gut vorbereiteren Genius fördert oft mehr als ganze Jahrhunderte von theoretischen Studien und wechselnden Systemen. Darf man jetzt noch fragen, ob israelitische Zeitschriften Bedürfnis seien? Die Erfahrung hat bereits entschieden. Kein Feld bedarf deren vielleicht eher als die israelitischen Angelegenheiten, welche in Theorie und Praxis noch so weit hinter dem Jahrhundert zurückgeblieben sind; auf keinem Felde haben auch die Zeitschriften so wohltharig gewirkt, als eben hier. Obwohl alle noch wenig Jahre zählen, und kaum Zeit halten, sich zu einem bestimmten Bewußtsein von ihrem eigenen Streben zu entwickeln, oder Leser und Mitarbeiter in Harmonie zu bringen, damit die einen wissen, was sie suchen, die andern was sie leisten sollen, kann die Wirkung doch nicht verkannt werden. Die Zeitschriften sind zugleich die Repräsentanten der Zeitbildung, und müssen daher mir der Zeit weiter schreiten. Sie sind die verschiedenen Sammelplätze der verschiedenen Klassen von Wortführern und'Zuhörern; jede dieser Klassen charakterisirt sich durch das, was sie gern hört ober zu sagen für ersprießlich halt, oft selbst durch unwillkührliche Aeußerungen des Unwillens und der Freude, der Eitelkeit und des Selbstgefühls, die auf den untern Stufen in leidenschaftliches Selbstvergessen ausarren, je weiter hinauf aber durch gegcnseilige Achtung gezügelt eine grössere Herrschaft des Geistes beurkunden. Je weniger in der israel. Welt eine tüchtige innere Literatur sich in der neuern Zeit erheben konnte, und je weniger selbst die