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Israelitische Annalen · 1841-10-15 · Heft 42 (15.10.1841) · p. Seite 335

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 42 (15.10.1841)
Date
1841-10-15
Page
Seite 335 (sequence 7)
Language
German
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335 des Stärkern sei, und gebt Euch nicht das Ansehen, als geschähe es aus purer Frömmigkeit, zur Vollstreckung der göttlichen Prophezeihungen, zur strengen Erziehung der Juden zu dem einzig seligmachenden Glauben. — Als die Perser und Römer die Geißel der Tyrannei über Judäa schwangen, da fanden die Juden in dem Bewußtsein ihrer Unschuld, und darin, daß auch ihre Feinde sie als unschuldig erkannten, reichen Trost, und die Hoffnung, von der nächsten Zukunft ein besseres Loos zu erlangen! Wohl haßten sie die Zerstörer ihres Glückes, aber nur als solche, und an deren nächsten Nachfolgern mochten sie schon mit Liebe und Vertrauen hängen. Als man sie aber wegen rhres Glaubens verfolgte, ahnen die nur von der schwärzesten Phantasie erdenklichen Laster andichtend, da mußten sie in ihren Feinden die Bekenner eines andern Glaubens hassen: wo aber Glaubenshaß in einer Brust Platz gegriffen, da fliehen alle edlern Regungen und menschlichen Tugenden. Von den bürgerlichen Genüssenimmer mehr zurückgedrängt und unter der schweren Bürde zusammensinkend, schufen sie sich ein neues himmlisches Reich: sie betrachteten nun die Fesseln als Ehrenketten, als das Band, woran sie in jenes Reich werden eingeführt werden,, und waren so abgestorben für die Gefühle der bürgerlichen Glückseligkeit, wie für die Interessen der gesammten Menschheit. Noch jetzt sind ihrer nicht wenige, die aus dem sogenannten Galuth gar nicht herauszutreten wünschen. Wie tief sind diese gesunken, und wie sehr bedürfen sie der Emancipation! (Schl, f.) Br o dy. — Die hiesige Stadt betrauert den Tod eines allgemein hochverehrten Mannes. Juda Landau starb am 21. Sept. Morgens im 63sten Jahre seines Alters, nach einer neuntägigen Krankheit. Er war ein Mann von ausgezeichneter Thätigkeit, der liebreichsten Gemüthsart und dem kräftigsten und ausdauerndsten Gemeinsinn. Obwohl durch umfassende Geschäfte hinlänglich in Anspruch genommen, arbeitete er doch als Gemelndcvorsteher, wozu ihn die ungetheilte Liebe und das Zutrauen aller Partheien gewählt hatte, mit rastlosem Eifer und mit kluger Umsicht das Wohl des Ganzen fördernd. Seine Menschenliebe kannte keine Gränzen; sie spendete reichlich den Armen ohne Unterschied der Religion, und jedem war er, so oft Rath und Beistand nöthig schien, zu allen Zeiten zugänglich. Er glich den edeln Vorfahren, die noch in Brody in ehrendem Andenken stehen, und übertraf sie an Werken wahrer Frömmigkeit. Lange hat ein Todesfall nicht die ganze Stadt so tief erschüttert. Schon während seiner Krankheit gab sich die Theilnahme kund. Noch zwei Stunden vor seinem Hinschciden bczeichnetc er die letzten Schritte seiner Laufbahn mit edeler Mildthätigkeit, indem er einem seiner Mitvorsteher auftrug, die Armen und Dürftigen zu bedenken. Christen wie Juden beweinen ihn;'ein zahlreiches Gefolge begleitete die Leiche dis zu dem weit von der Stadt entferntem Friedhofe. Vor der alten Synagoge hielt der Rabbiner eine ergreifende Rede, zwei andere sprachen hierauf ihre schmerzlichen Gefühle in rührenden Worten aus. Er ruhet jetzt in seligem Frieden; sein Andenken wirb in der Gemeinde nicht erlöschen. Literatur. Die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums, nach seinem Charakter, Enrwickelungsgange und Berufe in der Menschheit, von Dr. S. Formfteche r. rc. (Forletzung). Hierauf zeigt der Verfasser den Unterschied zwischen vorhistorischer und historischer Offenbarung; erstere ist ihm der objectiv gegebene Inhalt des Geistes, dagegen ist die andere das Eintreten des Bewußtseins von der eigenen Bestimmung; diesem geht voran der paradiesische Zustand des vollen Gleichgewichts zwischen Natur und Geist, denen Störung eintrcten mußte, um überhaupt das geistige Leben zu wecken und zum Streben nach einem erst jetzt erkennbaren Ideale zu bestimmen. Die historische Offenbarung richtet sich nach dem jedesmaligen Zustande derer, die sie empfangen, tritt also verschiedentlich ein, und hat immer nur relative Wahrheit, sie ist stärker und schwächer nach der Empfängkeir der Menschen. Sie ist auch zwiefach, je nachdem sie mehr den Natur- oder Geistesdienst weckt. Die graduellen Werthe der relativen Wahrheiten des Narurdienstes zeigen sich in steigender Linie von dem Anbeter des niedrigsten Fetischismus bis zum realisirten Kunstideal, welches die höchste Stufe des Naturdienstes ist. Diesem gegenüber bildet sich die Osienbarung des geistigen Ideals, welche allein fähig ist, den Dualismus von Natur und Geist aufzuheben, indem er erst nur nach dem Objeclivguten strebt und erst später auch bas Objectivschöne (das Kunstideal) zuläßt. Hiermit hat sich der Verf. in»?ten Kapitel den Weg gebahnt zur Aufstellung bestimmter Anschauungen, worin H ei b e n t h um sich von Juden!hum völlig scheide; was im folgenden Kapitel ausführlich und auf anziehende Weise geschieht. Wir empfehlen besonders S.65—72 denen, welche sich gern nach Resultaten umsehen, ohne deren vorbereitende Begründung zu prüfen; sie enthalten manchen überraschenden Aufschluß über die alten Gesetze, welche das Judenthum anscheinend isoliren; indem die völlige Unverträglichkeit beider Principien, obwohl beide nothwendig sind, entwickelt wird. — Hierauf kommen wir zu den Grundlinien des Judenlhums nach der Auffassung des hier ausgestellten Systems. Hier wird erstlich die fortgehende Entfaltung der historischen Offenbarung durch Propheten und was diese seien, consequent erörtert. Der Prophet ist ein hochbegabter Mensch, welcher zum Theil über der Erkenntnißsphäre seines Zeitalters steht, und dadurch nicht bloß das Ideal selbst in sich streng objectlvirt, sondern sogar auch Zukünftiges in der Gegenwart weiß (dies letztere scheint uns nicht ganz im Systeme zu liegen, und nur concessiv hergesetzt zu sein; doch kann man es mit diesem vereinbaren, wenn nur eine allgemeine Anschauung von der Wirkung des religiösen Lebens gemeint ist.) Object des Prophetismus ist das nicht durch Reflexion, sondern durch unmittelbares Gefühl producirte Wissen; daher kann der Prophet seine Lehre nur als Wort Gottes geben; um es vor Entstellung abseiten der Reflexion zu schützen, ward es aufgeschrieben, und es entstand die heilige Schrift zugleich mit der dabei unerläßlichen Tradition, beide erst von eigentlichem Werthe zur Zeit des Erlöschens aller Prophetie; die Tradition trägt jedoch wieder den Charakter ihrer eigenen Zeit an sich; sie stellt nur dar, wie die eine Wahrheit der historischen Offenbarung, welche bann in der h. Schr. verewigt ist, so daß diese als solche keine Unwahrheit enthalten kann, zu verschiedenen Zeiten klar gemacht worden; sie hat also für die Vernunft gleiche Autorität mit der heil. Schrift, obwohl sie als reflectirenb der Kritik Raum giebr. — So weit haben wir die Ideen des Verfassers in ihrem Zusammenhänge gegeben. Immerhin wird man bei der Ausführung noch manches finden, was dem Verstände nicht leicht lösbar sein möchte. Sobald nämlich die Tradition als Folge der Reflexion erkannt ist (S. 82) läßt sich nicht gut einsehen, wie so sie einen Theil der heil. Schrift oder mit ihr gemeinschaftlich und in gleicher Autorität die Religionsquelle bilden könne, ja selbst ihr Aufgeschriebensein ist bann nur

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