Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 42 (15.10.1841)
- Date
- 1841-10-15
- Page
- Seite 336 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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336 eine Abnormität. Wir glauben demnach, daß der Vf. auch hier der allgemeinen Idee von Tradition etwas nachgegeben hat, was dem Systeme nur in sehr beschränktem Maße Zusagen kann. _ (Schluß folgt.) JugendschrLft. nytexb “|*n oder Sammlung lehrreicher Geschichten und Erzählungen zur Erweckung achter Religiosii. rat und Sittlichkeit, zunächst für die israelitische Jugend. Ein Lesebuch für Schule und Haus, Herausgegeben von vr. I. M. Dessauer. Erlangen, Palmsche Verlagshandlung. 1841. VIH und 148 S. in 8. An Schriften der Art, wie die Vorliegende, haben wir Iioch Mangel, ja kaum wird das Bedürfniß noch recht empfunden. Der Verfasser halte daher nicht nöthig, sich zu entschuldigen, daß er diesen Versuch machte. Wir dürfen dreist behaupten, daß noch mehrere ähnliche Bücher sehr wünschenswert wären, denn in der Elementarschule müssen die ersten Lehrbücher durchaus eine gemüthlich-religiöse Färbung haben, wofern man nicht jene schale Theilnahmlosigkeit erzeugen will, die jetzt als Folge bisheriger Beseitigung der religiösen Elemente beklagt wird. Wer aber die Abfassung solcher Bücher für leicht hielte, würde sich sehr irren, sie gehört vielmehr zu den schwierigsten Aufgaben der pädagogischen Literatur. Denn hier sind viele höchst wichtige Puncie zugleich zu beachten, deren Vereinigung eine sehr geschickte Hand fordert. Erstlich muß der Umfang der religiösen Ideen, so weit solche der Jugend faßlich gemacht werden können, scharf aufgefaßt werden; dann kommt die Erwägung des Ausdruckes, wie solcher dem jugendlichen Sprachumfange verständlich ist, damit nicht falsche Begriffe eingepflanzt werden; demnächst die Einkleidung sowohl in Hinsicht des Stoffes als der Form, welche beide nicht bloß der jugendlichen Welt angehören, sondern auch auf pädagogische Wirkung berechnet sein müssen, in Schulen sogar mit dem Lehrplan in einem gewissen Einklang stehen sollen. Endlich hat die Oekonomie des Buches, betreffend die Ausdehnung, noch allerlei Rücksichten zu beobachten, die, wiewohl unwesentlich, doch dessen allgemeinere Brauchbarkeit bestimmen. — Die uns bisher bekannt gewordenen Versuche haben uns nicht befriedigt, und wir wüßten noch nicht ein Buch vorzuschlagen, daS dem Zweck ganz entspräche. Dem hier angezeigten Büchlein gebührt in manchen Beziehungen das Lob der richtigen Oekonomie, wie des Planes im Allgemeinen; Stoff und Form sind oft wohl gewählt, und die Grundlage des Ganzen zeugt von richtiger Kenntniß der Erfordernisse. Der Vf. theilt seinen Stoff in 4 Abschnitte, 1) Gotteserkenntniß, 2) Pflichten gegen Gott, 3) Pflichten gegen Nebenmenschen, 4) Pflichten gegen uns selbst und Vermischtes; dazu kommt noch ein Anhang für reifere Schüler; alle diese Stücke sind durch kleine Erzählungen meist aus dem Leben und der Legendenwelt erläutert, jedem Stücke ist ein biblisches Motto vorangestellt, und ein Berschen macht den Schluß. Diese Form spricht an, ist nützlich und unterhält zugleich. — So weit im Allgemeinen. Im Einzelnen möchten wir manches einwenden, was, da das Buch wohl noch eine Auflage zu erwarten haben dürfte, alsdann zu beachten wäre, und auch sonst für derartige Bücher von Wichtigkeit erscheint. Die obige Eintheilung, obgleich auch in mehreren Religionsbüchern beliebt, ist zu wenig erschöpfend, um Billigung zu finden; nicht alles, was zur Anregung religiöser Gesinnungen dient, fügt sich in die angegebenen Rubriken, und so ist auch die Bezeichnung der Stücke in den Rubriken hier nicht immer glücklich gewählt; so z. B. vermissen wir in Betreff der Vollständigkeit in dem 3ten Abschnitte: Bescheidenheit, Friedfertigkeit, Billigkeit und andere Punete, in dem 4ten: Reinlichkeit, Ordnung, Pflichteifer u. a. P.; ferner in Betreff der Ordnung der Materie gehört Naschhaftigkeit nicht in die 3te, sondern in die 4te, und die Bezeichnungen: Meineid, Lügen, Naschhaftigkeit, Geiz sehr unpassend unter den Pflichten, statt: Heilighaltung des Eides, Wahrhaftigkeit, Enthaltsamkeit, Gebrauch der zeitlichen Güter, oder ähnlicher Ausdrücke. — Auch in der Ausführung wünschten wir, und zwar meist in pädagogischer und ästhetischer Beziehung, Verschiedenes besser als es hier dargestellt worden. So finden wir häufig in den Beispielen der Familienscenen reiche Kaufleute und Banquiers, Händler und Einkäufer u. dgl., ohne daß dieser Charakter einen Einfluß auf die Sache übt. Dies giebt zwar der Darstellung einen Schein, von Lebenswahrheit, weil die meisten Juden Kaufleute sind, doch sollten die Kinder frühzeitig daran gewöhnt werden, diesen Stand nicht als verbunden mit dem israelitischen Leben anzusehen, und vielmehr den Israeliten jeder Art von Arbeit fähig halten, wie dies auch in einigen Stücken hier gezeigt wird. In Betreff des Stoffes müßte das Legendenhafte, z. B. I. 3 wie Daniel den Drachen tödtet, so geschildert werden, daß das Kind die Sache nicht als historische Begebenheit ansieht; die Geschichte der Susanne aber halten wir für einen höchst tadelnswerthen Mißgriff, und wir möchten unmaßgeblich vorschlagen, diesBlatt durch ein Carton zu ersetzen, und eine andere Fassung dafür einzurücken; denn so lange dies Blatt dem Buche angehört, würden wir dasselbe cinzuführen nicht für rathsam halten. Selbst bas folgende Blatt (S. 36) will uns unpassend erscheinen. — Auch in logischer Beziehung bleibt manches zu wünschen übrig; öfters sind die Einleitungen so getroffen, daß die Hauptsache sich nicht daran gehörig anschließt: z. B. I. 1. Die Mutter suchte den Kindern alles durch Geschichtchen begreiflich zu macken. „Besonders (!) wollte der kleine David nicht begreifen, wie Gott habe mit Moses reden re." Und dann folgt gar kein Geschichtchen, vielmehr ein im Ganzen nicht zweckmäßiges Raisonnement. 2. „Abraham ward von seinem Vater in einer dunkeln Höhle erzogen; denn der Tyrann Nimrod trachtete ihm(?) nach dem Leben." Nachher aber wird erzählt, wie Abraham über Sonne und Mond philosophirt, und seines Vaters Götzenbilder zerstört^ von der Erziehung in der Höhle kein Wort weiter. 3. Daniel wirft dem Drachen eine Pechkugel „in's Maul, wovon derselbe augenblicklich zerplatzte," und daran knüpft sich d«e Lehre: Gott ist ewig! (Auf jeden Fall ist der Drache erst geplatzt, nachdem er die Speise verschlungen hatte, cpayav rTiocppoc^!) 4. Wird erzählt: „Er ermahnte alle, die man zur Marter führte." Aus der Einleitung ist aber gar nicht zu ersehen, woher diese Marter? — 6. Wird erzählt, wie Gott den Anliochus straft, weil er die Gottheit lästert und seine treuesten Diener schlachtet, und hinterher erst endigt Gottes Langmuth, well Antiochus Jerusalem zerstören will. Auch ist die Langmuth das Thema des Stückes, während dessen Inhalt die allerentsetzlichsten Strafen barbietet. 8. Gott ist heilig, wirb dargestellt in der Allegorie, daß ein König Gärtner annimml, deren jeder nach Belieben arbeitet und nach seiner Leistung den Lohn erhält. Wir können das Gleichniß nicht treffend finden. ii. 1. Erkenntniß Gottes, wird dargestelll, indem ein Israelit für die Armen der Kirche Geld hergiebt! Dabei die Erklärung: Gotteserkenntniß heißt: Gott in seinen heiligen Eigenschaften aus der Natur und der Offenbarung zu erkennen und nach dieser Erkenntniß zu handeln, n. 4. S. 24 ist eine Adversative rein unverständlich. „Wir dürfen zwar schwören, wegen Recht und zur Bekräftigung der Wahrheit, bas heißt (?), wenn wir vom Richter aufgeforberl zur Rettung der Unschuld (und sonst nicht?) einen Eid ablegen sollen. Betrifft es aber vergängliche, unwesentliche Dinge, so sollen wir lieber einen kleinen Verlust erdulden und nicht schwören." S. 26 findet sich Line lange Concessive ohne Adversative. — (Schluß folgt.) Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.