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Israelitische Annalen · 1841-10-15 · Heft 42 (15.10.1841) · p. Seite 332

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 42 (15.10.1841)
Date
1841-10-15
Page
Seite 332 (sequence 4)
Language
German
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332 sie gar keine Schule hatten, in das Gebiet des praktischen Wissens hineingezogen werden, und somit die Wichtigkeit umfassender Realkenntnisse achten lernen. Daher knüpft sich aber dort die höhere Bildung so sehr an Wohlhabenheit, und ist sie in den minder begüterten Classen weniger zu finden, während in manchen andern Ländern das Verhältniß fast umgekehrt ist; denn da wo der Reiche weiter nichts zu thun har, als sein Capital anzulegen und zu genießen, überläßt er sich lieber dem Genuß, und cultivirt in seiner Familie auch nur die Fähigkeiten, welche die Lebensfreuden zu erhöhen scheinen, die tüchtigere Bildung denen gönnend, die davon Gebrauch machen können. In England macht dies einen Vorzug der Wohlhabenden aus, daß sie durch ihre Mittel zugleich zum thätigcn Leben gleichsam angehalten werden. So sind denn auch bereits aus den angesehensten Familien sehr anerkannte Talente hervorgegangen, eine Menge junger Männer suchen und finden ersprießliche Beschäftigungen in großartigen Unternehmungen in Amerika, Ostindien, China und andern entfernten Ländern, und bereichern ihr Vaterland dann wieder mit wohlerworbenen Kenntnissen. Auch der weibliche Theil der Gesellschaft bleibt nicht zurück, sondern schreitet durch solche Anregungen mit fort, sowohl in umfassenden Real- Kenntnissen als in Ansichten und Mitgefühl für alles Großartige, das sich in.England entwickelt. Das innnere [foctalc Leben ist daher auch in den gebilderern israelitischen Kreisen für jeden Denker höchst anziehend und für den Menschenfreund, welcher die traurigen Zustände der jüngsten Vorzeit kannte, ungemein erfreulich. Wir hegen die Ueberzeugung, daß dies Verhältniß immer steigend auch die noch lethargisch schlummernden Familien berühren werde, und glauben mit Bestimmtheit, daß die Entwickelung in England viel schneller vor sich gehen werde, als in den schon seit 50 Jahren emancipirten Gemeinden Hollands, wo viele Elemente noch die Triebe unterdrücken, die indessen ebenfalls bereits durchzubrechen anfangen. Die allgemeinere Bildung wird in England durch den Zeitgeist und die zu gründenden Schulen befördert werden. Was die Kenntniß der Religionsguellen und die daraus zu ziehende Berichtigung der Begriffe anbelangt, so scheint man auch in dieser Hinsicht nicht mehr so gleichgültig und stumpfsinnig bleiben zu wollen, als in der ganzen jüngern Periode der in. Deutschland erblühcten Gelehrsamkeit. Die Gelehrten, welche sich dorr mit dem Anbau der wissenschaftlichen Seite des Judenrhumes befassen, sind theils selbst Deutsche, welche somit die Schuld, die man den früher eingewanderten Deutschen und Polen aufbürdet, den fanatischen Aberglauben mitgebracht und den unenglischen Geist in Sprache und Sitte verbreitet zu haben, gleichsam wieder tilgen, indem sie die Wissenschaft ihrer Landsleute als Ersatz bringen,—oder doch solche, welche deutsche Quellen benutzen. Wir haben Mr. Ra pH all, der jetzt in Birmingham als Prediger fungirt, kennen gelernt; er gilt für den trefflichsten Stylisten in der englischen Sprache unter seinen Glaubensgemeindcn; ferner Mr. de Sola an der portugiesischen Gemeinde, welcher eine umfassende Kenntniß der hebräischen Quellen mit ausgezeichneter Sprachenkunde verbindet, und Mr. Lindenthal an der Neuen Synagoge, einen Mann von vorzüglicher Bildung und klaren Ansichten. Diese drei Männer sind vereinigt, zur Herausgabe eines großartigen Bibelwerkes, das eben so lehr zur Verbreitung einer bessern Methode des Bibelftudiums, nämlich mit Zuziehung der Philosophie und deren Hülfswissenschaften, als auch zur Erläuterung der religiösen Begriffe dienen soll. Wir werden Kber dies Werk berichten, vr. Loewe, der bekannte Reisende, von welchem wir schon öfters zu sprechen Gelegenheit hatten, wirkt durch seine ausgebreiteten Studien und Erfahrungen, so wie durch die Benutzung der Bibliotheken, zu denen er Zugang hat, nach verschiedenen Richtungen zugleich. Er ist Mitglied der orientalischen Gesellschaften zu London und Paris, arbeitet als orientalischer Sprachforscher bei S. K. H. dem Herzog von Sussex, und hat somit vielerlei Anknüpfungspunkte für wissenschaftliche Zwecke, die wiederum ihre Früchte tragen werden. *) Auch mehrere deutsche Aerzte haben wir in London' angetroffen, welche mit lebhaftem Interesse dem Gange der Bildung förderlich die Hand bieten, so daß auch von dieser Seite die Bemühungen der hochgebildeten Eingeborenen Vorschub finden, unter denen wir vr. Van Owen noch nennen wollen, (welcher den *) Das neueste Werk des vr. Loewe ist eine englische Uebersetzung des Levinsohn'schen Efes Dammim; über welches wir in der Rubrik Literatur noch sprechen werden.

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