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Israelitische Annalen · 1841-10-15 · Heft 42 (15.10.1841) · p. Seite 331

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 42 (15.10.1841)
Date
1841-10-15
Page
Seite 331 (sequence 3)
Language
German
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331 Skizzen über die israelitischen Zustände in England, vornehmlich in London. (Schluß.) Es ist wahrhaft erhebend, den Geist der Engländer in dieser Hinsicht wirksam zu sehen, wie er bei streng-religiösem Festhalten an den Grundsätzen der resp. Kirchen doch sehr wohl die Talente der Mitglieder anderer Kirchen stets, respectirt. Bekanntlich ist der ausgezeichnete Hebräer, Mr. Hurwitz, Professor an der Universität sowohl als an ihrer Schule, ohne daß die Engländer darum besorgen, ihrer Kirche etwas zu vergeben; und eben so haben wir eine Anzahl wackerer Schüler jüdischer Religion in der Universitätsschule gesehen, von denen die meisten sich durch Fleiß auszcichncn und öffentliche Preise erlangt haben. Einen Jüngling haben wir kennen gelernt, welcher wegen seiner hervorragenden Talente unter den glänzendsten Bedingungen von der oftindidischen Compagnie auf zwanzig Jahre engagirt worden, und welcher, wenn es ihm vergönnt ist, dereinst wohlbehalten zurückzukchren, ohne Zweifel noch in den günstigsten Verhältnissen, (1000 Lft. lebenslängliche Pension) die ihm zugesicherr sind, dem | Varerlande als Professor oder Staatsmann nützlich sein wird. Wenn man hiergegen betrachtet, wie viele herrliche Kräfte anderswo, bloß wegen unverantwortlicher Vorurthcile, unbeachtet unrergehen, und auf wie viele rpesentliche Vortheile man oft verzichtet, lediglich, weil diejenigen, welche dieselben den Staaten darbieten, sich zur jüdischen Religion bekennen, so wird man immerhin gestehen müssen, daß die Engländer bei aller Kirchlichkeit des Lebens, doch das Sraarsprincip auf eine Weise handhaben, die es erklärbar macht, daß dort die Talente sich so großartig entwickeln. Seinen vorzüglichen Grund hat dies in der allgemein herrschenden Selbftthätigkeit des Volkes, welches fortwährend schafft und hervorbringt, und zu allen seinen erstaunlichen Unternehmungen die Mitwirkung der Regierung nur in so fern anspricht, als diese ihre Genehmigung zu ertheilen hat, damit unter dem Besonder» das Allgemeine nicht leide; alles Uebrige, Talente, Geldmittel, Kräfte, findet sich in den Societäten, zu welchen alle Fähigkeiten zusammentreten, um ihre Werke aufzuführen. Hier wird das Auge auf die Sache gerichtet, die in's Leben gerufen werden, und welche die Anstrengungen und Opfer belohnen soll, nicht aber auf die Person, noch viel weniger auf Verhältnisse, die gar keinen Einfluß auf den fraglichen Gegenstand haben. Ein tüchtiger Steuermann, ein geschickter Maschinenbauer, ein erfahrener Naturforscher, ein sinnreicher Erfinder zweckmäßiger Vorkehrungen jeder Art, ein wohlhabender unternehmender Capitalift, mag welcher Kirche oder Parthei es sei, angehören, sobald er die Zwecke der Gesellschaft befördert, ist er ihr willkommen , und kann, wenn da^ Zutrauen zu seinen Leistungen allgemein ist, den Vorsitz führen und das Ganze leiten. Dem Engländer würde es höchst lächerlich erscheinen, wenn jemand behauptete: Weil dieser oder jener sich die Gottheit in seinen Kirchen oder Dogmen so oder so vorstellt, kann er unmöglich eine Expedition führen oder eine Festung bauen, oder eine Colonie beschützen, oder ein Dampfschiff lenken, oder eine Eisenbahn-Anlage vorbereiten, oder Mathematik, Physik und Sprachen lehren, oder Dokumente welcher Art rechtskräftig abfassen, — und was der auf dem Continente vorkommenden Thorheiten mehr sein mögen. Der Engländer fragt nicht: was glaubst du? sondern was kannst du? — Und er bedauert es durchgehcnds, er sei Tory oder Whig, daß manche bestehenden Eidesformeln es verhindern, von einigen Kräften im Staate und in der Regierung selbst Gebrauch zu machen, und sie betrachten dies als einen Mangel in der Gesetzgebung, welchen inzwischen die jetzt herrschende Parthei für nothwendig hält, um der Kirche die Herrschaft zu sichern, und die Christlichkeit des Staates nicht in Frage zu stellen. Man weiß dies genugsam aus allen Verhandlungen üder die Emanzipationsfrage, und noch in diesem Jahre haben sich sogar die eifrigsten Tories in dem Sinne ausgesprochen, daß sie in dem Charakter der Israeliten durchaus keinen Grund finden, sie von der Mitwirkung im Staate auszuschließen, sondern lediglich in dem Grundsätze, daß der Staat als solcher nur durch Mitglieder der Kirche repräsentirt werden müsse. — Der Geist der Gesellschaften bringt es nun aber mit sich, daß die ausgezeichnetsten Capacitäten täglich in Wechselswirkung treten, mit einander Berathungen halten/ ihre Ideen austauschen und einander Erfahrungen und Kenntnisse mittheilen, so daß die Israeliten, welche bei so vielen Unternehmungen betheiligt sind, selbst wenn 42*

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