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Israelitische Annalen · 1841-10-08 · Heft 41 (8.10.1841) · p. Seite 327

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 41 (8.10.1841)
Date
1841-10-08
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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327 Liter a t u r. Die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums, nach seinem Charakter, Ennvickelungsgange und Berufe in der Menschheit, von vr. S. Form steche r, Prediger an der Synagoge zu Offenbach. Frankfurt am Main. Herrmann'sche Buchhandlung. 1841. VIII und 452 S. gr. 8. (Splendid a^sgeftattet.) Wieder einmal ein tüchtiges Werk rein wissenschaftlicher Forschung und kräftiger Beherrschung des Stoffes! Eine Idee scharf aufgefaßt und in ihrer Einheit durch die ganze Verzweigung ihres Wachsthumes so durchgeführt, daß sie an allen Theilen und an allen Formen der Gliederung wieder erkannt wird. Das nennen wir tüchtig und ächtwi.sscnschaftlich. Was der Titel als Einheit hinstellt, wird in dem Werke selbst gerechtfertigt. Dem in allen ihrer Religion zugelhanen Israeliten lebenden, mehr oder minder dunkeln oder klaren Bewußtsein, wird eine vollständige Bestimmtheit, ein nach außen darstellbarer philosophischer Inhalt gegeben, und diesem seine Wahrheit vindicirt. Der Ausdruck bewegt sich, wie dies nicht anders sein kann, in strenger Abstraction, mit scientivischer Bestimmtheit und Sicherheit und schulgerecht, jedoch so, daß ein jeder Denker, auch wenn nicht gewöhnt an wissenschaftliche Abstractionen, sich bald hineinfindet. Wen die Einleitung und die ersten Capttel abstoßen könnten, den werden die speciellern Schilderungen weiter im Innern wieder anziehen, und wo nicht überzeugen, doch auf manchen schönen Stoff zum Denken verweisen. — Wir maßen uns kein entscheidendes Urthcil über die Grundlage dieses Werkes an, obwohl wir nicht leugnen, daß sie uns iin Allgemeinen nach festem System richtig entworfen zu sein scheint; philosophische Grundsätze zu bekämpfen ist leichi und schwer, je nachdem man das Wort zu führen und Sophismen zu behandeln versteht, es ist aber nie an der Zeit, so lange sie nicht erst von Vielen durchdacht und näher erwogen worden. Uns genügt die Folgerichtigkeit und Einheit eines Werkes, das nicht aus Phantasiegebilden besteht, und auf der Höhe der Zeit errichtet ist. Als ein solches können wir das Gegenwärtige, obwohl nicht einem der angenommenen philosophischen Lehrgebäude angehörig, allen denen empfehlen, die gerne einer höhern Spekulation folgen. Wir wünschen aber dem Werke eine ausgedehnte Theilnahme um so mehr, als die Ankündigung des Werkes dieselbe nicht geweckt hat, und der würdige Vf. sich genöthigt sah, dasselbe auf eigene Kosten herauszugeben, um seinen wissenschaftlichen Beruf durch die That zu beurkunden. Dieser verdient die kräftigste Aufmunterung , namentlich bei der ungeheuchelten Bescheidenheit, (eine jetzt sehr seltene Eigenschaft) womit er seinen Versuch einer Theorie des Iudenlhums, denn auf mehr soll es keinen Anspruch haben, in die Welt sendet. — Bei einem scientivischen System kommt es zunächst auf das Object desselben an. Da der Ausdruck Judenthum eine Mannichfaltigkeit von Definitionen zuläßk, wenn man bloß den Sprachgebrauch zu Rathe zieht, so bedarf derselbe einer strengen Umschreibung. Herr F. fühlt sehr wohl, baß er um seinem Begriff diejenige Bedeutung zu geben, die er in dem Systeme haben soll, ein wenig von dem Gebrauche abgeht, und erklärt sich darüber in dem Vorwort. Wir hätten hiernach allenfalls das ganze System für strenger bezeichnet angesehen, wenn er den Titel gewählt hätte: „das Iübenthum, dargestellt als Religion des Geistes. " Was den Ausdruck Geist betrifft, so wird dessen Werth in den ersten Kapiteln bestimmt. Wir waren anfangs wenig befreundet mit dem Ausdrucke „Religion des Geistes." Nach Durchlesung des Werkes aber durchbringen wir auch die Idee dieses Ausdrucks besser, und finden ihn innerhalb des ausgestellten Systems gerechtfertigt. Das System selbst aber geht von bestimmten Axiomen aus, die allerdings in der Form, wie sie hier ausgedrückt werden, nicht überall als Axiome gelten, und vielmehr des Beweises bedürfen. Wenn das erste Kapitel die Welt als emanirte Kräfte der sich selbst bestimmenden Gottheit darstellt, und letztere nur durch das Bewußtsein der Menschen erkennbar erscheint, welches wiederum als Bewußtsein der Erde höchst beschränkt ist, und folglich nickt einmal die Sicherheit einer klaren Vorstellung^ von dem Geiste des Universums erlangen kann, so folgt von selbst, daß sogar die gesteigerte, alles Anthropomorphismus entkleidete Abstraction keine Basis für die Unterscheidung der Welt von GM darbietet, mithin alle vorherigen Axiome nicht genügen, um mit Sicherheit weitere Unterscheidungen festzustellen. Inzwischen nachdem einmal die Grundlinien als solche angenommen sind, wird man dem Verfasser weiter folgen in seine Zerlegung der Bewegungen in Gesetze des Universal- und des Jndividuallebens, und in die daraus hergeleitete Idee der menschlichen Freiheit, die sich jedoch wieder (26) auf das Bewußtsein beruft, demnach nicht deducirt wirb. Der Geist als freies Wesen steht der Natur als dem Gesetz unterworfen (29) gegenüber, diese permanirend, jene schaffend. Letzterer wird als Richter über die Wahrheit seiner eigenen Schöpfungen Vernunft, welche im Gebiete des Schönen und des Sittlichen sich bewegt, dort als G e sch m a ck, hier als Gewissen; das Ideal des Guten ist im Geiste die göttliche Offenbarung (33), diese ist ein gegebenes Object, die Vernunft aber die erkennende Kraft. Hiernach sieht man leicht, was nach diesem System das Gute und Böse sei, welches im 4ten Eap. erklärt wird. Schwieriger hingegen ist die Vereinbarung der göttlichen Vorsehung mit der menschlichen Willensfreiheit und der ethischen Zurechnung. Wir halten das fünfte, diesen Punct erörternde Capitel für nicht befriedigend; denn selbst was im Folgenden über Bestimmung der Menschen gesagt wird, deren Inhalt mit dem Inhalte seines Ideals zusammenfällt (52), kann die niederschlagende Bemerkung, daß ihr zufolge fast nicht ein Mensch selig wird, keinesweges gehörig adweisen. Sobald der Grad der Er kenn tn iß der Offenbarung maßgebend ist für den Grad der erreichten Bestimmung, so sieht man gar keine Erlösung für alle, die ohne zur Erkenntniß zu kommen hin sterben oder gar frühzeitig hingerafft werden. Dies ist ein Mangel in der Theorie, an welchem die meisten leiden, und den am Ende die Kirche nur löst, indem sie die erlösende Gnade durch Formeln oder Ceremonien herstellt, was dann in der That den letztern ein sehr hohes Gewicht giebt, um diejenigen zu beruhigen, welche nicht zu philosophischem Denken und konsequentem, immerhin noch unsicherm, Schließen gelangen können. — Die Frage, wie die menschliche Freiheit und Zurechnungsfähigkeit ohne Störung der göttlichen Freiheit zu deken sei, wird stets ein unerklärliches Problem bleiben, und gerade dadurch der Religion das Recht einräumen müssen, positiv auf unfern Willen einzuwirken, und die Zurechnung ohne Grübelei als Glaubenssatz hinzustellen. (Fortsetzung folgt.) Predigten. 1. Zuruf an die israelitische Gemeinde in Frankfurt a. d. O. —Des Israeliten geistlicher Beruf und Stellung in unsrer Zeit (15. Aug. 1814 gehalten) von 0r. S. Holdheim, Eroßh. Mecklenburg- Schwerinscher Landesrabb. 1841. Bei Küschner in Schwerin. Diese ein Jahr später im Druck erschienene Predigt ist des bereits rühmlich bekannten Redners würdig. Er fordert zum Abschiede, daß ein kräftiger Nachfolger im Amte erwählt werde, welcher die Bildung der Zeit sich angeeignet habe, und zugleich dahin trachte, einen vom Staate anerkannten Wirkungskreis zu erlangen; und daß die Gemeinde einem solchen helfend entgegen komme, damit das Werk gedeihe. Gut und zweckmäßig; gewiß nicht ohne Einfluß auf die noch immer nicht emschiedene Wahü —

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