Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 41 (8.10.1841)
- Date
- 1841-10-08
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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324 andere Begriffe geben wollen, um sie von ihrem Glauben abwendig zu machen. Den Schluß der Feier bildete ein Choral, bestehend in einer fünfstrophigen Hymne, Betrachtung in der Dämmerung, welche man unter den Papieren einer verstorbenen jungen Dame, Miß Sl ow ey H a y s, in Richmond, Virginia, gefunden hatte. Diese Verse zeigen einen herrlichen poetischen Schwung, und wir wünschten mehr Versuche dieser Dichterin zu sehen und etwas von ihrem Leben zu erfahren. Wir können diesen Artikel nicht verlassen, ohne zugleich auf die vorzüglichen Leistungen eiyes unsrer Landsleute in Amerika zurück zu kommen, welcher dort würdige Anerkennung findet, während sein Vaterland vielleicht wenig oder gar nichts von ihm weiß; nämlich des vr. Jsaac Nordheimer, gegenwärtigen Professors der orientalischeu Sprachen an der Universitär zu New-Aork. Vor uns liegt sein im Jahr 1838 erschienenes Werk: A Critical Grammar of the Hebrevv lauguage, mit einem zweiten Bande: A Grammatical Analysis of 86lections from the hebrew scriptures, with au exercise in hebrews composition; beides wahrhaft ausgezeichnet, und werth zu Gunsten der fortschreitenden Wissenschaft, neben den Werken eines Gesenius und Ewald studirr zu werden, indem letztere darin gründlich gewürdigt sind. Eine starke wissenschaftlich klare Beherrschung des Stoffes und eine Helle Durchschauung der in Deutschland zu einem gewissen Ansehen gelangten Systeme giebt sich darin kund, und es darf dreist gesagt werden, daß durch die genannten 2 Schriften das Studium der Sprache bedeutend gefördert wird. Der englische Ausdruck ist von einem jungen Amerikaner, Mr. Wm. W. Turner, revidirt, und überall gut und der Classicitat sich nähernd. Wir werden an einem andern Orte über das Werk ausführlicher berichten. Herzogthuur Sachsen - Meiningen. (Fortsetzung des Gesetzentwurfs.) Wenn man den Erfolg dieser Gesetze ins Auge faßt, so kann man den Juden das Zeugniß nicht versagen, daß sie die Vorschriften wegen des Unterrichts ihrer Kinder in den öffentlichen Schulen im Allgemeinen willig aufgenommen haben, und daß die jetzige Generation derselben in Hinsicht ihrer Schul- und allgemeinen Bildung auf einer ungleich höher» Stufe steht, als die vorige. Nur insofern gaben sie den Schulbehörden mitunter Anlaß zur Mißbilligung, daß sich einzelne Gemeinden derselben einer festen Anstellung ihrer eigenen jüdischen Lehrer abgeneigt zeigten und sie bloß auf bestimmte Zeit und auf Kündigung anzunehmen suchten. Weniger erfreulich sind die Fortschritte derselben hinsichtlich ihrer Nahrungsweise, denn noch immer ist der Handel de? prädominirende Erwerbszweig der Juden und das Hausir- und Schachergewerbe besteht fast noch in derselben (?) Ausdehnung und in derselben Schädlichkeit, wie vor 20 und 30 Jahren. Indessen wendete sich doch auch in dieser Hinsicht Manches zum Bessern und belohnte das Streben des Gouvernements. Es bildeten sich nämlich sowohl in der Residenzstadt Meiningen, als in Hildburghausen verschiedene jüdische Handlungen in Schnitt-, Mode- und Colonialwaaren rc., welche den christlichen Handlungen daselbst in ihrer Solididät wenig nachstehen und zum Thei! einem fühlbaren örtlichen Bedürfniß abhalfen. Auch auf dem Lande gingen mehrere Juden zu bessern Handlungszweigen über, wie z, B. mit rohen Producten, Wolle, Leder, mit Oelfrüchten rc. Die Statistik des Landes weist ferner nach, daß sich seit dem Jahre 1823 eine nicht geringe Zahl Juden den Künsten und Wissenschaften, insbesondere dem Lehrfache und den Gewerben gewidmet haben. Den geringsten Erfolg hatten jene Gesetze in Hinsicht der, den Juden eröffneten Aussicht zum Betrieb der Landwirthschaft, denn bis jetzt nährt sich noch nicht ein einziger vom Feldbau, und die meisten unterwerfen sich lieber den härtesten Entbehrungen und allen Wechselfällen eines unstäten Geschickes, als daß sie sich dem Dienste eines Taglöhners oder Knechtes hingeben. Der Grund dieser minder günstigen Ergebnisse liegt wohl großentheils in der noch immer nicht ganz überwundenen Abneigung der Juden gegen körperanstrengende Arbeiten, und in dem Gegendruck, welchen der Aufschwung derselben gewöhnlich in der Engherzrgkeit der Gewerbscorporationen und Gemeinden zu finden pflegt. Zum Theil muß er aber auch in den Gesetzen selbst gesucht werden, denn diese enthalten gerade in den wichtigsten Beziehungen mehrere Lücken, greifen nicht überall konsequent durch, und schreiben Manches vor, was weder zweckmäßig noch ausführbar ist. Diese Unvollkommenheiten und der veränderte Bildungsstanb der Juden machten schon längst das Bedürfniß einer Revision jener Gesetze fühlbar, und dieses steigerte sich durch die Jnconvenienzen, welche in Folge des Gotha-Altenburgischen Staatsanfalls aus dem Bestehen verschiedener Judengesetze'in einem und demselben Lande hervorgingen. Da nach Art. 16 der deutschen Bundesacte den Juden die bereits erlangten Rechte bis zu einer allgemeinen Regulirung ihrer bürgerlichen Verhältnisse erhalten werden sollen und daher von Rückschritten nicht die Rede sein kann, zu einer bedeutenden Erweiterung ihrer Zuständigkeiten oder ihrer gänzlichen Emancipation aber noch keine genügende Bevorwortung in der bisherigen Erfahrung liegt (?), so