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Israelitische Annalen · 1841-10-08 · Heft 41 (8.10.1841) · p. Seite 323

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 41 (8.10.1841)
Date
1841-10-08
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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323 Amerika. Sonntagsschule für Religions-Unterricht der Israeliten zu Philadelphia. (Schluß.) Der Redner fahrt dann also fort: „Laster und Unwissenheit sind stets vereint, und das einzige Mittel, ihrem schädlichen und verderblichen Einflüsse entgegen zu arbeiten, ist Aufmunterung zu Tugend und Erkenntnis;. Sie sind die - Wachen und Bollwerke der bürgerlichen Gesellschaft, sie schützen vor Uebel, steuern dem überfluthenden Strom des Elends, welcher sonst die schöne grünende Oberfläche der Erde verwüsten, und die Welt zu einer unbewohnbaren Wildniß machen würde. Die Schrecknisse des Heidenthumes sind bekannt, seine Unsittlichkcit tritt überall hervor, und die Seiten der heiligen Geschichte stellen Auftritte und Ergebnisse dar, welche auch nur einigermaßen jedes mit Gefühl begabte Gemüth empören; aber so lange Israel das in seinen heiligen Büchern gegebene Gesetz beobachtete, war es mit keinem Verbrechen befleckt, welche so häufig waren unter Nationen, die zwar einen Reichthum besaßen an Arbeiten and Untersuchungen der Philosophie, aber Gott nicht kannten. (Hierauf folgt eine Darstellung des Vorzugs der Bibel und des Unterrichts darin.) Der Redner spricht dann sehr eindringlich über die Wirkung der ersten Jugendeindrücke, deren Mängel er mannichfachen Wirren der Familien, besonders durch gemischte Ehen, (d. h. wahrscheinlich deren eine Hälfte zum Christenthume übergegangen ist) zuschreibt; und ermahnt seine Zuhörer, den religiösen Grund so fest als möglich zu legen, und den Geist gegen jeden Angriff zu stählen. —Bemerkenswerth ist für den dortigen Gemeingeist folgende Stelle: „Ein Zug verdient besonders hervorgehoben und gelobt zu werden, nämlich das treffliche Verhalten von Personen, die eine höhere Stellung im bürgerlichen Leben einnehmen, und die darum nicht ihre Kinder abhalten, mir den Dürftigen zusammen zu sein, und sonach über die gar zu häufigen Bedenklichkeiten eines abgeschmackten Stolzes und falscher Besorgniß hinaus sind. Es ist dies ein eigenthümlicher und schöner Charakter, eine der stärksten Stüzzen, einer der Hauptpfeiler dieses Instituts, und muß sicherlich zu dessen Gedeihen und Wohlfahrt beitragen. Im alten Tempel zu Jerusalem war des Armen handvoll Mehl ein eben so wohlgefälliges Opfer, als des Reichen gemästetes Thier, und die Morgen- und Abendopfer wurden dargebracht von den Halbschekeln, welche der Bauer und der Fürst gleich gaben, denn Gott wollte Gleichheit bei seiner Verehrung und die zufälligen Bezeichnungen des Vorranges galten nichts vor dem, welcher Demuth, Bescheidenheit und Ergebung von seinen Dienern fordert, die er liebt nach ihren schönen Tugenden, nicht aber nach der Zahl und dem Werthe ihrer Brand- und Trankopfer." — Hierauf fährt der Redner fort auf die weitern Wirkungen hinzuweisen: „Wenn ihr den Boden umgewühlr, jeden Stumpf oder Stein beseitigt und alles schädliche Unkraut ausgejätet habt, wenn die Saat eine reiche Ernte gebracht hat, wie einst hundertfach dem Erzvater Isaak, — dann werden eure Wünsche sich weiter ausdehnen; ihr werdet darauf denken, die engen Gränzen, die euch jetzt umgeben, zu erweitern, und euer Gebiet zu vergrößern; und dann dürfen wir hoffen, ein Haus der Gelehrsamkeit errichten zu sehen, wie in alten Zeiten, in welchem unsre Altenhümer, unsre heiligen und kostbaren Denkmäler, unsre alten Phijj losophen, Moralisten und Dichter einen Thcil des j obern Baues der Schule und Studien bilden werden, j dessen Grund in diesem Embryo-Institut gelegt worden, worin unsere Jugend, nachdem sie alle Erleichterung zum Anbau der Künftx und Wissenschaft gewonnen und zu jedem Zweige der gebildeten und allgemeinern Literatur sich vorbereitet har, um mir andern auf gleicher Höhe zu stehen, wieder untertauchen kann in die Weisheit jener minder zugänglichen Werke, welche die Unwissenheit verschrien und das Vorurtheil verspottet hat." Er schildert dann mir lebhaftem Feuer, wie die Starrheit, in welche man durch Bigotterie und Intoleranz gerathen war, endlich immer mehr verschwindet, and die Wissenschaft ihre Rechte einnimmt, und knüpft daran die Hoffnung, daß bald keine Anregung mehr da sein werde, die väterliche Religion zu verlassen, um Ehrenstetten und Auszeichnungen zu erlangen, und daß jeder mit voller Ueberzeugung gern auf Ehren verzichten werde, wenn Eide, welche dem Gewissen widersprechen, und Bekenntnisse, die man innerlich verwirft, zur Bedingung gemacht werden! — Hierauf redete Herr N. die Kinder an, und warnte sie vor den Anreizungen derer, welche ihnen 41*

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