Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 41 (8.10.1841)
- Date
- 1841-10-08
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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322 Jeremia 4 5 6) (und des Psalmisten) den Opferdienst stützten und beibehielten. Bei Daniel finden sich die ersten Spuren der täglichen dreimaligen Gebere (VI. II), die nicht Privatgcbete oder momentane Ergüsse seines frommen Herzens, sondern als ein bestehender Gebrauch bezeichnet sind, und ohne Zweifel nach einer geregelten Liturgie gehalten werdend) Es ist sogar nicht unwahrscheinlich, daß die im Thalmud (Lrub. LI s) erwähnte Synagoge Daniels, wie der Commentar meint, eine von Daniel erbauete (oder wohl nur von ihm besuchte) gewesen. Von den Männern der großen Synagoge wurden, der Tradition zufolge, zu Anfänge der Periode des zweiten Tempels die bekannten 18Scgensprüche, jedoch nur in allgemeinen Umrissen und ihrem wesentlichen Inhalte nach, entworfen, auch eine G cbet-Ordnu ng, wie solche noch befolgt wird, ohne daß die Formeln fixitt worden wären, indem cs vielmehr jedem Zeitalter überlassen blieb, die stehenden Gebete nach den vorherrschenden Ideen und dem Bedürfnisse der Gegenwart abzufasscn. ü) Dieser Einrichtung zufolge wurden in jeder Periode mit den Gebeten Modificationen vorgenvmmen, so daß die Geschichte der Gebete mit der Geschichte der Juden Hand in Hand gehr, und die eine in der andern ihre Lösung findet. Die von den Männern der großen Synagoge aufgcftellrcn Gebete nehmen im Allgemeinen nur auf die materiellen Wünsche und die körperlichen Bedürfnisse Rücksicht, während die der hohen Festtage, Neujahr und Versöhnungstag, universeller gehalten, ein Gottesreich, Erleuchtung des Geistes, Versöhnung des Gcmüthes, Vergebung der Sünden erstehen, wozu nach der Zerstörung des Tempels noch manches binzugefügttward, um die Sehnsucht nach Wiederherstellung des Tempel- und Opferdienftes auszudrücken. 7) — 4) Doch läßt sich nicht mit Sicherheit aus den einzelnen Stellen beweisen, ob die Propheten den Opferdienst als überflüssig betrachteten. Der Gegenstand verdient eine nähere Prüfung. D. H. 5) Es ist nicht uninteressant, daß-die Perser bereits bestimmte Formeln für sich wiederholende Gelegenheiten hatten, z. B. vor und nach dem Essen, bei'm Niesen, nach mancherlei körperlichen Verrichtungen; ferner bei'm Schlachten der Thiere; s. Zend-Avesta II. Vieles ist in dieser Liturgie der jüdischen ähnlich. 6) S. den trefflichen Aufsatz des Rabbiners Mortara, Annalen 1840. 23 ff. ') Z. B. wan , und mizjyn na awm In den Lcidenszeiten, als das Volk auf barbarische Weise mißhandelt wurde, und Ströme unschuldigen Blutes flössen, und keine Rettung zu hoffen war, als von der Hand des Allmächtigen, da schrien die Bedrängten zu ihm, und das Gebet, das aus Angst und gerechtem Unwillen hervorquoll, konnte nicht ein sanfter Erguß der frommen Sehnsucht sein, sondern mußte das Gepräge des Zornes, ja selbst der Rache wider die unerbittlichen Feinde annehmen. Daher finden sich solche Stellen schon in den alten Formeln, welche aus der Zeit der Vertilgungskriege herrühren. D —Noch mehrere Stücke der Art wurden verfaßt, als die Kreuzfahrer (1096) auf eine in der Geschichte sonst beispiellose Weise die Juden in vielen Städten der Rheingegend hinmordeten. ^) — Eine bedeutende Veränderung erlitt die Liturgie im Mittelalter durch die Pcitanim ">), sowohl in Betreff des Inhaltes als der sprachlichen Form (und des schlechten Geschmackes). Statt wohlklingender Hymnen und rührender Gebete führten sie allerlei Erinnerungen an alterthümliche Legenden, agadische Träumereien und kabbalistische Figuren") ein, die ihrer Fremdartigkeit wegen desto eher bewundert und angenommen wurden. So bizarr und lächerlich es auch erscheint, Gebete zu halten, die eines weitläufigen Commenkars bedürfen, um nur verstanden zu werden, und so sehr sich auch alle Verständigen in Israel, schon in alter Zeit, gegen deren Zulässigkeit erklärten, (s. Orient 1841. 30) so haben sich diese Stücke doch behauptet, und die Pietät für sich gewonnen, welche den Leichenduft und Moder abgeschiedener Zeit der frischen Blüthe des Lebens vorzieht. (Schluß folgt.) «) So im eh, bas schon dem R. Akiba bekannt war. (Tliaau. 25). 9) Dahin gehört das viel besprochene E^Ernn 2H, wel- ' ches damals verfaßt ward. Herr Benj. Nie der Hofheim in Frankfurt a. M., welcher eine der schätzbarsten Bibliotheken besitzt, hat ein handschriftliches Machsor vom 5050 (1290), worin sich jenes Stück bereits befindet. '") Ein Jargon-Wort, welches wir endlich verdrängen sollten; es ist aus xoeta entstanden, und könnte auch Poeten lauten. Wozu die Beibehaltung solcher Corruplionen? D. H. ") Die Spanier hielten sich jedoch meist frei von diesem Vorwurfe, und die Hymnen eines Salomo b. Gabirol gehören zu den besten der Gattung.