Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1841-10-01 · Heft 40 (1.10.1841) · p. Seite 319

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 40 (1.10.1841)
Date
1841-10-01
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133765-3133874-3133915--1332-3135569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

319 Breslau, 1. September 1841. — Ich habe Ihnen heute ein Ereigniß zu berichten, das erfreulich für die Gemeinde, und ehrenvoll für den ist, von dem es ausgegangen. Die Krankenverpflegungs-Anstalt (Chebrah Kaddischa) ist hier eine der ältesten Gemeinde-Anstalten, und sie hat von dem Beginn ihres Entstehens, das mit der Befestigung eines Gemeindekebcns in hiesigem Orte gleichzeitig ist, eine so bedeutende Stellung eingenommen, und so vielfache Zweige der Wohlthätigkeit, wenn sie auch mit ihrem nächsten Zwecke nicht unmittelbar verbunden sind, in sich ausgenommen, daß das Interesse der Gemeinde jederzeit für sie sehr lebendig und stets ein reger Eifer vorhanden war, die Mittel für ihre großen Bedürfnisse herbeizuschaffen. Allein der unmittelbare Bedarf war immer zu groß und zu dringend, als daß ein neues Krankenhaus, angemessen den erweiterten Ansprüchen und den Anforderungen unserer Zeit, auf gewöhnlichem Wege hätte begründet werden können. Eine jüngere, aber nicht minder wohlthätige Anstalt, nämlich ein Waiseninstitut, ist gleichfalls allmählig zu einem großen Umfange erwachsen; auch hier konnte der für wohlthätige Zwecke unerschöpfliche Sinn unserer Gemeinde wohl für die augenblicklichen Bedürfnisse ausreichen, aber eine bleibende Stätte, die dem ganzen Institute erst die rechte Dauer und Wirksamkeit verleihet, wurde schmerzlich vermißt. Allein wir vermissen beides nicht mehr. Der großartige Sinn eines Mannes, eines Mannes, der, wie der Rabb. Geiger in seinem Festvortrage sich ausdrückt, in seinem schlichten Wandel durch Nichts vor dem Geringsten seiner Brüder sich auszeichnen wollte, als durch den Umfang und die Größe seiner Wohlthaten, eines Mannes, welcher der Gemeinde nicht bloß durch seinen Rath — er ist erster Vorsteher der Gemeinde, Vorsteher der Chebrah Kaddischa re. — sondern auch mit der That deistehen wollte, hat ihm abgehvlfen. Herr Jonas Fränckel — das ist der Name des würdigen Mannes — hat ein Gebäude errichtet, dessen einer Theil das Hospital bildet, dessen anderer für die Waisen bestimmt ist; das Gebäude ist im höchsten Grade seinem Zwecke entsprechend, und nicht zufrieden mit diesem großartigen Geschenk von 70 — 80,000 Thalern, hat der edle Mann die Schenkung nach testamentarischer Verfügung auf 100,000 Thlr. erhöht. — Heute war die Einweihung des Hauses; würdig und dem Gegenstände angemessen waren die Vorbereitungen dazu und die Feier selbst. Nach einem kurzen Gesang übergab Herr Fränckel mit einigen ergreifenden Worten.die Urkunde dem Gemeinde-Vorstände, und der Vorsteher, Hr. Levy, sprach in schönen Worten den Dank der Gemeinde aus; hierauf erfolgte die der Feier entsprechende Festrede des Rabb. Geiger, und ein Gesang schloß das Ganze. Unvergeßlich ist dieser Tag auch den Eingeladenen, den hohen, Behörden wie andern Honoratioren, die später bei einem traulichen Mahle ihre Freude aussprachen, und in mannichfachen Loasts beurkundete sich die anerkennendste und brüderliche Besinnung. Soviel für heute! Noch einzelne Mittheilungen, besonders ein Referat über die wohlgelungene Einladungsschrift des Herrn Dr. med. Krätzer, behalte ich mir für nächstens vor. Breslau. — Die L. A. Z. enthält folgende Nachricht über die Aeußerungen Sr. Maj. des Königs bei Allerhöchst dero Anwesenheit in Breslau. Bei der Cour, welche der König am Abend des 13. Sept. veranstaltete, erschien auch auf allerhöchsten Befehl eine Deputation, welche aus sämmtlichen schlesischen jüdischen Gemeinden zu deren Vertretung erwählt war, bestehend ausdem hiesigen Rabbiner vr. Geiger, Kaufmann Levy, Mitgliede des hiesigen Gemcindevorstandes, und dem Kaufmann Muhr aus Pleß, welche die drei Regierungsbezirke repräsentirten. In der huldvollsten Weise ausgenommen, redete die Deputation durch ihren Wortführer, vr. Geiger, den König in Holzenden Worten an: „Allergnädigster König und Herr! uns ist das hohe Glück zu Theil geworden, Ew. Maj. im Auftrag Allerhöchstdero sämmtlicher schlesischer Gemeinden jüdischen Bekenntnisses die ehrfurchtvollsten Huldigungen zu Füßen legen zu dürfen. Wir sind von Ew. Maj. der hohen Gnade gewürdigt worden, den Ausdruck ihrer tiefergebenen treuen Unterthanengesinnungen, welchen sie schriftlich uns übergeben haben, mündlich mit kurzen Worten vor Ew. Maj. bringen zu dürfen. Unser hochseliger König hat uns aus dem Schutzverhältnisse in den meisten Beziehungen zum Äange der Bürger emporgehoben; tiefer Dank lebt dafür unaussprechlich in unfern Herzen. Ew. Maj. huldvolle Aeußerungen erfüllen uns mit der unaussprechlich frohen Hoffnung, daß das Werk der Gnade gegen die Juden fortgesetzt werde, und wir allmählich den übrigen Unterthanen Ew. Maj. gleichgestellt werden. Gleich in Liebe und Treue gegen unfern allergnädigsten Landesvater, gleich in Gehorsam gegen das Gesetz, gleich in den Rechten, welche das Gesetz verleiht, unterscheiden wir uns dann nur noch von den übrigen Unterthanen in dem religiösen Bekenntnisse, das, ehrwürdig durch sein Alter, in der irdischen Regierung einen Abglanz der himmlischen, göttlichen erblickt. Im Namen dieser Religion, welche nahe an 200,000 Bekenner in Ew. Maj. Staaten zählt, welche bis letzt blos geduldet, durch die Gnade Ew. Maj. zu größerer Anerkennung huldvoll erhoben werden wird, im Namen dieser Religion erflehen wir für die Regierung Ew. Maj. lange Dauer, Heil und Segen!" Der König nahm diese Anrede gnädig auf, empfing die von sämmtlichen Gemeinden vollzogene schriftliche Adresse eigenhändig und unterhielt sich ungefähr 20 Minuten mit den Deputirten. Diese Unterhaltung zeigte wiederum, mit welcher Klarheit der König alle Verhältnisse erfaßt, und gab die frohe Bürgschaft, baß derselbe mit Wohlwollen die jüdischen Angelegenheiten betrachtet. Seine huldvollen, Fortschritt verheißenden Aeußerungen erfüllten die Deputirten mit dem tiefsten lebendigsten Dank. Unter Ander« wurden dieselben mit den Bemerkungen erfreut, welche sie aus dem Munde des Königs vernahmen, er habe bereits mit dem Staatsministerium darüber gebrochen, daß die Amtsfähigkeit der Juden erweitert werde, und daß er es für angemessen finde, daß die Bestimmungen, welche das Edict vom 11. Mär; 1812 für die Regulirung der kirchlichen und Gemeindeangelegenheiten in Aussicht »inen Neffen desselben betroffen habe, wie andere Zeugnisse beweisen, jener aber 1340 eines natürlichen Todes gestorben sei. — Gleichzeitig ist die falsche Angabe, die wir vil. 19 Litern Quellen nachgeschrieben. Laß Jakob, Vers, der Turim, zuletzt in Deutschland gelebt habe, durch seinen Leichenstein (?) berichtigt, aus welchem zu ersehen. Laß er neben seinem Vater und vier Brüdern begraben ward (Das^ Sterbejahr fehlt). — Wenachem b. Serach starb 1385 (10).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.